29.04.2011

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Hongkong: Kunststoffhandel erzielte 2010 Rekordwert

Die Nachfrage nach Kunststoffen von Seiten der südchinesischen Industrie zog 2010 kräftig an. Der Branchenhandel der Sonderverwaltungsregion (SVR) stieg gegenüber dem Vorjahr um fast 30% auf knapp 24 Mrd. US$. Auch 2011 soll das Geschäftsvolumen wachsen, jedoch entwickeln sich die Nachfragebranchen recht unterschiedlich. Während der Kfz-Sektor und die Haushaltselektroindustrie boomen, sind die Aussichten für die Unterhaltungselektronik und die Spielzeugbranche durchwachsen.

Hongkong ist ein bedeutender Handelsplatz für Kunststoffe. Traditionell importiert die SVR große Mengen an entsprechenden Primärstoffen und Halbwaren aus den benachbarten asiatischen Ländern sowie aus den USA und reexportiert diese nach Südchina. Die dortigen Fabriken benötigen die Vorprodukte beispielsweise zur Herstellung von Spielzeug und einfachen Plastikwaren, aber auch zur Fertigung von Pkw oder Geräten der Konsumelektronik.

Die internationale Krise hatte zwischenzeitlich für einen kräftigen Rückgang der Warenströme gesorgt. Bereits zur Jahresmitte 2008 sanken die Branchenreexporte nach China. Aufs Gesamtjahr hochgerechnet fielen sie um ein Drittel auf gut 6 Mrd. US$. Bei den Importen folgte der Einbruch um ein halbes Jahr zeitversetzt. Sie sanken 2009 um nahezu ein Viertel auf knapp 10 Mrd. $.

Doch das sind alles Zahlen aus der Vergangenheit. Spätestens seit dem Weihnachtsgeschäft 2009 war der Umschwung geschafft, und 2010 fuhren die meisten Händler wieder Rekordergebnisse ein. Der gesamte Kunststoffhandel Hongkongs erreichte einen Wert von fast 24 Mrd. US$. Das waren rund 4% mehr als in den Jahren 2007 bzw. 2008.

2011 soll das Geschäftsvolumen weiter wachsen, jedoch nur im einstelligen Prozentbereich. Zwischen den einzelnen Nachfragebranchen kann es allerdings große Unterschiede geben. Der Umsatz mit Herstellern von Spielzeug und Plastikwaren dürfte nach Einschätzung von Landeskennern mehr oder weniger stagnieren. Bei ihnen handelt es sich um Betriebe, die wenig kapitalintensiv produzieren. Doch die Löhne sind seit dem Ende der internationalen Krise rasant gestiegen, alleine 2010 um durchschnittlich 20%. Für 2011 erwarten Unternehmer eine ähnlich hohe Wachstumsrate.

Die ersten Spielzeughersteller haben daher bereits ihre Produktion in andere Provinzen oder Länder verlagert. Doch noch handelt es sich dabei nicht um ein Massenphänomen. Die meisten Unternehmen können mit relativ geringen Investitionen in ihren Maschinenparks ihre Fertigungskosten senken. Ein Vertreter des Verbandes der Hongkonger Spielzeughersteller schätzt daher, dass auch noch in zehn Jahren das Zentrum der chinesischen Spielzeugindustrie im Perlflussdelta liegen wird.

Die Hersteller von Unterhaltungselektronik bilden ebenfalls eine wichtige Nachfragebranche. Sie benötigen für die Gehäuse ihrer Produkte zum Teil hochmoderne, kratzfeste Kunststoffe aus dem Ausland. Viele Unternehmen arbeiten als Auftragsfertiger für internationale Konzerne. Sie importieren oftmals alle wichtigen Komponenten, und ihre eigene Wertschöpfung ist denkbar gering.

Die Unternehmen leiden daher besonders unter den steigenden Lohnkosten. Sie dürften in Zukunft verstärkt abwandern. Bestes Beispiel ist Foxconn. Der taiwanische Konzern produziert mit 400.000 Mitarbeitern unter anderem den iPad für Apple in Shenzhen. Er hat bereits 2010 angekündigt, bis 2012 drei Viertel seiner dortigen Arbeitskräfte freizusetzen. Neue Fabriken sollen im Inneren des Landes sowie anderen asiatischen Staaten entstehen.

Ganz anders wiederum sieht die Lage bei den Herstellern von Haushaltselektrogeräten aus. Bei ihnen handelt es sich vielfach um einheimische Unternehmen, die eine eigene Marke etabliert haben. Viele konnten in den letzten Jahren ihre Produktion trotz der internationalen Finanzkrise kräftig ausweiten. Der Ausstoß Guangdongs an Klimaanlagen hat sich alleine zwischen 2008 und 2010 um mehr als ein Drittel auf 55 Mio. Einheiten erhöht. Bei Kühlschränken registrierte die Statistik sogar ein Plus von gut 80% auf 15 Mio. Stück. Über die Hälfte aller landesweit produzierten Klimaanlagen liefen 2009 in Guangdong von den Bändern. Bei Staubsaugern ergab sich eine Quote von fast 40% und bei Abzugshauben von zwei Dritteln.

Die Branche kann, da sie im Wesentlichen Lowtech-Produkte herstellt, einen Großteil der elektronischen Kernkomponenten selber fertigen. Allerdings benötigt sie immer noch große Mengen an hochwertigen Kunststoffen aus dem Ausland. Da sie eine relativ hohe Wertschöpfung erbringt, soll sie nach dem Willen der Provinzregierung in Guangzhou gefördert und ausgebaut werden.

Keine staatliche Unterstützung braucht hingegen eine weitere wichtige Nachfragebranche: Die Kfz-Industrie. Der Ausstoß an Pkw hat sich zwischen 2005 und 2010 auf 1,3 Mio. Einheiten mehr als verdreifacht. Die 2-Mio.-Grenze dürfte angesichts zahlreicher angekündigter Neu- und Erweiterungsinvestitionen 2015, vermutlich sogar früher erreicht werden. Für 2020 erscheint ein Wert von 3 Mio. Stück nicht unrealistisch. Die Nachfrage nach hochwertigen Kunststoffen von Seiten der Kfz-Branche dürfte daher stetig zulegen.

Die wichtigsten Zulieferer von Kunststoffen für die südchinesische Industrie sind die USA sowie die asiatischen Industrie- und Schwellenstaaten Taiwan, Japan, Korea (Rep.), Thailand, Singapur und Malaysia. Sie brachten es zusammen auf eine Einfuhrquote von rund zwei Dritteln. Deutschland liefert 2010 Branchenwaren im Wert von über 300 Mio. $ in die Sonderverwaltungsregion, ein Plus von mehr als 14% zum Vorjahr. Damit wurde das Geschäftsniveau von 2008 fast erreicht.

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