Thema des Monats: August 2015

Kunststoffe machen Schule

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Überall auf der Welt starten Kinder in den Schulalltag. Für viele von ihnen beginnt damit ein ganz neuer Lebensabschnitt, der geprägt ist von zahlreichen neuen Erfahrungen und Erkenntnissen. Ganz am Rande lernen die Kinder dabei die Leistungsfähigkeit polymerer Werkstoffe kennen.

Tausende Mädchen und Jungen habe es bereits getan, andere werden es in Kürze und auch zukünftig tun – zum ersten Mal ihren Ranzen packen. In Rom, in München oder Helsinki, allen I-Dötzchen (Schulanfängern) überall auf der Welt ist eines gemein: sie fiebern dem Tag ihrer Einschulung begeistert entgegen.

Norwegische Kinder werden traditionell zur Feier des Tages neu eingekleidet. In Deutschland erhält jeder Erstklässler eine große Schultüte, gefüllt mit (hoffentlich) vielen nützlichen Dingen für den Schulalltag, frischem Obst, etwas zum Spielen.

Was die Kinder nicht sehen: Hinter den kleinen Freuden, die man ihnen anlässlich ihrer Einschulung bereiten, verbirgt sich der viel beschriebene Ernst des Lebens, schließlich ist es in den meisten Ländern eine Pflicht, die Schule aufzusuchen.

Spaß am Ernst des Lebens?

Ungeahntes stützt auf die Kleinen ein: Sie müssen fortan pünktlich sein, still sitzen, sich konzentrieren. Sie sollen aufmerksam zuhören, sich aktiv am Unterricht beteiligen. Sie sollen lernen und leisten und ja nur keine Albernheiten mehr machen oder Herumzappeln, obwohl die Wissenschaft herausgefunden hat: Hin- und Herrutschen auf dem Stuhl kurbelt die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung an. Das wiederum fördert Konzentration und Leistungsvermögen. [1,2]

Früher oder später beschleicht manchen Grundschüler, manche Grundschülerin ein Gefühl der Wehmut; die Zeit im Kindergarten war einfach nur schön. Jeden Tag Spielen, Spaß, Spannung und die Freiheit der Veränderung: Wer keine Lust mehr hatte zu malen, zu basten oder zu bauen, suchte sich kurzerhand eine andere Beschäftigung.
Lola rennt

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Der Schulalltag ist weit davon entfernt. Es gibt den Lehrer, der fordert und im Idealfall auch fördert, es gibt Schüler/Innen, die den Anforderungen entsprechen und ihren Platz finden müssen; es gibt Richtlinien und Stundenpläne, Klassenarbeiten und Hausaufgaben, und es gibt den Pausengong, in der Lehranstalt Herrscher über Raum und Zeit, ungnädig gegen jeden, der zu spät zum Unterricht kommt. Manches Kind hat Schwierigkeiten sich auf die neue Lebenssituation einzulassen.

Kindern den Einstieg in den Schulalltag erleichtern

In Italien verlässt man sich darauf, dass der heilige San Remigio seine Hände schützend über die Dreikäsehochs hält und alles richten wird. Die Rheinländer sehen die Dinge ähnlich, haben dafür aber keinen Schutzpatron. Sie vertrauen auf die Kraft der Serie und halten sich an die Lebensweisheit, dass alles kommt, wie es kommen muss und dass bislang immer alles gut gegangenen ist. Ausnahmen bestätigen die Regel.

In Wirklichkeit aber braucht es mehr als einen Heiligen und kluge Worte; es braucht die tatkräftige Unterstützung der Eltern, der Lehrer und des ganzen Bildungssystems, damit die Kinder mit Freude lernen und die Schule nicht als Last empfinden.

Um ihren Kindern den Einstieg in den Schulalltag buchstäblich zu erleichtern, sollten Eltern und Erziehungsberechtigte insbesondere einen Blick darauf haben, was ihre Kinder in die Schule tragen: Nicht nur seinen Inhalt, sondern vor allem auch den Ranzen oder Tornister, kurz Toni genannt, selbst, das wohl wichtigste Utensil eines Schulkindes.

Beim Kauf eines Tornistern kann man einiges richtig machen

... aber auch viele Fehler begehen. Wer sich beim Einkauf eines Tornisters keine Gedanken macht, nur optische oder rein funktionale Aspekte im Fokus hat, nimmt billigend in Kauf, dass die Schultasche allzu leicht zu schwer und unhandlich wird für das Kind. Haltungsanomalien infolge von Fehlbelastungen können weitreichende Folgen für die körperliche und geistige Gesundheit des Kindes haben.

Tornister aus Kuststoff

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Woran aber erkennt man einen guten Schultornister? Es gibt einige Kriterien, die ein Ranzen erfüllen sollte, um als akzeptabel eingestuft werden zu können. Grundsätzlich gilt für die erste Schultasche, was im Übrigen auch für die zahlreichen Dinge gilt, die in den Ranzen hineingehören, wie Federmäppchen, Stifte oder Hefte: Experten raten bei Kauf, auf Qualität zu achten.

Tornister aus Kunststoff haben klar die Nase vorn

Der Ranzen sollte aus strapazierfähigem und regenabweisendem Material sein, dass in der Dunkelheit einfallendes Licht reflektiert, um die Sichtbarkeit des Kindes im Straßenverkehr zu erhöhen, empfiehlt Dr. Rüdiger Baunemann von PlasticsEurope. Zudem sollte der Ranzen stabil sein, nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht und über ordentliche, gepolsterte Träger verfügen, die sich auf die für das Kind richtige Länge einstellen lassen, um nur einige wichtige Punkte zu nennen.

Hochwertige Kunststoff-Ranzen, wie sie heute gang und gäbe sind, haben klar die Nase vorn. Sie erfüllten die Anforderungen, wie sie von anerkannten Prüfinstitutionen aufgestellt wurden, in mustergültiger Weise. Dessen ungeachtet gibt es von Hersteller zu Hersteller qualitative Unterschiede, die es zu berücksichtigen gilt. Mit anderen Worten: Kein Einkauf ohne die verschiedenen Tornister hinreichend verglichen zu haben.

Auf jeden Fall leisten Kunststoffranzen einen wichtigen Beitrag hinsichtlich Tragekomfort und Verkehrssicherheit, aber auch zum Umweltschutz. Dr. Rüdiger Baunemann: „Ein qualitativ hochwertiger Tornister aus Kunststoff ist ein Hightech-Produkt und steht die Grundschulzeit locker durch – und was lange hält, muss nicht aufwändig neu produziert werden. Diese Haltung schont die Umwelt und den Geldbeutel der Eltern. Wenn der Toni schließlich ausgemustert wird, lässt er sich ausgezeichnet verwertet; in Deutschland liegt die Verwertungsquote bei 99 Prozent.“ [3]

FAMILY

Apropos K: Die Firma Rethaka aus Südafrika hat sich das Los der 11.4 Millionen Schulkinder im Land angenommen, die oftmals über keinen Strom daheim verfügen, was sie aber benötigen, um ihre von der Schule mitbrachten Hausaufgaben nicht mühsam im Mondlicht oder im Schein eine Kerze erledigen zu müssen. Wer lernt, braucht Licht. Repurpose roduziert modische schicke Schulranzen die mit Solarzellen ausgestattet sind und die den Strom für die Schreibtischlampe produziert. Für die Herstellung der trendigen Schulranzen verwendet Rethaka Altkunststoff [4]. Erfahren Sie mehr in unserem Newsportal unter Apropos K.

Trolli oder Ranzen?

Noch stehen am Beginn der Schulkarriere, die einige Jahre dauert und die ein qualitativ hochwertiger Ranzen aus Polymermaterialien locker in gutem Zustand überdauern sollte – auch wenn er im Pausenhof nicht immer pfleglich behandelt, sondern auch schon einmal geworfen, gestoßen oder getreten wird. Kunststoff an sich erfüllt die geforderten Kriterien an Robustheit, Beständigkeit, Flexibilität und Gewicht, um nur einige zu nennen, allerdings gilt es auch auf die Verarbeitung des Materials zu achten, hier kann es große Unterschiede von Hersteller zu Hersteller geben. (Im Internet finden sich verschiedene Seiten mit Testberichten über Ranzen [5,6].)

Blicken wir einmal auf einige für den Kauf eines Tornisters für einen Erstklässer wichtigen Details: Grundsätzlich raten Experten zu einem Ranzen, den das Kind auf dem Rücken trägt. Trollis mögen auf den ersten Blick eine Erleichterung für das kindliche Knochengerüst darstellen, erweisen sich aber bei genauerem Hinsehen als Handicap, etwa wenn es darum geht, dass das Kind Treppen zu überwinden oder öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen hat. Das Tragen eines Tornisters hingegen kann sich, entgegen früherer Annahmen, als förderlich für die Rückengesundheit darstellen, weil es zum Muskelaufbau beiträgt.

Ranzentest

Wie sich Schulranzen mit unterschiedlichem Gewicht auf den Körper von Kindern auswirken, haben Wissenschaftler des Kidcheck-Teams der Universität des Saarlandes gemessen. Quelle: UdS/dasbilderwerk

Die Ingredienz ist entscheidend, nicht ihre Herkunft

Wie schwer darf ein Tornister sein? Bislang gebe es keinen wissenschaftlich fundierten Beleg dafür, dass Rückschmerzen oder Haltungsprobleme bei Heranwachsenden mit dem Tragegewicht einen Ranzen in Zusammenhang gebracht werden können. Aktuelle Ergebnisse zeigten sogar, „dass durchschnittlich fitte Heranwachsende auch bei einem Tragegewicht von 20 % ihres Körpergewichtes keine Anzeichen von Überlastung zeigen (Kid-Check Studie der Universität des Saarlandes 2008), wohingegen körperlich schwächliche Kinder durchaus schon bei 12 % Tragegewicht Anzeichen einer Überbelastung aufweisen.“ Darauf verweist der Verein Aktion gesunder Rücken auf seiner Homepage [7] ohne vergessen zu bemerken, dass Normwerte leicht zu irreführenden Kaufentscheidungen führen und den Blick von eigentlich komplexeren Problemen ablenken können.

Gute Haltung

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Als weitere Ursache für Rückenbeschwerden bei Heranwachsenden diskutiert wird im Zusammenhang mit dem Alter, der individuellen Belastungsverträglichkeit (Kraft und Koordinationsleistung), der Belastungsdauer, der ergonomischen Qualität des Schulranzens/Schulrucksacks, dem individuellen Trageverhalten vor allem auch unterschiedliche Risikofaktoren wie Bewegungsmangel und stundenlanges Sitzen.

Blick auf ein ergonomisches Trageverhalten

Auf den Punkt gebracht: Ist der Ranzen schwerer als in etwa 15 Prozent des Körpergewichts des Kindes könnten Probleme auftreten. Entscheidend ist jedoch weniger das Gewicht, sondern mehr das ergonomische Trageverhalten: Die Trageriemen sollten wenigstens vier Zentimeter breit sein, um nicht einzuschneiden, und so eingestellt sein, dass der Ranze dicht am Körper anliegt, um eine gute Druckverteilung zu gewährleisten. Ist der Ranzen zu leicht, fehlt ihm möglicherweise die für eine gesunde Haltung notwendige Stabilität.

Einfluss auf das Gewicht des Ranzens nimmt vor allem der Inhalt: das, was das Kind mit zur Schule trägt. Wenn Eltern ihrer Kontrollpflicht nachkommen und regelmäßig einen Blick in den Toni werfen, lässt sich leicht und schnell erkennen, was zu den wichtigen Gepäckstücken gehört und was als überflüssiger Ballast vom Rücken des Kindes entfernt gehört. In den Ranzen gehört: die Arbeit des Tages und natürlich ein gesundes Frühstück bestehend aus Vollkornprodukten, Obst und Wasser; idealweise verpackt in Mehrwegdosen und Flaschen aus Kunststoff – weil Kunststoff und robuster ist als Glas und nachhaltiger als Frühstücksbeute aus Kunststoff oder Papier.

Kunststoff macht Schule

Der TÜV in Hessen hat auf Basis der Daten der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V. alle wichtigen Ratschläge rund um den Ranzen in einem Ratgeber zusammengefasst, der sich im Internet herunterladen lässt.

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