Kleine Geschichte der Zahnbürste

Als Artikel des Massenkonsums sind Zahnbürsten eine Errungenschaft des Kunststoffzeitalters. Um die Hygiene unserer Kauwerkzeuge haben wir Menschen uns aber selbstverständlich schon vorher gekümmert. Die Anfänge des Zähneputzens reichen zurück in die Zeit

Um 5000 vor Christus verwendeten Griechen und Römer Reinigungspasten zum Abschleifen des Zahnbelags, hergestellt u. a. aus zerriebenen Tierhufen, Knochen und Eierschalen. Ebenfalls in Gebrauch waren Zahnstocher aus Zweigen. Mundgeruch wurde mit pulverisierter Holzkohle und Baumrinde bekämpft.
Um 3500 vor Christus verwendeten die Babylonier ein bleistiftgroßes Stück Holz vom Ast eines Baumes als Kaustöckchen. Es wurde an einem Ende durch Kauen zerfasert zu einer Art Bürste und dann als solche benutzt. Sein anderes, spitzes Ende fungierte als Zahnstocher. Entsprechende Funde machte man auch in ägyptischen Gräbern aus der Zeit um 3000 vor Christus. Das Kaustöckchen wird heute als frühester uns bekannter Vorläufer der Zahnbürste angesehen.
Die erste Borstenzahnbürste, wie wir sie heute kennen, kam in China um das Jahr 1500 auf. Sie hatte die Form eines Pinsels; am Stiel aus Knochen oder Bambus waren grobe Borsten aus dem Nacken von Hausschweinen befestigt. An dieser Urform der Zahnbürste hat sich bis heute im Grunde nichts Wesentliches mehr geändert.
In Europa stand man den Importzahnbürsten aus China skeptisch gegenüber, weil die groben Eberborsten das Zahnfleisch zum Bluten brachten. Die softe Alternative aus Pferdehaar setzten sich aber nicht durch: Der französische Arzt Pierre Fauchard (1678-1761), der als Vater der modernen Zahnheilkunde gilt, äußerte sich in seinem Lehrbuch „Le chirurgien dentiste ou traité des dents“ von 1728 abfällig über die wirkungslosen, weil viel zu weichen Rosshaarzahnbürsten. Er empfahl, die Zähne und das Zahnfleisch stattdessen täglich mit einem Naturschwamm abzureiben. Vorgezogen wurden in Europa damals ohnehin Zahnstocher, z. B. aus Federkiel, Silber oder Kupfer.
Um 1700 entwickelte Christoph von Hellwig (1633-1721), Stadtphysikus von Bad Tennstedt/Thüringen, eine Zahnbürste. Ihm zu Ehren steht dort heute ein Zahnbürstendenkmal.
Zahnbürsten waren bis ins späte 18. Jahrhundert nur für Wohlhabende erschwinglich. Das änderte sich erst, als englische Manufakturen begannen, sie in größerer Stückzahl aus Kuhknochen und aus Borsten von Kuh oder Schwein, später auch Dachs, herzustellen. Der Londoner Geschäftsmann William Addis (1734-1808) gründete 1780 die erste dieser Produktionsstätten. Dem vorausgegangen war eine Gefängnishaft: Addis war wegen Unruhestiftung arrestiert worden und sann während der erzwungenen Muße hinter Gittern darüber nach, dass es doch etwas Besseres geben müsse als mit Salz versehene Lappen, um die Zähne zu reinigen. So nahm er sich einen Tierknochen, bohrte Löcher hinein und verleimte in ihnen Tierborsten. Diese Erfindung sollte ihn reich machen – und sicherte auch seinen drei Söhnen ein lukratives Geschäft. Mit Beginn der bakteriologischen Ära im 19. Jahrhundert wuchs dann das Problembewusstsein, dass Zahnbürsten wahre Keimschleudern sein konnten. Doch daran sollte sich erst etwas ändern, als 1938 die Zahnbürste mit Nylonborsten aufkam. Diese waren glatt und außerdem nicht hohl, sodass sie sich nicht mit Feuchtigkeit vollsogen.