01.02.2012

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Hermann-Staudinger-Preis für Axel H. E. Müller

Die GDCh würdigt damit Müllers Forschungsarbeiten zur Weiterentwicklung der Polymersynthese und zur Herstellung komplexer nanoskaliger Polymerarchitekturen. Auch seine Arbeiten zum Phasenverhalten von Polymeren in Lösung, die deutliche Parallelen zum Forschungsgebiet Staudingers aufweisen, verdienen Anerkennung, so die GDCh.

Weltweite Anerkennung haben Müllers Arbeiten zur ionischen Polymerisation und Gruppentransferpolymerisation erfahren, insbesondere wegen der tiefgehenden mechanistischen Untersuchungen. Sie bilden das Fundament für das gegenwärtige Verständnis der Wachstumsreaktionen bei der anionischen Polymerisation von polaren Monomeren. Aber auch die modernen Methoden der kontrollierten radikalischen Polymerisation, z. B. in Kombination mit Atomtransferprozessen (ATRP), oder reversibler Kettenübertragung (RAFT), mit der sich komplizierte Molekülarchitekturen realisieren lassen, sind dank Müllers Arbeiten in ihrem Mechanismus nun besser verstanden.

Müller wendet diese Methoden an, um neuartige, komplexe Polymerstrukturen zu synthetisieren. Ihn interessiert deren Selbstorganisation zu komplexen Nanopartikeln, insbesondere zu den sogenannten Januspartikeln. Diese nach dem römischen Gott mit zwei Gesichtern benannten Partikel können kugel-, zylinder- oder scheibenförmig sein, besitzen aber immer zwei chemisch unterschiedliche Seiten.

Müllers Grundlagenforschung hat durchaus anwendungsorientierte Aspekte. Die in seinem Arbeitskreis entwickelten Januspartikel stabilisieren Emulsionen und dienen als Verträglichkeitsvermittler und damit zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften nicht mischbarer Polymerblends, könnten aber in Zukunft auch beim chemischen Recycling verschiedenartiger Kunststoffe Anwendung finden. Flaschenbürstenförmige Polymere aus Müllers Labor bilden das Gerüst für organisch-anorganische Hybride. Diese stäbchen- und röhrenförmigen Nanopartikel können als Katalysatoren dienen und werden auch auf ihre Tauglichkeit als lichtsammelnde Einheiten in Solarzellen untersucht. Andere, sternförmige Polymere könnten sich in der Gentherapie und Gentechnologie als Transporter für DNA-Material in Zellen erweisen, für die bisher nur Viren eingesetzt werden konnten.



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