30.07.2010

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Indonesien: Steigender Bedarf an Kunststoffprodukten nicht gedeckt

Kapazitätsausbau in Angriff genommen / Einfuhr von Maschinen und Anlagen / Von Necip C. Bagoglu

Die Unternehmen der indonesischen Kunststoffindustrie zeigen sich bei allgemein günstigen Wachstumsperspektiven für ihre Märkte optimistisch. Der Fachverband INAplas rechnet im Durchschnitt der kommenden Jahre mit einer Expansion von 7 bis 8%. Da die Inlandsproduktion den Bedarf nicht decken kann, müssen etwa 25% der Nachfrage nach Kunststoffen über Importe befriedigt werden. Zahlreiche Projekte zum Ausbau der Kapazitäten befinden sich in der Planung. (Kontaktanschrift)

Die Kunststoff verarbeitende Industrie Indonesiens besitzt aufgrund des hohen Nachholbedarfs und der allgemein günstigen Wachstumsaussichten gute Entwicklungschancen. Die jährliche Nachfrage nach Kunststoffen beträgt circa 2,5 Mio. t. Bei einer lokalen Produktionskapazität von etwa 2,1 Mio. t und einer Auslastung von etwa 80% muss derzeit mehr als ein Viertel der Nachfrage durch Einfuhren gedeckt werden.

Der noch relativ niedrige Pro-Kopf-Verbrauch an Kunststofferzeugnissen lässt bei einer Bevölkerung von rund 238 Mio. Einwohnern mittelfristig einen steigenden Verbrauch erwarten. Auch aus der fortschreitenden Wirtschaftsintegration im Rahmen des ASEAN-Verbundes (Association of South East Asian Nations) ergeben sich Impulse für neue Projekte zum Ausbau der Produktionskapazitäten. Das für 2009 auf umgerechnet rund 6 Mrd. US$ geschätzte Marktvolumen für Kunststoffprodukte wird nach Prognosen des Fachverbandes der Kunststoffindustrie, Indonesian Olefin and Plastics Industry Association (INAplas), mittelfristig um durchschnittlich 7 bis 8% pro Jahr expandieren. Dies bringt neue Investitionsprojekte auf die Tagesordnung. Folglich können sich für Anbieter von Chemietechnologien interessante Kooperationschancen ergeben.

Trotz der vielfältigen Probleme im Bereich der Infrastruktur und der noch unzureichenden Integration mit der petrochemischen Industrie wächst das Interesse der Firmen an neuen Projekten. Selbst im Krisenjahr 2009 zeigten die einheimischen Direktinvestitionen einen deutlichen Zuwachs. Nach Angaben des Indonesia Investment Coordinating Board (BKPM) erhöhten sich die Engagements im Bereich der Kunststoff- und Kautschukverarbeitung von 797,8 Mrd. Indonesische Rupiah im Jahr 2008 kräftig auf 1.532,8 Mrd. Rp (132 Mio. Euro; 1 Euro = 11.600 Rp). Allerdings war bei den ausländischen Direktinvestitionen ein Rückgang von 271,6 Mio. auf 208,1 Mio. $ zu verzeichnen, der mit der globalen Rezession zu erklären ist. Im Zusammenhang mit den neuen Vorhaben entsteht Bedarf an Kunststoff- und Gummimaschinen, die vor allem aus China, Japan und Deutschland bezogen werden.

Etwa 80% der in der Kunststoffverarbeitung tätigen rund 6.000 Betriebe sind in Java angesiedelt, wo die stärkste Bevölkerungsdichte und Industriekonzentration vorzufinden ist. Die Unternehmen beschäftigen schätzungsweise 350.000 Arbeitskräfte. Mehrere Polymer-Hersteller, wie PT Chandra Asri Petrochemical Centre (CAPC), PT Tri Polyta Indonesia (TPI), PT Politama Protindo und PT Titan Petrokimia Nusantara (TPN), beliefern die Kunststoffbetriebe mit Grundstoffen und verfolgen gleichzeitig Projekte zum Ausbau ihrer Produktionskapazitäten.

Die jährlich um mehr als 7% expandierende Bauindustrie Indonesiens ist ein wichtiger Bedarfsträger für Kunststofferzeugnisse. Im Zusammenhang mit öffentlichen Infrastrukturvorhaben werden zum Beispiel große Mengen an PVC-Rohren benötigt. Auch der Wohnungs- und Gewerbebau benötigt Kunststoffrohre. Die Produktion von PVC wird nach Schätzungen des Industrieministeriums 2010 eine Höhe von 450.000 t erreichen; der lokale PVC-Verbrauch von 260.000 t. Der Produktionsüberschuss geht in den Export - unter anderem in die Türkei, nach China und Singapur.

Vom inländischen PVC-Verbrauch des Jahres 2009 wurden nach einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft PT Data Consult 51,9% für die Herstellung von Kunststoffrohren eingesetzt. Weitere Abnehmer von PVC-Produkten waren die Produzenten von Kunstleder (17,4%), die Hersteller von Kabeln und elektrischen Ausrüstungen (7,9%) sowie die Hersteller von Kunststoffflaschen, Folien, Haushaltsartikeln und Spielzeug (5,9%). Der Rest entfiel auf andere Bereiche.

Wichtiger Kunde der Kunststoffindustrie ist ferner die Verpackungsbranche, die mehr als die Hälfte ihrer Ausgangsmaterialien von dort bezieht. Mit der Modernisierung des Einzelhandels und der Internationalisierung der Produktion wächst der Bedarf an Kunststoffverpackungen, was die Nachfrage nach Polypropylen (PP) in die Höhe treibt. Der die lokale Erzeugung übersteigende PP-Bedarf musste 2009 über Importe gedeckt werden. PT Data Consult rechnet bis 2014 mit einem Anstieg des jährlichen PP-Konsums auf 1.283.000 t. Die Produktion soll bis dahin auf 885.000 t erhöht werden.

Derzeit entfallen nach Schätzungen aus Industriekreisen mehr als 40% des PP-Verbrauches auf die Hersteller von Kunststofffolien. Weitere knapp 28% werden von Produzenten von künstlichen Garnen abgenommen. Etwa 20% betreffen den Einsatz bei der Produktion von Haushaltsgeräten sowie von Teilen für die Elektro- und Automobilindustrie. Wegen der günstigen Marktentwicklung im Kfz-Sektor und in der Elektronikindustrie wird mittelfristig mit einer stark steigenden PP-Nachfrage gerechnet. In dieser Erwartung investieren TPI (28 Mio. $) und PT Politama Propindo (20 Mio. $) in den Ausbau. Für den Einsatz in der Herstellung von Mobiltelefongehäusen errichtet die CAPC mit Investitionen von 120 Mio. $ in West-Java ein Butadien-Werk (zwischen 80.000 und 100.000 jato ). Die Anlage soll in der zweiten Jahreshälfte 2011 in Betrieb gehen.

Auch in der Polyethylen-Sparte (PE) besteht ein Versorgungsdefizit, das derzeit über Importe gedeckt wird. PT Data Consult geht davon aus, dass der für 2010 auf rund 800.000 t geschätzte PE-Verbrauch bis 2014 auf 1.067.000 t steigen wird. Damit muss die Produktion deutlich erhöht werden, um die Abhängigkeit von Einfuhren zu reduzieren. Die staatliche Ölgesellschaft PT Pertamina will mit 200 Mio. $ in Balongan (West-Java) ein PE-Werk errichten. Zur Versorgung muss auch die Ethylen-Produktion erhöht werden (PE wird aus der Polymerisation von Ethylen gewonnen). Die lokale Produktion des einzigen Herstellers CAPC ist nicht ausreichend, so dass hohe Mengen importiert werden müssen.

Zur Beseitigung der Versorgungsengpässe im Ethylen-Bereich verfolgen mehrere Firmen Investitionsprojekte im Umfang von mehr als 1,1 Mrd. $. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang die Vorhaben der TPN für die Produktion von jährlich 500.000 t und der CAPC für zusätzliche 600.000 t Ethylen in Cilegon (Provinz Banten auf Java). Die CAPC will in Cilegon außerdem mit 5 Mrd. bis 7 Mrd. $ einen neuen Naphtha-Cracker errichten, der laut Planung 2012 in Betrieb gehen soll. Das Unternehmen muss 85% seines Bedarfs importieren. Es wird seit 2006 vom singapurischen Staatsfonds Temasek Holding mehrheitlich beherrscht und produziert als einziges integriertes Petrochemie-Unternehmen Indonesiens sowohl im Upstream- wie auch im Downstream-Bereich. Die TPN ist eine Tochtergesellschaft der malaysischen Titan Chemicals Corp. Sdn.

Kontaktanschriften:

Olefin and Plastics Industry Association
(Asosiasi Industri Plastik Indonesia - INAPlas)
Grand Wijaya Center, Blok F No. 85, Lt. 3
Jl. Wijaya II, Blok A, Kebayoran Baru
Jakarta 12160, Indonesien
Tel.: 006221/726 93 56, -924 05 909; Fax: -726 93 56
E-Mail: inaplas.jakarta@gmail.com Internet: www.inaplas.org

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