19.11.2010

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KTW: Neues Test- und Anwendungstechnik-Zentrum für den Hochleistungs-Spritzguss eröffnet

Steigende Funktionsdichte im Produkt, hohe Fachzahlen und mit jeder Produktversion kürzere Zykluszeiten beschreibt die österreichische KTW (Kunststofftechnik Waidhofen an der Thaya GmbH) als die Trends im Verpackungsspritzguss. Dies gelte ohne Ausnahme auch für das Spezialgebiet der Behälterverschlüsse, die das höchste Niveau der Spritzgießtechnik repräsentieren sollen, sowohl was die Leistungsdaten, als auch die Komplexität der Anlagenkomponenten betrifft. Diesem Trend entsprechend habe das Unternehmen, nach eigenen Angaben Marktführer bei "Verschluss-Werkzeugen", ihre anwendungstechnischen Kapazitäten nahezu verdoppelt. Dazu wurde per 1. November ein neues Test-Zentrum mit einer Gesamtfläche von 1.400 m² in Betrieb genommen. Es sei ganz auf die Leistungsoptimierung von Multikavitäten-Werkzeugen ausgerichtet, in der Mehrzahl für Schraubkappen für Mineralwässer und Soft-Drinks. Mehr als 5.000 Kavitäten-Sets pro Jahr entfallen auf diese Produktgruppe. Der zweite Schwerpunkt sind Verschlüsse für "Personal-Care"-Anwendungen, d.h. Klapp- und Flip-Top-Verschlüsse für Shampoos- und Lotions, vor allem in Mehrfarb- bzw. Mehrkomponenten-Ausführung.

Testkapazität ausgebaut
Für den Testbetrieb stehen ab sofort acht Spritzgießanlagen im Schließkraftbereich zwischen 500 und 5.500 kN zur Verfügung. Dabei wurde vor allem dem Trend zu Kombinationsanwendungen mit mehreren Materialien oder Farben Rechnung getragen, heißt es weiter. Vier der acht Anlagen sind mit zwei bzw. drei Spritzaggregaten ausgerüstet. Bei Bedarf stehen darüber hinaus weitere Zusatz-Spritzaggregate zur Verfügung, die über eigene Antriebseinheiten verfügen und deren Ablaufsteuerungen über die Euromap 67 -Schnittstelle in die Steuerung der jeweiligen Maschinen eingebunden werden können.

Serviceangebot: Vom Pilotwerkzeug bis zum "Speed-Tuning"
Ein Kern-Bereich des Testzentrums ist der anwendungstechnische Beitrag zur Verschlussentwicklung. Dazu zählt vor allem die Erprobung von Pilot-Werkzeugen unter realitätsnahen Bedingungen und Zykluszeiten. Die Erkenntnisse daraus fließen direkt in die Konstruktion der Serienwerkzeuge ein.

Bei Serienwerkzeugen liegt der Schwerpunkt im "Fine-tuning" zur Leistungsoptimierung. Dies betrifft vor allem die Analyse und Optimierung des Entformungsvorgangs. Für die Multikavitäten-Spritzgießwerkzeuge bedeutet dies eine gleichförmige, schnelle, in einem engen Fallkanal verlaufende Ausfallbewegung für alle Formteile. Zur Analyse der "Flugbahnen" steht eine Hochgeschwindigkeits-Kamera zur Verfügung. Deren Bildersequenz sei bei Bedarf der Ansatzpunkt für Gegenmaßnahmen. Analog dazu setzen die KTW-Techniker Wärmebildkameras zur Optimierung der Durchflussmengen in den vielkanaligen Kühlsystemen ein.

Insgesamt wurde bei der Konzeption der Kühlwasserversorgung im Test-Zentrums besonderer Wert auf Leistungsfähigkeit und moderne Pumpenregeltechnik gelegt. Das Layout ermöglicht den weiteren Angaben zufolge, die Durchflussmengen für jede Maschine unabhängig zu regeln. Dies sei nicht nur die Voraussetzung für optimale Zykluszeiten, sondern ermögliche darüber hinaus die Simulation der realen Bedingungen am Einsatzort im Kundenbetrieb. Die daraus abgeleiteten Konsequenzen auf die Produktqualität können so noch vor Auslieferung berücksichtigt werden.

Eine weitere "Tuning-Maßnahme" ist die leistungsmäßige Optimierung der Drehantriebe in Wendeeinsatz- oder Drehwürfelwerkzeugen - ein kleiner, aber doch relevanter Beitrag zur Zykluszeitminimierung. In der Summe aller Maßnahmen gehe es, ähnlich wie in der "Formel Eins", um die optimale Abstimmung für das "Rennen", nämlich den Langzeit-Produktionsbetrieb.

Produktionszellen ab Werk verkürzen "time-to-market" für neue Verschlüsse
Zusätzlich zu den Leistungstests der Spritzgießwerkzeuge auf den eigenen Versuchsmaschinen bietet das KTW-Anwendungstechnik-Zentrum ausreichend Platz und die notwendige die Infrastruktur, um zusätzlich gleichzeitig noch drei bis fünf Kunden-Maschinen aufzunehmen und mit den von KTW hergestellten Spritzgießwerkzeugen zu Produktionszellen zu kombinieren. Mit einer Krankapazität von acht Tonnen und großzügig dimensionierten Zutritts- und Transportwegen seien die Voraussetzungen für eine zügige Abwicklung der Maschinenbeistellung gegeben. Dieses Serviceangebot zielt vor allem darauf ab, die Abforderungen aus der steigenden Anlagenkomplexität abzufedern, und zwar durch eine "plug-and-play"-Abstimmung von Werkzeug und Maschine ab Werk - und bei Bedarf durch eine beleitende Schulung der Maschinenbediener und des Instandhaltungspersonals. Der konkrete Vorteil daraus seien kürzere Inbetriebnahmezeiten vor Ort, eine kürzere Anlaufzeit bis zur Vollproduktion, und last but not least eine höhere Verfügbarkeit und Produktqualität durch die höhere Expertise des Bedienpersonals.