06.11.2013

Friedrich-Schiller-Universität Jena

Im Alltag ist der „Stromer“ eine Alternative

Das Elektroauto steht an der Startlinie, kommt aber nicht so richtig in die Gänge. Noch stehen einem Siegeszug der E-Mobilität etliche Hürden im Weg. Dazu gehören die relativ geringe Reichweite der meisten E-Autos, der hohe Anschaffungspreis und die fehlende Infrastruktur.

„Das Elektroauto hat aber vor allem ein Akzeptanzproblem“, sagt Katharina Nagel von der Universität Jena. Die Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Softwaretechnik von Prof. Dr. Wilhelm Rossak möchte herausfinden, wo die Hürden für die E-Mobile liegen. Derzeit laufen am Lehrstuhl zwei Studien zur Elektromobilität. Im Projekt eTelematik wollen die Wissenschaftler von der Friedrich-Schiller-Universität die Einsatzgebiete von elektromotorisch betriebenen Nutzfahrzeugen ausloten. Im Fokus steht dabei ein Fahrzeugtyp, der mit verschiedenen Arbeitsgeräten kombiniert werden kann. Das zweite Projekt SmartCityLogistik Erfurt dient dazu, den Einsatz von E-Mobilen in der Großstadt zu untersuchen. Für die „Stromer“ in der Stadt spricht, dass sie vergleichsweise leise sind und abgasfrei fahren. Sie könnten zudem zukünftig als Zubringer an öffentliche Verkehrsmittel eine größere Rolle spielen.

Aktuell hat der Lehrstuhl einen i-MiEV von Mitsubishi Motors als Testfahrzeug zur Verfügung. „Wir haben die Chance, ganz praktische Erfahrungen mit einem Elektroauto zu sammeln“, sagt Katharina Nagel, die Soziologie und Informatik studiert hat. Bei dem Probeauto, das für drei Monate genutzt werden kann, handelt es sich um ein Serienfahrzeug. Es wurde mit zusätzlichen Messgeräten ein wenig aufgerüstet. So können die Informatiker nicht nur die Daten der Bordelektronik auslesen, sondern noch weitere Parameter erfassen. „Wir können genau nachvollziehen, wann Kurven gefahren wurden, welche Steigungen zu überwinden waren und welche klimatischen Bedingungen während der Probefahrt herrschten“, sagt Prof. Rossak. Das Wetter spiele eine nicht zu unterschätzende Rolle: Niedrige Temperaturen verkürzen die Reichweite von E-Autos.

Nach ca. 8 000 Testkilometern kann Prof. Rossak ein erstes Fazit ziehen. Die Wissenschaftler bescheinigen dem Fahrzeug durchaus Alltagstauglichkeit, machen jedoch Einschränkungen. So seien größere Strecken nur mit sorgfältiger Planung zu bewältigen. Insbesondere die vielerorts fehlenden Ladestationen machen Langstrecken zum Abenteuer: „Einmal fanden wir keine öffentliche Ladestation und nutzten dann die Stromversorgung auf einem Wohnmobilstellplatz“, sagt Nagel. Zusätzlich kompliziert werde es, weil unterschiedliche Steckersysteme angeboten werden. Normalerweise macht es jedoch keine Probleme, den i-MiEV zu laden: Seine Lithium-Ionen-Batterie kann innerhalb von acht Stunden an jeder herkömmlichen, gesicherten 230-Volt-Haushaltssteckdose vollständig geladen werden.

Im Alltag ist das E-Mobil eine Alternative zum Benziner: „Die in Deutschland durchschnittliche pro Tag zurückgelegte Fahrstrecke beträgt unter 50 km“, sagt Katharina Nagel. So sei selbst die tägliche Fahrt zur Arbeit für die meisten Pendler kein Problem. Das Testfahrzeug schafft mit vollen Batterien etwa 150 Kilometer, ehe es an die Steckdose muss. Zudem gibt es ein Schnell-Ladesystem, mit dem die Akkus bereits nach einer halben Stunde wieder volle Leistung haben. Dieses System steht aber nicht flächendeckend zur Verfügung.

Katharina Nagel: „Je nach Zuladung, Fahrstil und -strecke kann die Maximaldistanz erheblich variieren.“ Es lohne sich, vorausschauend zu fahren und z. B. darauf zu achten, dass bei Bergabfahrten wieder Energie ins System eingespeist werden kann. Um für verschiedene Fahrbedingungen den optimalen Energieverbrauch und die bestmögliche Reichweite zu erzielen, verfügt das Testauto über drei wählbare Vorwärtsgänge. Neben dem Rückwärtsgang und der Fahrtstufe „D“ gibt es noch zwei spezifische Positionen bzw. Funktionen: „B“ (Bremse) erhöht bei Bergabfahrten den Grad an Energie-Rückgewinnung, „C“ (Comfort) reduziert den Energie-Rückgewinnungseffekt im Schubbetrieb z. B. bei längeren Überlandfahrten.

Mit Hilfe der gesammelten Daten werden die Wissenschaftler von der Universität Jena nun Reichweitenmodelle erstellen, mit denen sich Fahrten im E-Mobil zielgenau planen lassen. So könnten sie einen Beitrag leisten, den Siegeszug des E-Mobiles zu beschleunigen.

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