06.07.2011

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KNF: Der CO2-Fußabdruck als Wettbewerbsfaktor im Fokus beim Energietag

Anfang Juni lud das Kunststoff-Netzwerk Franken zusammen mit dem BF/M-Bayreuth (Betriebswirtschaftliches Forschungszentrum für Fragen der mittelständischen Wirtschaft e.V.) und der AGO Energie + Anlagen GmbH bereits zum vierten Mal zum Nordbayerischen Energietag.

In den Räumlichkeiten der Hermos AG in Mistelgau bei Bayreuth trafen sich rund sechzig Fachbesucher aus mittelständischen Kunststoff-Betrieben der Region, um sich über ökologische, soziale und ökonomische Aspekte des so genannten "CO2-Fußabdrucks" und dessen künftigen bzw. wachsenden Einflusses auf das Unternehmensergebnis zu informieren.

Die CO2-Bilanz als wichtiges Entscheidungskriterium im Wettbewerb
Bislang werden Qualitätsmerkmale wie "Bio", "Öko" oder "Energiesparend" überwiegend in der Konsumgüter-Industrie benutzt, um dem Verbraucher entscheidungsrelevante Informationen zum Kriterium der Nachhaltigkeit beim Einkauf zu geben. Es ist zu erwarten, dass dies in absehbarer Zeit auch für die Investitionsgüter-Industrie zu einem wichtigen Thema wird, denn diesbezügliche neue Regularien und Normen sind auf europäischer Ebene in Vorbereitung. Damit wird das Thema CO2-Fußabdruck auch für K-Verarbeiter relevant, z.B. für Hersteller technischer Teile im Automobilbereich, dessen Kunden bzw. Endkunden bislang noch nicht nach dem Energieverbrauch oder den Emissionen bei der Produktion eines Bauteils fragen.

So wie z.B. Automobilhersteller heute schon den CO2-Ausstoß für jedes ihrer Fahrzeuge angeben (müssen), werden diese voraussichtlich in naher Zukunft auch die gesamte CO2-Bilanz für Herstellung, Nutzung und Entsorgung ermitteln und kommunizieren müssen. Dazu werden sie künftig von ihren Lieferanten für jedes Zulieferteil eine solche Bilanz verlangen und darauf achten, sich einen möglichst niedrigen CO2-Fußabdruck einzukaufen. Und spätestens dann, wenn dieser auch steuerlich relevant wird, ist die CO2-Bilanz ein entscheidender Faktor für die Auftragsvergabe!

Ökologie, soziales Handeln und Ökonomie dabei kein Widerspruch
Dass nachhaltiges, energieeffizientes Wirtschaften und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sein müssen, verdeutlichte Prof. Claus Hipp, Inhaber des gleichnamigen Herstellers von Babynahrung, in seinem Eröffnungsvortrag mit seinem Best-Practice-Beispiel aus einer anderen Branche:

Professor Hipp unterstrich in seinem Vortrag "Ethik im Wirtschaftsleben", dass sein Unternehmen seit gut 50 Jahren Umweltschutz in Form von biologischem Landbau betreibe und inzwischen auf eine CO2-neutrale Energieversorgung setze. Auf diese Weise habe man in Deutschland Marktanteile von bis zu 70% erreicht. Ökologisches Handeln und Unternehmenserfolg seien somit kein Widerspruch. Letztendlich müssten alle Maßnahmen ökologisch, sozial aber natürlich auch ökonomisch verträglich sein, um damit der gesamtwirtschaftlichen Verantwortung Rechnung zu tragen, so Professor Hipp.

EU-Norm für "Carbon Footprint" kommt in Kürze
Oliver Stübs vom SKZ in Würzburg präsentierte die Einsatzmöglichkeiten und Grenzen des Carbon Footprints. Immer mehr Verbraucher seien bereit, klimaneutrale Produkte zu kaufen. Die in der Nachhaltigkeitsstrategie der EU definierten Ziele, die Treibhausemissionen bis zum Jahr 2050 um 80% zu senken, zeige den dringenden Handlungsbedarf der Unternehmen. Eine Carbon Footprint-Norm für Unternehmen und Produkte in Form der ISO 14076 stehe kurz vor der Veröffentlichung. Die Harmonisierung der internationalen Standards und die Vereinheitlichung der Messmethodik seien daher dringend notwendig, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

CO2-Fußabdruck als Instrument der nachhaltigen Emissionskosten-Einsparung
Caspar von Blomberg, Deutschlanddirektor des Carbon Disclosure Project (CDP), bemerkte, dass durch die Offenlegung und aktive Bearbeitung des eigenen CO2-Fußabdrucks nicht nur die internen Abläufe umweltverträglich gemanagt werden könnten; es ließen sich dadurch auch handfeste Wettbewerbsvorteile gewinnen. Immer mehr institutionelle Anleger verstärkten ihre Aktivitäten im Unternehmen, die in einer ökologischen umweltgerechten Produktion aktiv und erfolgreich seien. Der CO2-Fußabdruck werde immer mehr zum Wettbewerbsfaktor beim Kampf um Aufträge, aber auch um Investorengelder, so von Blomberg.

Frank Speringer, HERMOS AG, und Werner Wittauer, BF/M-Bayreuth, referierten zum Thema "Energieeffiziente Gebäude: Leben und Lehren". In Gebäuden ließen sich durch integrierte Regelungssysteme in den Bereichen der Heizung, Kühlung, Lüftung, Beleuchtung und Beschattung, immense Energieeinsparungen erzielen. Eine Gebäude-Leit-Technik mache es möglich, die Energieverbräuche der Gebäude zentral zu verwalten und zu überwachen.

Um Mitarbeiter hierfür zu qualifizieren hat das BF/M-Bayreuth gemeinsam mit der HWK für Oberfranken einen - bundesweit ausgezeichneten - Lehrgang zum "Gebäude-/Facility Management-Fachwirt" entwickelt. Die Erfahrungen mit dieser Ausbildung, so Wittauer, seien äußerst positiv. In vielen Fällen seien bereits im ersten Jahr deutliche Energieeinsparungen erzielt worden.

Optimierung der Energie-Effizienz in der Praxis der K-Verarbeitung
Am Praktikerbeispiel präsentierte Rudolf Schwaiger, Geschäftsführer der Hans Brunner GmbH, die "Optimierung der Energiewirtschaft" im eigenen Hause. Die Einbeziehung der Prozessabwärme, die Einführung von Wärmespeichern und einer Wärmepumpe ermöglichten dem Kunststoff-Verarbeiter die Einsparung von rund 30.000 Litern Heizöl. Der konsequente Ausbau des Energiekonzepts seit 2007 habe dazu geführt, dass das Unternehmen im Jahr 2010 völlig auf fossile Brennstoffe bei der Gebäudeheizung verzichten konnte. In das Energiekonzept seien neben der Gebäudetechnik und dem Bereich der Fertigungsprozesse auch der eigene Fuhrpark einbezogen worden. Maßnahmen in allen Unternehmensbereichen unterstützten die ökologische Gesamtausrichtung des Unternehmens, welches Formen aus Kunststoff für Schokoladenartikel produziert. Das Unternehmen wurde dafür mit dem Energiepreis 2010 des Landkreises Ebersberg ausgezeichnet.

Daniel C. F. Köhler von der Fraunhofer-Projektgruppe der Universität Bayreuth stellte das Thema "Produkte regenerieren - Remanufacturing als höchste Form des Recyclings: CO2-Ersparnis am Beispiel der Automobilindustrie" vor. Die Wiederaufarbeitung von Bauteilen sei insbesondere im Automobilbaubereich sehr weit verbreitet. Im klassischen Prozess des Remanufacturings würden gebrauchte Teile demontiert, gereinigt, geprüft, aufgearbeitet und wieder montiert. Dies führe im Vergleich zur Neuproduktion zu immensen Einsparungen an CO2. Im Rahmen einer Life-Cycle Assessment-Betrachtung könnten, wissenschaftlich fundiert, die CO2-Emmissionen von Neuprodukten und wiederaufbereiteten Produkten verglichen und qualifiziert werden. Die Energieeffizienzbetrachtungen dürften sich aber nicht alleine auf die Produktion beschränken, sondern müssten die gesamte Unternehmung einbeziehen.

"Wir hoffen, mit dieser Veranstaltung die Unternehmen zum Thema CO2-Fußabdruck weiter sensibilisiert zu haben", so Hans Rausch vom Kunststoff-Netzwerk Franken. Frau Dr. Stadler vom BF/M-Bayreuth, welche die Moderation der Veranstaltung innehatte, eröffnete das Abschlussbuffet, an dem die Teilnehmer noch einmal die Gelegenheit zum Austausch und zur Diskussion hatten und wies darauf hin, dass auch im nächsten Jahr die Tradition des Nordbayerischer Energietags fortgesetzt werde.