30.06.2014

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Haitian + Zhafir: Gut besuchte Hausmesse - Deutlicher Ausbau der Produktionskapazitäten in Ebermannsdorf angekündigt

Vom 26.-27. Juni 2014 veranstaltete Haitian International mit seinem "European Open House" erstmals eine Hausmesse in Deutschland und Europa. Dabei kamen rund 500 Kunden und Interessenten aus ganz Europa ins oberpfälzische Ebermannsdorf bei Amberg, zum Hauptsitz von Zhafir, womit die Erwartungen der Veranstalter übertroffen wurden.

Eingeladen hatten Haitian Europe, die Tochtergesellschaft des chinesischen Herstellers von Spritzgießmaschinen, und die Schwestermarke für elektrische Maschinen im Hochleistungssegment, die in Deutschland ansässige Zhafir Plastics Machinery, auf deren Werksgelände die Hausmesse stattfand. Die meisten Besucher kamen aus den Ländern, wo Haitian Europe bislang am stärksten vertreten ist, also Tschechien, der Slovakei, Polen, Italien und Frankreich; aus Deutschland fanden immerhin gut 100 Besucher den Weg in die nördliche Oberpfalz. Diese Besucherzahl reflektiert in etwa auch die Marktposition von Haitian hierzulande, denn nach Anbieterangaben sind in Deutschland bislang erst etwa 150 Maschinen von Haitian und Zhafir installiert.

Deutschland noch immer ein schwieriger Markt
Dass Deutschland für Maschinenhersteller aus China immer noch ein schwieriger Markt ist, gab Uwe Bär, Geschäftsführer von Haitian Europe, unumwunden zu. Daran habe sich auch seit dem Umzug der Europazentrale von Italien nach Nürnberg vor einigen Jahren noch nicht sehr viel geändert, aber man hole auf: So sei es gelungen, die Marken Haitian und Zhafir von der Kategorie der Billiganbieter zu distanzieren und man habe in den letzten Jahren zahlreiche Unternehmen überzeugen können, die Maschinen zu testen, überwiegend mit positivem Ergebnis, so Bär weiter.

Generell agiere man in Deutschland nach dem Prinzip von Marathonläufern, nicht von Sprintern; mit viel Geduld wolle man mehr und mehr Verarbeiter überzeugen. So seinen unter den 150 bisher verkauften Einheiten viele so genannte Leuchtturmprojekte bei Kunden, die man intern als strategische Schlüsselkunden mit Multiplikatoren-Effekt ansehe. Zwei solcher Referenzkunden, die Firma Gira aus Radevormwald und die Firma Inotech aus Nabburg, berichteten in Vorträgen von ihren Anwender-Erfahrungen mit der Mercury ME550 bzw. mit der Venus I.

Mit dem Ausbau des Vertriebsnetzes in Deutschland - zur Zeit leisten in Nürnberg 15 Mitarbeiter den Service und Support für die 16 Ländervertretungen in Europa - will man diesen langsamen Überzeugungsprozess verstetigen und verstärken. Dazu passt auch die Ankündigung, die Professor Helmar Franz, CSO von Haitian International, im Anschluss machte, nachdem er die Rekordzahlen von Haitian weltweit für das Jahr 2013 (siehe auch plasticker-News vom 16.04.2014) berichtet hatte:

Ausbau des Werkes in Ebermannsdorf mit Verdopplung der Kapazität
Anlässlich der Hausmesse verriet Professor Franz, dass der Vorstand von Haitian International am Vorabend die Entscheidung getroffen habe, die Produktionskapazitäten am Standort Ebermannsdorf erheblich auszubauen. Direkt neben den rund 20.000 qm Werksgelände, auf denen sich seit 2006 die Verwaltung und die F&E Abteilung von Zahfir sowie die Montagehalle für die Zhafir Maschinenreihen Mercury und Venus befinden, besitzt Zhafir noch einmal rund 16.000qm Reservefläche. Auf diesem Grundstück soll schon bald ein weiteres Produktionsgebäude entstehen, durch das die Produktionskapazität in Deutschland von zur Zeit rund 500 Maschinen im Jahr auf rund 1.000 Maschinen erhöht werde.

Mit der Planung will man laut Franz noch in diesem Jahr beginnen, den Baubeginn erwartet er für 2015 und die Inbetriebnahme für 2016. Als Investionssumme rechnet Franz mit einem zweistelligen Millionenbetrag, genaueres wisse man erst nach Abschluss der Planungen.


Aktuell befindet sich in Ebermannsdorf die komplette Fertigung der auch dort entwickelten Mercury Baureihe, bei der Zahfir nach eigenen Angaben ganz überwiegend auf Zulieferer aus der Region zurückgreift, und die Montage der Maschinen aus der Venus Baureihe. Für letztere kämen die meisten Teile zur Zeit noch aus China, der Anteil in Europa gefertigter Baugruppen nehme aber beständig zu, so Steffen Franz, Geschäftsführer und Technischer Direktor bei Zhafir.
Die künftigen Produktionskapazitäten will Zhafir neben den bestehenden Serien vor allem für die elektrischen (bzw. hybriden, s.u.) Maschinen der neuen Zeres Baureihe nutzen; alle in Ebermannsdorf gebauten Maschinen seien ausschließlich für den europäischen Markt.

Die Ankündigung zum Ausbau in Deutschland drückt aus, dass Haitian glaubt, in Europa weiter bzw. stärker als bisher wachsen zu können und dass man - anders als mancher Mitbewerber - einen deutlichen Anstieg des Anteils elektrischer bzw. vollelektrischer Maschinen erwartet.

Neue Zeres Baureihe und Neuerungen bei den Jupiter II und Venus II Serien
Im Fokus der Hausmesse stand die neue Zeres Baureihe, welche Ende April auf der Chinaplas erstmals vorgestellt wurde und seither auf einer Roadshow durch Europa präsentiert wird, die Hausmesse war die letzte von acht Stationen dieser Europatour (siehe auch plasticker-News vom 13.05.2014).

Die Zeres basiert technisch ganz überwiegend auf der vollelektrischen Venus II Serie von Zhafir mit servoelektrischen Antrieben für die Hauptbewegungen Dosieren, Einspritzen und Werkzeugöffnung. Anders als die Venus II hat sie eine integrierte Kleinspeicherhydraulik, über die die Nebenbewegungen wie Kernzüge, Düsenanlage und hydraulische Auswerfer angetrieben werden können.

Zhafir spricht bei der somit hybriden bzw. teilweise hydraulischen Maschine von einer "elektrischen Maschine" im Unterschied zu "vollelektrischen" Maschinen, wie der Venus und der Mercury, da die wesentlichen Antriebe weiterhin elektrisch seien.

Dies soll K-Verarbeitern ermöglichen, bestehende Werkzeuge mit hydraulischen Kernzügen zu nutzen und hydraulik-orientierten Verarbeitern damit den Einstieg in die Welt der elektrischen Technologien erleichtern, wie Uwe Bär erklärt.

Die Zeres ist in sieben Schließkräften zwischen 400 und 2.300 kN sowie pro Baugröße mit bis zu vier verschiedenen Einspritzaggregaten verfügbar.


Daneben wurde Anwendungen auf der Mercury 1500, auf der optimierten Venus II und der Jupiter II gezeigt. Die vollelektrische Venus II Serie wurde optimiert, einschließlich der High-Speed-Varianten für schnelleres Einspritzen bis 500 mm/s. Die in zahlreichen Details verbesserte Venus II entspricht laut Anbieter den gestiegenen Marktanforderungen im Hinblick auf Energieeffizienz, Präzision und Prozessstabilität.

Die kompakte Jupiter II Serie mit Zwei-Platten-Technologie soll noch stärker auf die Bedürfnisse der Automobil-Zulieferer eingehen; dazu wurde das Maschinendesign in einigen wichtigen Punkten und vielen Details überarbeitet: Große Werkzeugflächen, noch größere Holmabstände und Schließeinheiten sollen den Umgang mit schweren Werkzeugen vereinfachen. Das Einsatzspektrum der Jupiter II Serie wurde demnach enorm erweitert, auch in den unteren Schließkraftbereich: Künftig ist sie in Schließkraftklassen von 6.000 bis 66.000 kN lieferbar.

Als weltweit größte Spritzgießmaschine bislang sei eine Jupiter II 66000 im Einsatz, die für einen chinesischen Verarbeiter sehr große Kunststoffteile für die Wasseraufbereitung aus ABS produziere. Die Leistungsgrenze sieht man damit bei Haitian aber noch nicht erreicht: Auf Anfrage könne die Jupiter II Serie auch mit bis zu 88.000 kN ausgestattet werden.

Weitere Informationen:
www.haitianeurope.com, www.haitian.com, www.zhafir.com/de

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