Historisches Vorbild Bioplastik

• Um 1860 gelang es dem US-amerikanischen Erfinder John Wesley Hyatt (1837-1920), aus Collodiumwolle (Dinitrat der Cellulose), Salpetersäure, Schwefelsäure und Campher den ersten thermoplastischen Kunststoff zu erzeugen, der Celluloid genannt wurde. Als Vorläufer gilt das 1856 entwickelte, aber nicht verwertete Parkesine, benannt nach dem englischen Erfinder Alexander Parkes (1813-1890). Aus Zelluloid hergestellt wurden u. a. Kämme, Brillengestelle, Kugelschreibergehäuse, künstliche Gebisse, Billardkugeln, Spielzeug und Filme (Celluloidfolie). Das Material ist allerdings problematisch, denn es verwittert und ist leicht entflammbar; bei der Lagerung sinkt der Wassergehalt, der Nitroanteil nimmt zu und der Stoff kann sich spontan entzünden. 1951 wurde deshalb weltweit die Herstellung von Celluloidrohfilm eingestellt. Celluloid wurde seither mehr und mehr durch Polyethylenterephthalat (PET) ersetzt. Eines der letzten Produkte, welche noch heute aus Celluloid hergestellt werden, ist der Tischtennisball.
• 1897 entwickelten Wilhelm Krische und Adolf Spitteler (1846-1940) einen Kunststoff aus dem Kasein der Milch und Formaldehyd (Polykondensation), der als Galalith in den Handel kam. Man stellte aus diesem „Milchstein“ oder „Kunsthorn“ Knöpfe und Schmuck und später auch Isolierungen für elektrische Anlagen her. Das Galalith verlor nach 1945 durch die Entwicklung neuer, vollsynthetischer Kunststoffe an Bedeutung. Erdöl war zu diesem Zeitpunkt reichhaltig vorhanden, Milch wurde jedoch zu einem knappen Rohstoff. Auch war die Haltbarkeit von Galalith nicht besonders hoch. Das Material ermüdete frühzeitig und begann zu zerbröckeln. Ein weiterer Nachteil dieses ersten Biokunststoffes bestand darin, dass er bei Feuchtigkeit seine Stabilität einbüßte – er quoll in Wasser auf.