24.02.2011

Kunst und Kunststoff: Was Künstler über Kunststoff sagen

„Kunststoff ist kein Material, das ich gern habe. Er ist ein Material, zu dessen Verwendung ich gezwungen war, weil es kein anderes gab. Es muss gesagt werden, dass dieses Material das einzige heute existierende ist, das die Möglichkeit bietet, große transportierbare Volumen zu schaffen: leicht und unzerbrechlich.“
Niki de Saint Phalle (1930-2002), französische Malerin und Bildhauerin, Mitglied der Pariser Künstlergruppe „Nouveaux Réalistes“. Erste „Nanas“-Ausstellung im September 1965 in der Galerie Alexandre Iolas, Paris
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„Es kommt mehr auf das an, was man zu sagen hat, als auf das Material, das man verwendet. Das Material muss in den Dienst der Idee gestellt werden. Wenn es keinen Kunststoff gäbe, würde mich das nicht daran hindern zu arbeiten.“
Armand Pierre Fernandez (1928-2005), genannt Arman, französisch-US-amerikanischer Objektkünstler und Mitbegründer des „Nouveau Réalisme“. Wurde berühmt durch seine „Colères“ (zerstörte Gegenstände, in Polyesterharz inkludiert und konserviert)
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„Polyurethan – gemeinhin Schaum genannt – ist zum idealen Vektor für den Ausdruck von Begriffen und Ideen geworden, die meiner eigenen Einstellung zur Kompression und zur Dichte entsprechen. Der Schaum ist ein interessantes und sehr amüsantes Material, das auch einen instinktiven und sexuellen Humor zu besitzen scheint.“
John Angus Chamberlain, geb. 1927, US-amerikanischer Künstler (Bildhauerei, Film, Fotografie). Repräsentant des „Nouveau Réalisme“ und des „Abstrakten Expressionismus“. Arbeitet u. a. mit Polyurethan und Polymethylmethacrylat
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„Die Modernität von Kunststoff ist so augenfällig, dass viele Künstler geglaubt haben, es genüge, Kunststoff zu verwenden, um eine rückschrittliche künstlerische Ausdrucksweise zu aktualisieren und interessant zu machen. Aber obwohl sie eine schwache Idee nicht zu ersetzen vermag, existiert diese Modernität, besonders wenn sie einen technologischen Ausdruck findet.“
Hervé Fischer, geb. 1941, französischer Künstler, Kultursoziologe und Philosoph. Gründete 1971 die Bewegung „L’art sociologique“ (www.hervefischer.net/cv_de.php)
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„Letzten Endes vollzieht sich meine Arbeit innerhalb der mechanischen Grenzen, der chemischen Gesetze der Materialien, die ich verforme. Die Schönheit, die ich suche, ist die der einfachen wissenschaftlichen Gesetze und ihrer Beherrschung durch den Menschen.“
Piotr Kowalski (1927-2004), polnischer Bildhauer, lebte ab 1953 in Paris, arbeitete seit 1957 mit Kunststoffen (Polyester, Akrylharz)
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„Um aus Kunststoff etwas Künstlerisches zu schaffen, musste man nach meinen Gefühl die wesentliche Natur dieses Materials, seine sozialen Anwendungsgebiete und seine Fabrikationsmöglichkeiten berücksichtigen und wirklich verstehen. Das Fabrikationsverfahren wurde für mich interessanter als das fabrizierte Objekt, und ich war der Auffassung, dass dieses Verfahren mehr über die Gesellschaft und über die Kunst auszusagen habe als irgendeine ästhetische Form oder irgendein Werk, das ein Künstler daraus gestalten könnte.“
Les (Leslie Leopold) Levine, geb. 1935, irischer Bildhauer, wanderte 1958 nach Kanada aus, lebt in New York. Arbeitet mit Polyesterharz, Polymethylmethacrylat und Polystyrol
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„Die ästhetische Form von Kunststoffprodukten wird in der Regel von Ingenieuren und Designern nach zweckorientierten Gesichtspunkten entwickelt. Nur im zweckfreien Tun kann nach meiner Meinung zur Erscheinung gebracht werden, was in diesen immer noch nicht ausgeloteten und ihrem vollen Umfang unbekannten Materialien steckt. Hinter dem proteushaften Vermögen dieser Stoffe, jede Mimikry anzunehmen, und ihrer Fähigkeit, über die Transparenz in spirituelle Bereiche vorzustoßen, ahne ich etwas zutiefst Erotisches und Sakrales.“
Bussi Buhs, geb. 1940, deutsche Malerin, Bildhauerin und Chemikerin; seit 1961 Versuche mit Kunststoffen, 1971-2005 Aufbau und Leitung der Kunststoffwerkstätte an der Kunstakademie in München, Dozentin für Kunststofftechnik. Arbeitet u. a. mit Polyester und Acryl (www.ejw-art.com/ausstellungen/buhs.htm)
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„Mir ist jedes Material, jedes Medium recht, um das Licht direkt oder indirekt sichtbar zu machen. Jedes Material muss immaterialisiert werden, damit die Erscheinung zustande kommen kann. Transparente Materialien wie z. B. Plexiglas sind schon von sich aus geeignet, immateriell zu erscheinen. Darum habe ich Plexiglas in den 60er-Jahren sehr oft eingesetzt. Als es von den Designern entdeckt wurde, entfernte ich mich von diesem Material.“
Heinz Mack, geb. 1931, deutscher Künstler und Philosoph, 1950-1953 Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, seit 1956 schöpferisch tätig im Bereich der luminokinetischen Kunst, 1957 Mitbegründer der Düsseldorfer Künstlergruppe „ZERO“ (www.mack-kunst.com)