19.03.2010

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IKV: 25. Kolloquium erfolgreich

Mit knapp 500 Teilnehmern kann das 25. Kolloquium des Instituts für Kunststoffverarbeitung (Aachen; www.ikv-aachen.de) am 3. und 4. März 2010 im Eurogress Aachen als guter Erfolg bezeichnet werden. Der seit der Jahrtausendwende herrschende Schwindungstrend konnte damit gestoppt und die Besucherzahlen auf Höhe der Vorveranstaltung stabilisiert werden. Die Teilnehmer kamen aus 15 Nationen und über 250 Unternehmen und Institutionen.


Die Vorträge der Gäste und Institutsmitarbeiter unterstrichen ebenso wie die vielen Gesprächsmöglichkeiten in einer guten Arbeitsatmosphäre die Rolle des IKV als führendes universitäres Institut der Kunststofftechnik. Auf dem Jubiläumskolloquium präsentierte das IKV erneut die aktuellen Forschungsergebnisse und deckte damit die Bandbreite der Kunststoffverarbeitung ab. Unter dem Motto „Perspektive Kunststofftechnik“ wurden Optionen für die Kunststoffverarbeitung von morgen aufgezeigt. Dazu betont Institutsleiter Professor Dr. Walter Michaeli, dass Wissenschaft und Forschung die Grundlage für Wissen, Wachstum und Wohlstand darstellen. Besonders der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Wirtschaft, die Sichtbarmachung dieser Erkenntnisse für die industrielle Praxis sei ein Anliegen des Kolloquiums.


Preise und Ehrungen
Im Rahmen der festlichen Eröffnungsveranstaltung des Kolloquiums fand am 3. März 2010 im Europasaal die Verleihung des „Georg-Menges-Preises" 2010 statt. Diesjähriger Preisträger ist Professor em. Dr. Dr. h.c. Hartwig Höcker. Der zum siebten Mal vergebene Preis wurde gemeinschaftlich verliehen vom VDMA-Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen, von PlasticsEurope Deutschland und von der Vereinigung zur Förderung des Instituts für Kunststoffverarbeitung in Industrie und Handwerk an der RWTH Aachen. Höcker war bis zu seiner Emeritierung Professor für Textilchemie und Makromolekulare Chemie und Direktor des Deutschen Wollforschungsinstituts (DWI) an der RWTH Aachen. Er hat erfolgreich Sonderforschungsbereiche initiiert und sich für eine interdisziplinäre Forschung an der RWTH Aachen eingesetzt. Er ist in zahlreichen Gremien tätig, in denen er sich für die Förderung eines kommunikations- und kooperationsfreundlichen Klimas zwischen Wissenschaft und Wirtschaft einsetze. Damit gestalte er aktiv die Forschungslandschaft, hieß es in der Laudatio, und habe dazu beigetragen, über Forschung und konsequente Ergebnisumsetzung zu innovativen Prozessen und Produkten – so auch in der Kunststoffbranche – zu kommen.


Als weitere Preise wurden der „Young Researcher Award 2009" und der „Studienpreis Faserverstärkte Kunststoffe 2010" verliehen. Zur Auszeichnung herausragender integrativer Zusammenarbeit von Wissenschaftlern wurde erstmalig für das Jahr 2009 der Young- Reseacher-Award an Forschergruppen des Exzellenzclusters „Integrative Produktions-technik für Hochlohnländer“ vergeben. Zu den Preisträgern gehörten die IKV-Wissenschaftler Dipl.-Ing. Tim Arping, Dipl.-Ing. Thomas Baranowski, Dipl.-Ing. Barbara Heesel sowie Dipl.-Ing. Christian Windeck. Der „Studienpreis Faserverstärkte Kunststoffe“ wurde zum zweiten Mal von Dr.-Ing. Peter Ehrentraut gestiftet und verliehen; ausgezeichnet wurde Dipl.-Ing. Robert Bastian für seine hervorragende Diplomarbeit mit dem Titel „Optimierung der Fertigung von CFK-Fahrradrahmen in der Prepreg-Bauweise“.


Highlights aus Plenum und Fachabteilungen
Professor Michaeli eröffnete mit seinem Plenarvortrag „Forschung im universitären Umfeld – Das IKV, die RWTH Aachen und die Exzellenzinitiative“ den fachlichen Teil des Kolloquiums. In seinem Vortrag referierte Michaeli über die universitäre Forschung, ihre gesellschaftliche Bedeutung und den Beitrag des IKV als integrativen Bestandteil der RWTH Aachen wie auch über die Exzellenzinitiative. Er appellierte eindringlich, dass die Erkenntnisse aus der Wissenschaft ausreichend wahrgenommen werden müssen und dass der Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie die Berücksichtigung inhaltlicher Wünsche bzgl. der Forschung nur im gemeinsamen Austausch stattfinden kann. Besonders wies Michaeli darauf hin, dass Nachhaltigkeit eine Devise der Forschung und ihrer Förderer sein müsse. Kurzfristige Trends in der Forschung erfüllten oftmals nicht den intendierten Wunsch nach gesellschaftlicher Relevanz. Den zweiten Vortragstag eröffnete Professor Dr. Ullrich Masberg mit dem Plenarvortrag „Die Simulation und der Kautschukingenieur“, in dem er auf die zunehmende Bedeutung numerischer Simulationsverfahren für die Arbeit des Ingenieurs in der Kautschukbranche einging.


Aus der Fachabteilung „Spritzgießen" des Instituts wurde über zahlreiche Neuentwicklungen im Bereich der Spritzgießsonderverfahren berichtet. Publikumsmagnet war die Demonstration eines hybriden Mehrkomponentenprozesses, bei dem erstmalig das Kunststoffspritzgießen mit dem Metalldruckgießen kombiniert wurde, um metallische Leiterbahnen direkt auf einen Kunststoffträger aufzuspritzen. Mit diesem großserientauglichen Mehrkomponentenprozess lassen sich hochwertige Elektronik-Bauteile mit neuem Eigenschaftsprofil unter Verkürzung der Prozesskette herstellen. Daraus ergibt sich ein enormes Potenzial für zahlreiche zukünftige Anwendungen zum Beispiel in der Automobil- und Elektronikindustrie.


Die Abteilung „Extrusion" des IKV stellte unter anderem ein neuartiges Konzept der Schmelzeentgasung als kostengünstige Alternative zur konventionellen Vortrocknung vor. Gerade bei der Verarbeitung von Hydrolyse empfindlichen Polykondensaten kann eine schwankende Feuchte im Rohstoff zu Qualitätsproblemen führen. Die Materialfeuchte ist so vom Anteil an Recyclat und der Lagerbedingungen abhängig und hat großen Einfluss auf den hydrolytischen Abbau des Materials im Extruder. Durch eine konstante Entgasung können diese Schwankungen nicht vollständig ausgeglichen werden, sodass eine homogene Produktqualität bislang nicht garantiert werden konnte. Mit dem neuartigen System zur Regelung können Schwankungen in der Rohstofffeuchte ausgeglichen werden, sodass nun eine homogene Produktqualität erzielt werden kann.


Im Bereich „Formteilauslegung und Werkstofftechnik" stießen die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der plasmagestützten Veredelungsverfahren bei den Teilnehmern auf besonderes Interesse. Vorgestellt wurde neben der Barrierebeschichtung alternativer Werkstoffe wie Polypropylen (PP) oder Polylactid (PLA) eine neuartige Verfahrensvariante zur kombinierten Innen- und Außenbeschichtung von Getränkeflaschen im Niederdruckverfahren. Der hierzu am IKV entwickelte Demonstrator ermöglicht die Abscheidung eines bislang nur über die Kombination zweier Einzelprozesse realisierbaren Sperrschichtsystems in einem einzigen Prozess und sorgt damit für mehr Wirtschaftlichkeit.


Die Abteilung „Faserverstärkte Kunststoffe" punktete besonders mit großserientauglichen Fertigungsverfahren für duroplastische FVK. Hier war speziell das Spaltimprägnierverfahren von großem Interesse, das bereits 2009 den Innovationspreis der Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe e.V. errungen hat. Aber ebenso wurden neue Simulationstools und das Faserspritzen von thermoplastischen Hybridgarnen goutiert.


Besonderen Anklang fanden laut dem Veranstalter auch die vier Workshops. Mit über 100 Teilnehmern war der Workshop „Medizintechnik“ sehr gut besucht. Das zeigt, wie groß das Interesse an dieser Thematik ist. Als Wachstumsmarkt in der Krise versuchen viele Unternehmen, in die Medizintechnik einzusteigen. Der Workshop „Vorteil Schadensanalyse“ bot einen Überblick über die Bandbreite typischer Schadensbilder und -mechanismen. Im Workshop „Managementmethoden“ wurde unter anderem die strukturelle Neuausrichtung eines Werkzeug- und Maschinenbauers vorgestellt, abgeleitet aus den Trends zu verkürzten Produktentwicklungszeiten mit kurzem Time-to-market in die Serienproduktion. Die „Zukunft der Reifentechnologie“ war Thema eines weiteren Workshops.


Tagungsband beim IKV noch erhältlich
Begleitend zu den Vortragsveranstaltungen fand im Foyer des Eurogress erneut eine Fachausstellung statt. 40 Unternehmen zeigten ihr Leistungsspektrum in den Bereichen Anlagen-, Peripherie- und Prozesstechnik, Ingenieurleistungen, Qualitätsregelsysteme, Labor- und Analysegeräte. Auf der Kolloquiumswebsite www.ikv-kolloquium.de können der aktuelle Ausstellerkatalog sowie eine Liste der teilnehmenden Unternehmen noch einige Zeit eingesehen werden.


Wer sich über die fachlichen Inhalte des Kolloquiums ausführlich informieren will, für den hält das IKV noch einige Restexemplare des Tagungshandbuchs bereit. Sie können über die Bibliothek des IKV (bibliothek@ikv.rwth-aachen.de) bezogen werden. Ansprechpartner ist Zorica Jokic-Masina, Tel. +49 (0) 241 80-93820.

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