18.05.2015

Technische Universität Berlin

Innovationsprozesse für mehr Nachhaltigkeit

Unternehmen und Konsumenten sind auf Nachhaltigkeitsinnovationen angewiesen, wollen sie ein ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltiges Wirtschaften praktizieren. Inwiefern Mitarbeiter in ihrer privaten Konsumentenrolle stärker in Innovationsprozesse eingebunden werden sollten, um Ideen und Produkte zu entwickeln, die zu einem langfristig tragfähigen Konsumstil beitragen, untersucht jetzt das neue Forschungsprojekt IMKoN („Integration vom Mitarbeitern als Konsumenten in Nachhaltigkeitsinnovationsprozesse“).

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insg. 1,125 Mio. EUR geförderte Projekt wird von der Technischen Universität Berlin gemeinsam mit der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn durchgeführt. Praxispartner sind die Unternehmen bio verlag, EWS Schönau, Henkel, Otto, Sonett, Tchibo, Triaz und Wala. Gemeinsam mit ihnen sollen zwischen Mai 2015 und April 2018 Prozesse für die Entwicklung von Nachhaltigkeitsinnovationen identifiziert, analysiert und neu konzipiert werden.

Unter dem Schlagwort „Open Innovation“ beziehen viele Unternehmen bereits ihre Kunden als Konsumenten in die Entwicklung neuer Produkte mit ein, beispielsweise indem sie online oder auf dafür organisierten Veranstaltungen ihre Produktideen einbringen oder auf ungelöste Alltagsprobleme aufmerksam machen. Fraglich dabei bleibt, inwiefern sich der Aufwand der Integration passender externer Nutzer für Unternehmen lohnt, da diese teilweise schwer zu selektieren und zu motivieren sind und vielfach erforderliche Hintergrundkenntnisse erst aufwendig vermittelt bekommen müssen. Dies ist bei Mitarbeitern, die ja alle auch selbst Konsumenten sind, deutlich einfacher. Um diese Hindernisse zu umgehen, nimmt das IMKoN-Projekt die Mitarbeiter gezielt in ihrer Rolle als private Verbraucher und nicht nur in ihrer beruflichen Funktion in den Fokus. „Die Einbindung von Mitarbeitern als Konsumenten ist ein vielversprechender und in der Open-Innovation-Forschung bisher vernachlässigter Ansatz“, betont Verbundleiter Ulf Schrader, Professor für Nachhaltigen Konsum an der TU Berlin.

Konkret sollen Formen, Erfolgsfaktoren und Effekte der Integration von Mitarbeitern als Käufer, Nutzer und Entsorger untersucht werden. Aus diesen Ergebnissen entwickeln die Forscher praktisch umsetzbare Instrumente und Handlungsempfehlungen für ein verbessertes Management von Nachhaltigkeitsinnovationen. Die angestrebten Nachhaltigkeitsinnovationen können sowohl Produkt- und Prozessinnovationen im Kerngeschäft sein als auch Innovationen jenseits des Kerngeschäfts wie die nachhaltigere Gestaltung des Arbeitsumfelds, von Unternehmen geförderte Ausgründungen oder soziale Innovationen im Non-Profit-Bereich. Zusammen mit den Praxispartnern sind entsprechende Nachhaltigkeitsinnovationsprozesse zu identifizieren, neu zu konzipieren, zu implementieren und empirisch zu analysieren.

Ziel des Projekts ist es, die Zahl und den Erfolg von Nachhaltigkeitsinnovationen zu erhöhen und damit nachhaltigen Konsum durch die Schaffung von Ermöglichungsstrukturen einfacher sowie nachhaltiges Management erfolgreicher zu machen. Eine solche Öffnung des Arbeitgebers für die privaten Interessen und Fähigkeiten seiner nachhaltigkeitsorientierten Mitarbeiter lässt laut den Forschern auch positive Effekte für Zufriedenheit, Bindung und Commitment der Mitarbeiter und damit auch für das Personalmanagement insgesamt erwarten. „Nicht zuletzt kann das Projekt einen Beitrag dazu leisten, die Nachhaltigkeitsidee über die eigenen Mitarbeiter in allen Unternehmensbereichen zu verankern und somit die strategische Organisationsentwicklung in Richtung eines verantwortungsvollen Wirtschaftens positiv zu beeinflussen. Alle drei Aspekte sind für eine zukunftsfähige Green Economy von zentraler Bedeutung“, erklärt Susanne Blazejewski, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Führung, Organisation und Personal an der Alanus Hochschule.

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