17.11.2011

Technische Universität Dresden

Kugelschreibergroßer Mini-Reaktor entwickelt

Ein besonderer Reaktor für die Chemieindustrie wird derzeit in den Laboren der TU Dresden entwickelt. Er ist nicht wesentlich größer als ein herkömmlicher Kugelschreiber. Im Vergleich zu den derzeit gebräuchlichen Rührkesseln, in denen in der Industrie Chemikalien produziert werden, ein beachtlicher Größenunterschied. „Die Vorteile liegen aber nicht nur in der geringen Größe“, sagt Jochen Fiedler, Mitarbeiter an der Professur für Chemische Verfahrens- und Anlagentechnik der TU Dresden. Er arbeitet im Team „µRT.Lab“. Dort wird derzeit die Markteinführung der neuen Reaktoren vorbereitet. Ende 2012 soll eine erste Produktionsstätte aufgebaut werden. Dann wollen die TU-Forscher die im Mini-Reaktor produzierten Feinchemikalien vermarkten.

Die haben im Vergleich zu Chemikalien aus herkömmlichen Produktionsprozessen eine höhere Qualität und können mit bis zu 40 Prozent geringeren Kosten produziert werden. In den kleinen Röhren werden chemische Flüssigkeiten und Gase unter einem Druck von bis zu 200 bar reagieren. An einem festen Katalysator entstehen dann neue Stoffe und Stoffgemische. „Die Drei-Phasen-Reaktion ist weltweit kaum erforscht“, sagt Jochen Fiedler. Im neuen Reaktor kommt sie zum Einsatz. Zunächst sollen auf dem Markt gängige Stoffe produziert werden. So zum Beispiel Linalool, ein Duftstoff, der in der Parfüm- und Kosmetikindustrie zum Einsatz kommt. Mehrere 1000 Tonnen pro Jahr werden weltweit auf dem Markt verkauft. Später wollen die TU-Wissenschaftler auch vollkommen neue Stoffe im Reaktor produzieren.

Die Idee für den Reaktor ist im Rahmen des BMBF-Projektes „ForMaT - Markt im Team“ entstanden. Dafür fließen in den nächsten zwei Jahren 1,7 Millionen Euro in die Entwicklung von Reaktor und Sensoren sowie neuen chemischen Stoffen. Zehn Mitarbeiter an der Professur für chemische Verfahrens- und Anlagentechnik sind in diesem Projekt beschäftigt.

Mit dem Reaktor und der Vermarktung der chemischen Stoffe nimmt das Team zudem an einem Businessplanwettbewerb teil. In der Endrunde sind die Dresdner eins von wenigen Teams. Die endgültige Entscheidung wird im November fallen. Es winken Preisgelder von insgesamt 10.000 Euro.

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