09.02.2011

Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden

IFW Dresden eröffnet supraleitende Fahrversuchsanlage

Am 8. Februar 2011 nimmt das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (IFW) die Fahrversuchsanlage SupraTrans II in Betrieb. Es ist der weltweit erste Rundkurs einer Schwebebahn mit Hochtemperatur-Supraleitern im Trag- und Führsystem.

Seit Jahren ist das IFW Dresden mit der supraleitenden Schwebebahn im Modelleisenbahnformat auf Veranstaltungen, Messen und Konferenzen unterwegs und bringt den Besuchern das physikalische Phänomen der Supraleitung näher: Das supraleitende Material Yttrium-Barium-Kupfer-Oxid leitet unterhalb einer Temperatur von minus 183 °C widerstandslos elektrischen Strom und kann dabei hohe magnetische Felder einfrieren.
Die magnetischen Kräfte bewirken nicht nur ein Schweben, sondern sorgen auch für die exakte Führung im gleichbleibenden Abstand über der Schiene und für eine stabile Kurvenlage. Immer wieder zieht das Modell dieser Magnetschwebebahn viel staunendes Publikum an. Und immer wieder wird dabei die Frage gestellt, ob diese Technologie auch für reale Transportsysteme anwendbar ist. Für Prof. Dr. Ludwig Schultz, den Wissenschaftlichen Direktor des IFW Dresden und Experten auf dem Gebiet der Supraleitung, gibt es darauf nur eine Antwort.
Er ist von den Vorteilen des Schwebens auf Supraleitern überzeugt und setzt alles daran, aus dem Spielzeug der Physiker ein funktionierendes Schwebesystem für den Transport von Gütern und Personen zu entwickeln.

Mit der Entwicklung des Demonstrationsmodells SupraTrans gelang es 2004, den prinzipiellen Funktionsnachweis für eine alltagstaugliche Schwebebahn zu erbringen, deren Trag- und Führsystem auf Hochtemperatur-Supraleitern basiert. Es handelte sich um einen Einsitzer, der auf einem geraden Fahrweg von 7 Metern schwebt und wesentliche technische Komponenten eines funktionsfähigen Verkehrssystems wie z.B. Antrieb und Steuerung enthält.
Mit einer Investitionsförderung aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung wurde es 2009 möglich, den nächsten Schritt in Richtung technischer Anwendung dieses Transportsystems anzugehen.

Aus Mitteln des Europäischen Konjukturpaketes II stellten der Bund und der Freistaat Sachsen dem IFW Dresden 2,2 Mio. Euro zur Verfügung, um einen 80 Meter langen Rundkurs zu errichten. In anderthalb Jahren Entwicklungs- und Bauzeit konnte die Firma evico Gmbh als Systemlieferant die Fahrversuchsanlage am IFW-Forschungsstandort SupraTrans in Dresden-Niedersedlitz errichten. Sie wird am 8. Februar 2011 im Beisein der Sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Frau Prof. Sabine von Schorlemer, feierlich in Betrieb genommen.

Gegenüber dem Demonstrationsmodell SupraTrans stellt die neue Fahrversuchsanlage SupraTrans II eine erhebliche Weiterentwicklung dar. Der Fahrweg des Rundkurses ist deutlich länger und enthält Kurven. Es wurden neue Systemkomponenten integriert, die z.B. die permanente, kontaktlose Energiezuführung zum Fahrzeug während der Fahrt ermöglichen, geliefert von der Conductix Wampfler AG in Weil am Rhein. Das Fahrzeug kann zwei Personen mit einer Geschwindigkeit von max. 20 km/h schwebend transportieren. Der Antrieb erfolgt durch einen Drehstrom-Asynchronlinearmotor, der von der Firma Oswald Elektromotoren in Miltenberg entwickelt wurde.

Die Leittechnik zur Lokalisation, Überwachung und Steuerung des Fahrzeuges wurde von der Firma ELBAS Elektrische Bahnsysteme Ingenieur-Gesellschaft mbH Dresden beigesteuert. Sie ist so ausgelegt, dass auf dem Rundkurs gleichzeitige mehrerer Fahrzeuge betrieben werden können. All diese Komponenten werden entwickelt und erprobt, um das Transportsystem unter praxisnahen Betriebsbedingungen zu testen und weiterzuentwickeln.

Die Fahrversuchsanlage SupraTrans II dient vorrangig Forschungszwecken zur Weiterentwicklung der supraleitenden Schwebetechnik. In begrenztem Umfang wird die Anlage auch für angemeldete Besuchergruppen zu besichtigen und auszuprobieren sein. Interessenten können sich per E-Mail an folgende Adresse wenden:
besucher@supratrans.de.

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