26.03.2012

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IKV: Integrative Kunststofftechnik beim IKV-Kolloquium erfolgreich präsentiert

Mehr als 600 Teilnehmer trafen sich zum traditionellen Branchentreff in Aachen

Am 7. und 8. März trafen sich in Aachen über 600 Fachleute aus allen Bereichen der Kunststoffbranche, um sich auf dem 26. Internationalen Kunststofftechnischen Kolloquium des IKV über die neue Trends und Entwicklungen in der Kunststoffverarbeitung zu informieren. Rohstoffhersteller, Maschinen- und Werkzeugbauer sowie Kunststoffverarbeiter aus annähernd 300 Unternehmen und Institutionen und 15 Nationen fanden sich im Eurogress Aachen ein.

Erneut präsentierte das IKV aktuelle Forschungsergebnisse der letzten zwei Jahre und bewies mit über 600 Teilnehmern abermals, dass das Kolloquium einer der zentralen Branchentreffs der K-Branche ist. Unter dem Motto "Integrative Kunststofftechnik" lenkte das IKV den Blick in die Zukunft der Kunststofftechnik. Erst die kombinierte Betrachtung von Produktentwicklung, Werkstoffeigenschaften und Verarbeitungsprozessen ebnet den Weg für anforderungsgerechte, ressourcenschonende und wirtschaftliche Produkte aus Kunststoff.

Die Teilnehmer lobten die hohe Qualität der Vorträge und die gute Organisation der Veranstaltung sowie die begleitende Fachausstellung mit über 40 Ausstellern. Ausgewählte Experten aus der Wirtschaft, die das IKV als Moderatoren der Beiträge und als Referenten der Workshops gewinnen konnte, trugen maßgeblich zu dieser positiven Bilanz bei. Mehr denn je bot das Kolloquium eine ausgezeichnete Plattform zum Networking, die von den Gästen aktiv genutzt wurde.

Georg-Menges-Preis 2012
Im Rahmen der Eröffnung des Kolloquiums verliehen am 7. März 2012 der Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA, PlasticsEurope Deutschland und die Fördervereinigung des Instituts für Kunststoffverarbeitung (IKV) in Industrie und Handwerk an der RWTH Aachen Herrn Dipl.-Ing. Herbert Kraibühler den Georg-Menges-Preis 2012 (siehe auch plasticker-News vom 13.3.2012).

Kraibühler, der seit 1996 Geschäftsführer Technik bei der Arburg GmbH + Co KG ist, erhielt den Preis für seine herausragenden Verdienste um die Umsetzung von Erkenntnissen aus Forschung und Entwicklung sowie seinen Einsatz für eine kontinuierliche Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Die ausgezeichneten Leistungen Kraibühlers verdeutlichen auf besondere Art, dass nur über Forschung und konsequente Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse neue innovative Produkte entstehen können. Er hat stets das direkte Gespräch zu Wissenschaftlern gesucht und den Austausch zwischen Hochschulen und Industrie gefördert und damit erreicht, Themen an den Erfordernissen der Kunststoffindustrie auszurichten.

Studienpreis Faserverstärkte Kunststoffe 2012
Bereits zum dritten Mal wurde der "Studienpreis Faserverstärkte Kunststoffe" verliehen, gestiftet von Dr.-Ing. Peter Ehrentraut. Mit diesem Preis und dem Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro werden herausragende studentische Arbeiten auf dem Gebiet der faserverstärkten Kunststoffe gewürdigt. Dipl.-Wirt. Ing. Arne Böttcher, wissenschaftlicher Mitarbeiter des IKV, wurde für seine Diplomarbeit mit dem Titel "Entwicklung akustisch optimierter Sandwichaufbauten für Flugzeug-Interieurbauteile" ausgezeichnet. Böttcher zeigte in seiner Arbeit, wie durch die Entwicklung alternativer Sandwichbauweisen für den Interieurbereich von Passagierflugzeugen die Geräuschkulisse im Flugzeuginnenraum nachhaltig reduziert und der Reisekomfort gesteigert werden kann.

Plenarvortrag Professor Hopmann
Professor Christian Hopmann leitete mit seinem Plenarvortrag "Auf der Höhe der Zeit? Forschung und Lehre am IKV" in den fachlichen Teil des Kolloquiums ein. In seinem Vortrag wies Professor Hopmann ausdrücklich darauf hin, dass sich "Integrative Kunststofftechnik" vom Exzellenzcluster "Integrative Produktionstechnik für Hochlohnländer" ableitet, der einzige Exzellenzcluster, in dem die Kunststoffverarbeitung prominent vertreten sei. Der Exzellenzcluster untersucht, wie es Unternehmen gelingen kann, offensichtlich widersprüchliche Markterfordernisse miteinander zu verbinden und dem Wunsch des Kunden nach individuellen Produkten zu entsprechen. Professor Hopmann zeigte Herausforderungen wie die Verkürzung von Anlaufprozessen durch verbesserte Prozesssimulation, die verbesserte Vorhersage von Produkteigenschaften durch integrative Simulation prozessgeprägter Werkstoffeigenschaften und die Verfahrenskombination und Werkstoffintegration auf und wies ausdrücklich auf die hohen Innovationspotenziale der integrativen Produktionstechnik hin.

Dies alles vor dem Hintergrund einer exzellenten Ausbildung Studierender, ohne die derartige Ergebnisse kaum erzielbar sind. Fundamentale Aufgabe der akademischen Lehre ist die Vermittlung eines in Tiefe und Breite angelegten Fachwissens, ohne das die Auseinandersetzung mit unbeantworteten Fragen und die selbstständige Suche nach Antworten schwerlich umzusetzen ist. Die persönliche Begegnung und das Engagement aller Beteiligten zeichnen eine qualitativ hochwertige Lehre aus. Der Dreiklang aus Forschung, Lehre und Industrie sind Ursprung und Stärke der deutschen Kunststoffindustrie. Auch nach über 60 Jahren sind die Ziele des IKV noch zeitgemäß.

Plenarvortrag Dr. Carolin Vogt - IKB
Den zweiten Vortragstag eröffnete Dr. Carolin Vogt, IKB AG, Düsseldorf, mit dem Plenarvortrag "Das konjunkturelle Umfeld - Herausforderungen für die Gummi- und Kunststoffindustrie". In ihrem Vortrag ging Dr. Vogt auf die Auswirkungen der Banken- und Staatsschuldenkrise und die damit einhergehenden Risiken für die Kunststoffbranche ein. Als exportstarkes Land ist Deutschland besonders von einer intakten Weltwirtschaft abhängig. Auch die Kreditvergabespielräume der Banken sind eingeschränkt und dadurch die Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen erschwert. Aufgrund dieser Unsicherheiten sind heftige Schwankungen bei Zinsen, Wechselkursen und Rohstoffpreisen zu verzeichnen, gegen die sich Unternehmen absichern sollten.

IKV-Highlights Spritzgießen
Bei den Fachvorträgen aus den Abteilungen des IKV stießen beim Spritzgießen besonders die Entwicklungen von Kunststoffoptiken auf großes Interesse. Die nun 12-jährige Forschungstätigkeit des IKV im Sonderforschungsbereich "Prozessketten zur Replikation komplexer Optikkomponenten" hat dazu geführt, dass sich dickwandige und damit eigentlich nicht spritzgießgerechte Kunststofflinsen heute mit Abformgenauigkeiten im niedrigen zweistelligen Mikrometerbereich herstellen lassen. Auf dem Kolloquium wurde dem internationalen Fachpublikum erstmals eine werkzeugtechnische Lösung gezeigt, mit der auch der Zentrierfehler der optischen Flächen zueinander eliminiert werden kann. Bei dieser vollkommen neuen Technologie kann der düsenseitige Formeinsatz durch die Verwendung von Piezo-Aktuatoren in 1 µm Schritten ohne großen Aufwand online im Prozess in x- und y-Richtung verschoben werden. Dadurch wird die optische Leistungsfähigkeit weiter gesteigert, sodass Kunststoffe künftig auch in anspruchsvollen Optikanwendungen eine wirtschaftliche Alternative zum Werkstoff Glas bieten.

IKV-Highlights Extrusion und Weiterverarbeitung
Im Bereich Extrusion und Weiterverarbeitung wurde dem Fachpublikum unter anderem ein neues Verfahren zur Herstellung funktionsintegrierter Folien präsentiert. Die variotherme Prozessführung ermöglicht die Abformung von Mikrostrukturen in einem kombinierten Extrusions- und Prägeprozess zur Herstellung superhydrophober Oberflächen. Darüber hinaus überzeugten die Untersuchungen zum Recycling biobasierter Kunststoffe das Publikum. Vor dem Hintergrund limitierter Ressourcen und einem wachsenden Umweltbewusstsein fördert das Projekt "PLA 2nd Life" mit grundlegenden Untersuchungen zur Wiederverwertung von PLA-Abfällen den Gedanken der Nachhaltigkeit in der Kunststoffindustrie.

IKV-Highlights Formteilauslegung/Werkstofftechnik
Bei der Formteilauslegung und Werkstofftechnik stieß eine neuartige Prüfvorrichtung auf großes Interesse, mit der Kennwerte von Kunststoff-Metall-Hybridbauteilen unter definierten Lastfällen (z.B. Zug, Schub) ermittelt werden. Auf einer Universalprüfmaschine montiert, werden mit diesem Aufbau die Verbundhaftung und das Bauteilversagen reproduzierbar ermittelt. Die Kennwerte bilden eine wichtige Grundlage für die sichere Auslegung hochbeanspruchter Hybridbauteile. Ein innovatives Verfahren des Ultraschallschweißens fand im Bereich der Fügetechnik großen Anklang. Hierbei werden durch eine Vorerwärmung der Fügepartner äußerst hochwertige Schweißnähte erzielt, die zudem frei von Partikeln sind. Somit kann das Verfahren auch im Bereich der Medizintechnik und für medienführende Bauteile, z.B. im Automobilbau, eingesetzt werden.

IKV-Highlights FVK
Auf dem Gebiet der faserverstärkten Kunststoffe stießen die numerischen Untersuchungen zur Auswirkung von Mikroschädigung auf die mechanischen Eigenschaften auf großes Interesse. Aber auch die neuen am IKV entwickelten Verfahren zur Herstellung gewichtsoptimierter Bauteile mit thermoplastischer Matrix fanden große Beachtung. Das 3D-Faserspritzen sorgt durch die Einsparung der Textilherstellung und der Vermeidung von Verschnitt bei gleichzeitiger Einbringung einer lastgerechten Faserorientierung für mehr Wirtschaftlichkeit bei der Herstellung von langfaserverstärkten Bauteilen. Das Hochtemperatur-Diaphragma-Umformverfahren (HTDF) zur Verarbeitung von Organoblechen zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität und geringe Investitionskosten sowie durch die Möglichkeit der Verwendung technischer Thermoplaste wie PA6.6 und Polyphenylensulfid (PPS) aus.

Leichtbau-Workshop überfüllt
Auch die Workshops stießen auf sehr gute Resonanz. Die große Bedeutung des Themas Leichtbau für die Kunststoffbranche unterstrich der Workshop "Leichtbaupotenziale von faserverstärkten Kunststoffen im Automobilbau" mit über 200 Teilnehmern - damit war selbst ein großer Raum überfüllt. Gemeinsam wurde über Möglichkeiten zur Gewichtsreduktion von Kraftfahrzeugen durch den Einsatz faserverstärkter Kunststoffe diskutiert. Die große Herausforderung liegt insbesondere in der Entwicklung automatisierter serientauglicher Fertigungsverfahren, die ein hohes Maß an Funktionsintegration zulassen. Des Weiteren müssen die nächsten Fahrzeuggenerationen losgelöst von heutigen Konzepten betrachtet werden, um das Potenzial des Werkstoffs FVK zukünftig besser zu nutzen.

Blick über den technischen Tellerrand
"Standort- und Portfoliostrategien in der Kunststoffindustrie" wurden in 2012 zum ersten Mal diskutiert - ein Blick über den technischen Tellerrand hinaus. Verschiedene Standort- und Portfoliostrategien können Erfolg versprechend sein je nach Unternehmensgröße, Unternehmensausrichtung und Produkten. Referenten aus den Teilbranchen Kunststofferzeugung, Kunststoffmaschinenbau und Kunststoffverarbeitung stellten vor, wie sie Standort- und Portfoliostrategien in Abhängigkeit von den Markterfordernissen ableiten. Dies resultiert in unterschiedlichen Strategien, von einer lokalen Produktion in Deutschland mit weltweitem Export bis hin zu einer weltweiten Produktion, die dem Kunden folgt.

Werkzeuge-Workshop
Der Workshop "Leistungsfähige und hoch präzise Werkzeuge - nicht nur für die Medizintechnik" fand großen Anklang bei Vertretern aller Branchenzweige. Die Medizintechnik stellt nach wie vor einen bedeutenden Innovationsmotor dar. Für Unternehmen, die die entsprechenden Fertigungsverfahren zur Herstellung hochspezialisierter Werkzeuge für die Kunststoffverarbeitung oder die Fertigung komplexer Bauteile mit einer kontinuierlichen Teilequalität beherrschen, bietet sich in der Medizintechnikbranche ein attraktives Tätigkeitsfeld. Die Referenten aus Unternehmen der Konstruktion und Fertigung sowie der Temperierung in der Medizintechnik gaben einen Einblick in die Herausforderungen, auch aus regulatorischer Sicht, und die Möglichkeiten innovativer Werkzeugtechnik.

Lebensdauervorhersage für Kunststoffprodukte
Antworten auf Fragen zur Vorhersage der Lebensdauer und Restlebensdauer von Kunststoffprodukten gab der Workshop "Lebensdauervorhersage für Kunststoffprodukte". Die hohe Teilnehmerzahl demonstrierte, dass dieses Thema höchste Aktualität besitzt. Um ein Vorhersage treffen zu können müssen Informationen zur Beanspruchungshistorie, Kenntnisse zu den spezifischen Werkstoffreaktionen und geeignete Modelle zur zukünftigen Beschreibung der Eigenschaftsentwicklungen vorliegen. Es wurden Möglichkeiten der zeitraffenden Charakterisierung der Langzeiteigenschaften unter dem Aspekt veränderlicher Alterungsmechanismen dargestellt. Weiterhin wurde an Beispielen aus der Praxis aufgezeigt, dass die Vorhersage ohne detaillierte spezifische Betrachtungen und ohne Spiegelung mit Praxiserfahrungen unmöglich ist.

Erfolgreiches Rahmenprogramm
Begleitend zu den Vortragsveranstaltungen fand im Foyer des Eurogress wieder die Fachausstellung statt. 42 Unternehmen präsentierten Produkte und Dienstleistungen aus den Bereichen Anlagen-, Peripherie- und Prozesstechnik sowie innovative Ingenieurleistungen, Qualitätsregelsysteme, Labor- und Analysegeräte für die Kunststoff- und Kautschukindustrie. Die dank der diesjährigen Neuerung von kostenlosen Getränken und Mittagessen gut besuchte Fachausstellung führte zu zahlreichen neuen Kontakten. Zuspruch und Inhalt der geführten Gespräche wurden als gut und Erfolg versprechend bewertet, ebenso wurde die hervorragende Organisation gelobt. Auf der Kolloquiumswebsite www.ikv-kolloquium.de können der aktuelle Ausstellerkatalog sowie eine Liste der teilnehmenden Unternehmen eingesehen werden. Link: www.ikv-kolloquium.de/aussteller/aussteller-2012.

Polymerisation mal ganz anders
Die traditionelle Abendveranstaltung trug das Motto "Institut für Lach- und Sachgeschichten". Neben Shaun dem Schaf, Käpt´n Blaubär und dem kleinen Maulwurf boten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IKV vor wechselnden bunten Kulissen lustige Geschichten rund um Kunststoffe.

Institutsbesichtigung mit weit über 200 Teilnehmern
Wie immer bot das IKV am Nachmittag des zweiten Tages einen Tag der offenen Tür und den Teilnehmern öffneten sich die Türen der IKV-Technika. Über 60 Versuchsstände und Anlagen in den Maschinenhallen und Laboren präsentierten dem internationalen Fachpublikum die neuesten Verarbeitungstechnologien und Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Gerade die Live-Demonstrationen halfen, offene Fragen zu beantworten und rundeten damit das Kolloquium ab.

Das IKV dankt allen Aktiven und allen Teilnehmern des 26. Internationalen Kunststofftechnischen Kolloquiums für ihr Engagement und die vielen Anregungen in Einzelgesprächen und Diskussionsbeiträgen. In gleicher Weise dankt das IKV den Unternehmen der Fördervereinigung sowie den Stellen der öffentlichen Hand, die die vorgestellten Forschungsarbeiten unterstützt haben.

Für all diejenigen, die am Kolloquium nicht teilnehmen konnten, sich aber über dessen Inhalte ausführlich informieren wollen, hält das IKV Exemplare des Tagungshandbuchs bereit. Es kann über die Bibliothek des IKV bezogen werden.

Kontakt Bestellung Tagungshandbuch:
Zorica Jokic-Masina
Bibliothek
Telefon: +49 (0) 241 80-93820
Telefax: +49 (0) 241 80-92262
bibliothek@ikv.rwth-aachen.de

Weitere Informationen: www.ikv-kolloquium.de, www.ikv-aachen.de

26. Int. Kunststofftechnisches Kolloquium, 7.-8. März 2012, Aachen