03.03.2011

Kleine Lektion zur Kondomproduktion

Kondome werden vorwiegend aus Naturkautschuk, dem Saft des Gummibaums (Latexmilch), hergestellt. Ursprünglich wurde der an der Luft geronnene, fest gewordene Kautschuk zerkleinert und in einem Benzingemisch wieder verflüssigt. Dieses Verfahren war allerdings aufwendig und außerdem brandgefährlich – nicht selten kam es in den Produktionsanlagen zu Explosionen. Gesucht wurde folglich nach einem Verfahren, Latex zu konzentrieren, d. h. seinen Wasseranteil zu vermindern und es damit für Transportzwecke leichter zu machen, und trotzdem flüssig zu halten. Die Lösung bestand schließlich in thermischem Eindampfen unter Zusatz von Ammoniak, das die Latexgerinnung verhindert. Wird das Naturlatexkonzentrat im Zuge der Weiterverarbeitung erhitzt, verflüchtigt sich das Ammoniak als farbloses Gas mit stechendem Geruch.

Aus einem Liter Latex lassen sich heute rund 700 Kondome herstellen. Dazu werden Glasformen direkt in die flüssige Latexmilch getaucht. Diese besteht zu 60 Prozent aus dem Saft des Kautschukbaums, zu 38,5 Prozent aus Wasser und zu 1,5 Prozent aus Schwefel- und Zinkoxid. Nach einem kurzen Bad in der 20 bis 30 Grad warmen Milch werden die Formen getrocknet und sind dann von einem feinen Gummifilm überzogen. Es folgen weitere Tauchbäder und Trockenphasen, bis das Kondom im Rohzustand eine Stärke zwischen 0,03 und 0,08 Millimeter erreicht hat. Durch Bürsten entsteht der Abschlussring am offenen Ende. In Heißluftkammern wird das Kondom dann bei 110 bis 130 Grad vulkanisiert und anschließend von der Glasform gestreift. Nun folgt ein Waschgang. Im Wasser befinden sich Silikon und Puder, um die Kondome damit zu beschichten, damit sie nicht mehr kleben. Danach werden sie bei etwa 85 Grad getrocknet. Um zu prüfen, ob sie dicht sind, werden sie in eine Elektrolytlösung getaucht. Jedes Loch im Kondom verringert den elektrischen Widerstand. Leuchtet die Lampe an der Prüfstation auf, fließt Strom durchs Kondom, d. h. es ist undicht und wird aussortiert. Stichprobenartig führen die Markenhersteller weitere Materialkontrollen durch (Dichtigkeitstest, Aufblastest, Dehnungstest, Prüfung auf mikrobiologische Reinheit). Beim Test auf Reißfestigkeit beispielsweise muss ein Kondom eine Dehnung bis auf das Siebenfache seiner Normalgröße überstehen, ohne Schaden zu nehmen.