15.09.2010

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Kongress Zukunft Kunststoffverwertung 2010: Verwerterbranche muss sich neu sortieren

Die Verwertung von Kunststoffabfällen ist in Deutschland Teil des Alltags. Beim genauerem Hinsehen aber knirscht es im Getriebe: Recycler beklagen niedrige Verbrennungskosten, die den Wettbewerb um die Sekundärrohstoffe verzerren. Der Entwurf zum neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz bleibt umstritten. Ein europäisches Deponieverbot, das die Abfälle quantitativ in die Verwertung umlenken würde, ist laut EU-Parlamentarier Karl-Heinz Florenz nicht in Sicht. Das Geschäft mit dem Altkunststoff wird nicht einfacher - so das Resümee beim Kongress "Zukunft Kunststoffverwertung 2010" am 9. und 10. September in Krefeld.

Klar ist: Die deutschen Kunststoffverwerter sind nach wie vor Vorreiter in Europa - dank der Innovationskraft der Branche, aber auch dank des Deponieverbots für heizwertreiche Abfälle. "Es ist erstaunlich, welch leistungsfähige Infrastruktur in Deutschland seit Mitte der 90er Jahre für die Kunststoffverwertung geschaffen wurde.", betonte Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes für Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse).

"Ohne Ordnungsrecht wären wir nicht dort, wo wir heute stehen", konstatierte Dr. Andreas Jaron, Ministerialrat im Bundesumweltministerium. Doch könne und wolle der Staat nicht richten, was der Markt selbst regeln müsse, stellte Jaron bei der Veranstaltung von Fraunhofer UMSICHT (Oberhausen) und der BKV Plattform für Kunststoff und Verwertung (Frankfurt am Main) klar. Dagegen äußerten Vertreter der Verwertungsindustrie, dass der Staat klar regeln müsse, wer künftig den Zugriff auf das Material habe. Neben Rehbock forderten dies auch Dr. Michael Heyde von der Deutschen Gesellschaft für Kreislaufwirtschaft und Rohstoffe (DKR, Köln) und Markus Müller-Drexel von Interseroh (Köln) in Hinblick auf das geplante Kreislaufwirtschaftsgesetz. Eine klare Aufgabenteilung sei ein wichtiger Schlüssel für einen fairen Wettbewerb in der Kunststoffverwertung. "Die Diskussion zwischen privaten und kommunalen Unternehmen ist notwendig", kommentierte Dr. Peter Orth, Geschäftsführer des Mitveranstalters BKV. Diese werde zwar hart, aber nicht als Grabenkrieg geführt, lobte Orth. Politik und Wirtschaft stünden dabei in einem konstruktiven Disput, wie die Diskussion auf dem Kongress eindrücklich zeigte.

Einig waren sich die Kongressteilnehmer darin, dass die stoffliche Nutzung von Sekundärrohstoffen in Zeiten steigender Preise für Primärrohstoffe und Energie weiter an Bedeutung gewinnen werde. Der Blick über die Grenzen zeigt, wie groß das Potenzial dafür ist. In zwei Dritteln der EU-Mitgliedsstaaten landet der Großteil der Abfälle immer noch auf Deponien. "Daran wird sich auch so schnell nichts ändern", stellte Karl-Heinz Florenz klar. Florenz als langjähriges Mitglied des Europäischen Parlaments und seines Umweltausschusses kennt die Gründe: "In Brüssel wie in den Mitgliedsstaaten ist das Bewusstsein für die Bedeutung einer umfassenden Kreislaufwirtschaft, ebenso wie für deren Beitrag zum Klimaschutz noch unterentwickelt." So gäbe es für manches osteuropäische Land zwar EU-Fördermittel für den Bau neuer Deponien, nicht aber für moderne Recycling- oder Verbrennungsanlagen.

Neue Verwertungsverfahren, optimierte Sortierung, höhere Qualität der Regranulate - es gibt vieles, was die Branche in den vergangenen Jahren vorangebracht hat. An einem Punkt ist sie laut Gertraud Lauber, Abteilungsleiterin Umweltschutz und Wasserwirtschaft bei der IG Bergbau, Chemie, Energie noch nicht wesentlich weiter gekommen: "Die Kunststoffverwertung hat immer noch ein eher schlechtes Image," konstatierte sie in Krefeld.

Die chemische Industrie habe aus ihren Fehlern in der Vergangenheit gelernt. Die Kunststoffindustrie aber, so Lauber, mache in der Öffentlichkeit viel zu wenig deutlich, dass Kunststoffe, die aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken seien, hochwertig verwertet werden und damit einen Beitrag zu Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung leisteten. Derzeit prägen vor allem Berichte von der Verschmutzung der Meere mit Kunststoffabfällen die öffentliche Debatte. Lauber: "Bilder, die die Menschen einmal in den Köpfen haben, sind sehr schwer zu korrigieren."

Nächster Kongress "Zukunft Kunststoffverwertung": 8./9. September 2011

Weitere Informationen: www.umsicht.fraunhofer.de, www.bkv-gmbh.de