22.08.2011

Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Jeder redet über Nanotechnologie - die Stuttgarter Nanodays klären auf

Nanotechnologie spielt heute in vielen Bereichen eine wichtige Rolle, so in der Miniaturisierung von Elektronikbauteilen oder in der Erzeugung neuer Werkstoffe. Nanomaterialien stecken unter Anderem in schmutzabweisenden und »selbstheilenden« Lacken oder in Kleidungsstücken. Am 29.–30. September treffen während der Stuttgarter Nanodays 2011 in Ludwigsburg die Anwender aus der Industrie auf die neuesten wissenschaft­lichen Ergebnisse aus der Nanotechnologie-Forschung.

Nanotechnologie ist zur Zeit in aller Munde – häufig bleibt aber unklar, was darunter zu verstehen ist, wo der Begriff herkommt und welche zukunftsweisende Möglichkeiten hinter dieser Technologie stecken. In der Physik und Chemie, aber auch im Maschinenbau und in der Lebensmitteltechnologie umschreibt die Nanotechnologie die Forschung mit einzelnen Atomen oder Strukturen bis zu einer Größe von 100 Nanometern. Winzigste Strukturen – ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter – werden dabei verändert und auf chemischem oder mechanischem Weg aus einzelnen Atomen und Molekülen künstlich hergestellt.

Nanomodifizierte Materialien ermöglichen die Entwicklung völlig neuer innovativer Produkte mit bislang ungeahnten technologischen Eigenschaften. Im Mittelpunkt vieler Forschungsaktivitäten stehen Kohlenstoff-Nanoröhren (Carbon-Nanotubes (CNT)). »CNT könnten schon bald z. B. in Touchscreens zum Einsatz kommen und die teuren, vom Preisdiktat der Anbieter abhängigen so genannten strategischen Metalle wie Indium er­setzen«, prognostiziert Ivica Kolaric. Der Leiter der Abteilung Prozessengineering funktionaler Materialien am Fraunhofer IPA nennt noch weitere unschlagbare Vorzüge: »Kohlenstoff ist nicht nur kostengünstig und überall auf der Welt zu haben, sondern zugleich eine erneuerbare Ressource, die man beispielsweise aus Holz gewinnen kann.« Um das Potenzial dieser neuartigen Materialien ausschöpfen zu können, bedarf es vor allem einer prozesssicheren Verarbeitung und Applikation der CNT-Verbundmaterialien.

Das Fraunhofer IPA forscht seit Jahren auf diesem Gebiet und nimmt innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft und der gesamten deutschen Forschungslandschaft eine Schlüsselposition ein. Um das volle Potenzial der Nanotechnologie industriell erschließen zu können, bedarf es des Erfahrungsaustauschs der Experten. Die Stuttgarter Wissenschaftler haben sich deshalb entschlossen, einen großen internationalen Kongress zu organisieren und dieses Thema in Zukunft in Stuttgart anzusiedeln. Der Kongress soll die besten Nanotechnologen mit den Anwendern zusammenbringen. Dabei haben die Teilnehmer ausgiebig Gelegenheit, mit einer großen Zahl von Experten ihre Fragen zu diskutieren und mit Start-up-Unternehmen sowie erfolgreichen Nanotechnologie-Anwendern ihr Netzwerk zu erweitern. Die jährlichen Stuttgarter Nanodays sollen in Zukunft die Drehschreibe des Fachaustauschs auf dem Gebiet der Nanotechnologie sein.

Die ersten Stuttgarter Nanodays finden vom 29. bis 30. September 2011 in Ludwigsburg statt. Die Themenschwerpunkte sind:
• Kohlenstoff-Nanomaterialien zur Energiespeicherung
• Ionische Polymeraktoren, basierend auf Kohlenstoff-Nanoröhrchen und ionischen Flüssigkeiten
• Wirtschaftlichkeitsüberlegungen zu Kohlenstoff-Nanomaterialien
• Skalierbare Fertigung von graphenbasierter Elektronik
• Elektrische Hysterese in Nanobauteilen: Kohlenstoff-Nanoröhrchen und Nanodrähte
• Die Goldene Regel der Nano-Kohlenstoffmaterialien
• Transparente leitende dünne Schichten, basierend auf Nano-Kohlenstoff
• Die Fertigung leitender »Interpenetrating Polymer Networks« (IPN) – Aktoren für Mikrosysteme
• Die mesoskalige Modellierung von Kohlenstoff-Nanoröhrchen

Die Konferenzsprache ist Englisch.

Quelle: