31.05.2013

Kunststoffrecycling: rentabel und für viele Aufgaben einsetzbar

Recyclingquoten von 35 Prozent sind realistisch

Hatte sich die Kunststoffindustrie in den 1960er bis 1980er Jahren noch nicht sonderlich viele Gedanken über eine sinnvolle Entsorgung oder Wiederverwertung von Altkunststoffen gemacht, so wurde sie spätestens mit Wirksamkeit der Verpackungsverordnung in Deutschland im Jahr 1991 zu einem großen Thema. Deutschland hat damals eine Vorreiterrolle eingenommen: Es war das erste Land, das Regeln für die Verwertung von Kunststoffabfällen aufgestellt und im Markt etabliert hat. Mittlerweile haben sich viele Länder in Europa ebenfalls der Thematik angenommen und sehr erfolgreiche Konzepte zum Sammeln und Wiederverwerten entwickelt. Laut Erhebungen von PlasticsEurope wurden in den 27 Ländern der EU zuzüglich der Schweiz und Norwegen im Jahr 2011 rund 47 Millionen Tonnen Kunststoffe verbraucht, hiervon 40 % für kurzlebige und 60% für langlebige Anwendungen. Im gleichen Jahr wurden rund 25 Millionen Tonnen Altkunststoffe gesammelt, von denen 40 % deponiert und 60 % der Wiederverwertung zugeführt wurden.

Mit über 60 % stammten die größten Abfallmengen aus Sammelsystemen für gebrauchte Verpackungen, gefolgt von Produkten aus der Bau-, der Automobil- und der Elektronikbranche. Beispielhafte Sammelsysteme gibt es in den neun europäischen Ländern Schweiz, Deutschland, Österreich, Belgien, Schweden, Dänemark, Norwegen, Niederlande und Luxemburg (in absteigender Reihenfolge benannt). Hier werden Sammelquoten von 99 bis 92 % erreicht. Gleichzeitig weisen sechs dieser Länder auch die höchsten Recyclingquoten in Europa auf. Hier liegen Norwegen, Schweden, Deutschland, die Niederlande, Belgien und Österreich mit Quoten von 35 bis 26 % weit vorne. Die übrigen gesammelten Abfälle werden einer energetischen Verwertung zugeführt.

Auch PET-Flaschen lassen sich sortenrein sammeln und aufbereiten. Das Spektrum der daraus hergestellten Produkte reicht von Fasern über Folien bis hin zu neuen Flaschen. Verschiedenste Anbieter wie die österreichischen Unternehmen Starlinger & Co. GmbH, Wien, NGR GmbH, Feldkirchen, und Erema GmbH, Ansfelden, haben spezielle Recyclinganlagen für PET entwickelt. Gneuss Kunststofftechnik GmbH, Bad Oeynhausen, ist mit seinem MRS-Extruder, für den sogar eine FDA-Zulassung vorliegt, im Markt erfolgreich. Zusätzlich bieten Maschinenbauer diverse Trocknungssysteme, wie das Infrarot-Drehrohr von der Kreyenborg Plant Technology GmbH, Senden, spezielle Filtrationssysteme für die Verarbeitung von PET oder auch Kristallisationsverfahren, wie Crystall-Cut von Automatik Plastics Machinery, Großostheim an. Kreislaufsysteme wie PETcycle haben sich etabliert, um aus Flaschen tatsächlich wieder Flaschen zu machen. Kurzum: Das PET-Recycling, das in Europa immerhin ein Marktvolumen von jährlich 1 Million Tonnen erreicht hat, funktioniert.



Schwierigkeiten beim Recycling
Kunststoffartikel aus verschiedenen Materialien, die sich nicht sinnvoll voneinander trennen lassen, stellen für die Recyclingbranche eine weitere Hürde dar – ebenso wie Produkte, die nicht restlos entleerbar sind. Probleme bereiten auch Post-Consumer-Folien-Abfälle, da sie ein sehr schlechtes Verhältnis von Oberfläche zu Verschmutzung aufweisen und daher aufwendig bearbeitet werden müssen. Hier gibt es nach Aussage von Scriba zwar erfolgreiche Experten für die Verwertung, jedoch keine europaweit funktionierenden Absatzmärkte. Weitere Herausforderungen stellen Nicht-Getränkeflaschen aus PET in einer sehr großen Typenvielfalt dar, die ebenfalls nur beschränkt verwertbar sind. Auch Kunststoffe aus Automobil- und Elektronikresten lassen sich bisher nur schlecht wiederverwerten.

Bei derartigen Problemfällen sind Aufbereiter und Maschinenbauer aufgefordert, patente Antworten zu liefern. Eine Lösung für Post-Consumer-Folienabfälle aus DSD-Sammlungen lieferte beispielsweise die Herbold Meckesheim GmbH, Meckesheim, kürzlich an den Entsorger WRZ-Hörger GmbH & Co. KG in Sontheim. Die schlüsselfertige Anlage, bestehend aus Störstoffabscheidung, Nasszerkleinerungsstufe und Plastkompaktor, macht aus 7.000 Tonnen Abfällen pro Jahr rieselfähige Agglomerate mit hoher Schüttdichte, die für die Herstellung von Spritzgussartikeln geeignet sind. Speziell für Mischfraktionen entwickelte Erema zusammen mit der Coperion GmbH & Co. KG, Stuttgart, die Corema, eine kombinierte Recycling- und Compoudieranlage. Charakteristisch für diese Anlage ist ihre Eignung für ein breites Materialspektrum. Nach Aussage von Erema-Geschäftsführer Manfred Hackl handelt es sich um eine ideale Anlage, um kostengünstig erhältliche Mischfraktionen zu verarbeiten, und um aus PP-Nonwoven-Abfällen ein Compound mit 20 % Talkum herzustellen oder eine PET/PE-Mischfraktion mit Additiven zu verarbeiten.

Eine Sonderlösung ist auch die von Gneuß an die britische K2 Polymer gelieferte MRS-Extrusionslösung, um gemahlene Polyamid-11-Reststoffe aufzubereiten. Die Eingangsware stammt aus Tiefsee-Ölleitungen, die nach dem Versiegen einer Ölquelle nicht mehr benötigt und an Land gebracht werden müssen. Der Multi Rotation System (MRS)-Extruder schafft es, den hochwertigen Kunststoffabfall, der aufgrund des teilweise jahrzehntelangen Einsatzes durch Öl stark verunreinigt ist, in einem Arbeitsschritt zu dekontaminieren und aufzubereiten – ohne chemische Wäsche.

Obwohl bereits viele Verfahren etabliert werden konnten, besitzt das Recycling weiterhin bedeutendes Optimierungspotenzial. Dies beginnt bei der recyclinggerechten Auslegung von Kunststoffartikeln, die bezüglich ihrer sinnvollen späteren Verwertung unter die Lupe genommen werden sollten. Auch passende Verwertungsverfahren und maschinenbauliche Lösungen zur Verarbeitung schwieriger Abfälle bieten noch Raum für Weiterentwicklungen.