08.11.2013

Friedrich-Schiller-Universität Jena

Im Zeitraffer zu neuen Materialien

Sonnenschein das ganze Jahr, dazu viel Wärme und Wind vom Meer. Mit diesen klimatischen Bedingungen lockt Florida nicht nur Touristen aus aller Welt an. Auch für Unternehmen, die neue Materialien auf ihre Witterungsbeständigkeit testen wollen, ist der Sonnenscheinstaat ein begehrtes Reiseziel: Denn neben extremer UV-Einstrahlung und hohen Temperaturen, werden Autolacke, Gebäudeteile oder Solarzellen hier auch durch eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit beansprucht. „Wollen Materialentwickler also testen, wie beständig ihre Produkte sind, dann setzen sie sie der Witterung in Florida aus“, weiß Prof. Dr. Ulrich S. Schubert von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Doch selbst unter solch extremen Witterungsbedingungen braucht es in der Regel Jahre, um zu wissen, wie robust Materialien tatsächlich sind, erläutert der Lehrstuhlinhaber für Organische und Makromolekulare Chemie und Direktor des Jena Center for Soft Matter (JCSM). Das sei viel Zeit, die große wie mittelständische Unternehmen, aber auch universitäre Forschungseinrichtungen heute im weltweiten Wettbewerb nicht haben. „Um international konkurrenzfähig zu sein, müssen sie deutlich schneller und auch kostengünstiger zu Ergebnissen und Patentanmeldungen bzw. Veröffentlichungen kommen“, so Schubert.

Daher wollen sich Materialwissenschaftler und Ingenieure neue Methoden zunutze machen, die sich in der medizinischen und pharmazeutischen Forschung bereits etabliert haben und die auf modernsten Roboter-gestützten Produktionsmethoden und Software-Lösungen basieren: automatisierte Hochdurchsatzmethoden, mit denen beispielsweise in riesigen Substanzbibliotheken nach neuen Wirkstoffen gefahndet wird. Wie sich solche Technologien auch für die Entwicklung neuer umweltfreundlicher Kunststoffe und Batterien oder effizienter Solarzellen anwenden lassen, das wollen Wissenschaftler der Uni Jena mit den weltweit führenden Entwicklern von Unternehmen und Forschungseinrichtungen während eines Workshops in Jena diskutieren. Am 14. und 15. Oktober werden etwa 100 Gäste dazu an der Uni Jena erwartet. Der Workshop „High-throughput and combinatorial experimentation in polymer science“ wird vom JCSM der Universität Jena und dem Dutch Polymer Institute (DPI) ausgerichtet.

„Der Workshop steht prinzipiell jedem Interessierten offen“, betont Organisator Schubert. Das Themenspektrum sei sowohl für Chemiker und Materialwissenschaftler, als auch für Ingenieure, Mathematiker und Informatiker relevant. „Uns geht es darum, das Potenzial von Hochdurchsatzmethoden für die Erforschung und Entwicklung neuer Materialien aufzuzeigen und so auch Anstoß für neue Ideen und Kooperationen zu geben“, sagt Schubert. Den Schwerpunkt setzt der Workshop dabei auf neue Materialien zur Energiegewinnung und Speicherung: So werden beispielsweise Methoden zur schnelleren Entwicklung von Sensoren diskutiert, die in Off-Shore-Windrädern eingesetzt werden sollen. Andere Vorträge stellen die Entwicklung nachhaltiger Batterien auf Polymerbasis oder neue umweltfreundliche Methoden zur Öl- und Gasförderung in den Mittelpunkt.

Neben Vorträgen renommierter Experten aus Industrie und Hochschulen erhalten die Workshopteilnehmer auch bei Laborführungen Einblick in den aktuellen Forschungsstand und die technischen Möglichkeiten der Jenaer Chemiker. Die entsprechende Infrastruktur wird gerade passend für den Workshop in den Neubau des Zentrums für Angewandte Forschung installiert. Für Nachwuchswissenschaftler besteht zudem die Möglichkeit, im Anschluss an den Workshop einen Praxiskurs zu Hochdurchsatzmethoden in der Organischen und Polymerchemie an der Uni Jena zu absolvieren. Die Chemiker um Prof. Schubert richten diesen im Rahmen der Initiative ProcessNet der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e. V. (DECHEMA) und des VDI-Vereins Deutscher Ingenieure e. V. aus.

Anmeldungen zum Workshop „High-throughput and combinatorial experimentation in polymer science“ sind im Internet unter: http://www.combimat.org möglich. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Anfang Dezember wird es einen weiteren Workshop zu neuen Einsatzgebieten von Hochdurchsatzmethoden an der Uni Jena geben. Dann stehen medizinisch-pharmazeutische Anwendungen von Polymeren und Nanopartikeln im Vordergrund.

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