14/09/2011

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LANXESS: Nachhaltige Mobilität durch "grüne" Reifen und leichte Kunststoffe

Wer Dr. Werner Breuers nach der Zukunft des Automobils fragt, erhält eine klare Antwort: "Nur mit intelligenten Chemiewerkstoffen werden wir eine nachhaltige Mobilität und vielleicht sogar das Null-Emissionsauto verwirklichen können." Der Chemiker, der im Vorstand des Spezialchemie-Konzerns LANXESS die Forschung und Entwicklung leitet, sieht sein Unternehmen dabei in exzellenter Position: "Wir werden in einigen Jahren in Fahrzeugen sitzen, deren Umweltfreundlichkeit, Effizienz und Leistung wesentlich durch innovative Werkstoffe von LANXESS geprägt sind. Das gilt zum Beispiel für unsere Kautschuke, aus denen sich spritsparende Leichtlaufreifen herstellen lassen, aber auch für unsere Hightech-Kunststoffe, die zu hochbelastbaren und dabei sehr leichten Bauteilen etwa für den Karosseriebereich verarbeitet werden können."

"Grüne" Reifen mit stark verringertem Rollwiderstand
18 % der globalen CO2-Emissionen entstehen durch den Straßenverkehr. 20 bis 30 % des Kraftstoffverbrauchs eines Personenwagens und rund 24 % seiner CO2-Emissionen entfallen auf die Reifen. Kein Wunder, dass gesetzliche Regularien zur Senkung des CO2-Ausstoßes von Fahrzeugen bei den Reifen ansetzen - wie zum Beispiel die kommende EU-Kennzeichnung für Reifen. "Wir haben Spezialkautschuke und Additive für Kautschuke entwickelt, mit denen sich der Rollwiderstand von Reifen um bis zu 30 % verringern lässt, ohne dass die Nasshaftung und Lebensdauer der Pneus darunter leiden", so Breuers. Eine Verringerung des Rollwiderstands in dieser Größenordnung reduziere den Kraftstoffverbrauch eines Pkw mit Benzinmotor und einem Durchschnittsverbrauch von 10 l/100 km um einen halben Liter pro 100 km und die CO2-Emissionen um 1,2 kg pro 100 km. "Damit leisten Reifen aus unseren Spezialkautschuken bereits heute einen großen Beitrag zum Klimaschutz", so Breuers weiter.

Dieser Beitrag werde sich in Zukunft stark erhöhen. Denn die weltweit wachsende Mobilität zwinge die nationalen Gesetzgeber, den Einsatz der "grünen" Leichtlaufreifen für den Klima- und Umweltschutz zu forcieren. "Wir erwarten, dass der Anteil dieser Hochleistungsreifen gegenüber normalen Reifen bis 2015 um 77 % steigen wird. In Europa werden sie schon bald Standard sein", so Breuers.

Kunststoffanteil im Automobil steigt stark an
Neben "grünen" Reifen hilft auch der konsequente Leichtbau, den Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß von Fahrzeugen zu senken. Gefragt sind dabei besonders intelligente Materialkonzepte auf Basis von leichtem Kunststoff. Aktuell entfallen etwa in Europa rund 15 % des Fahrzeuggewichtes auf Kunststoffteile. "Vor allem wegen des Trends zum Elektroauto rechnen wir in naher Zukunft mit einem Anstieg auf 25 %. Denn das zurzeit noch hohe Gewicht der Antriebsbatterien muss an anderer Stelle kompensiert werden, damit Elektrofahrzeuge genügend Reichweite haben", erläutert Breuers.

Noch leichter mit Organoblech-Hybridtechnik
Breuers geht davon aus, dass dabei die von LANXESS erfundene Kunststoff-Metall-Verbundtechnologie auf Basis von Metall und den Polyamiden Durethan, auch Hybridtechnik genannt, wertvolle Dienste leisten wird. Denn Hybridteile sind im Vergleich zu reinen Stahlkomponenten bei gleicher Leistung meist um 20 bis 30 % leichter. "Neben Frontends und Bremspedalen könnten künftig auch Teile wie Schweller und Türen sowie Batterieträger für Elektromotoren in dieser Leichtbauweise konstruiert werden", so Breuers. Kürzlich habe LANXESS mit Partnern das Leistungspotenzial der Hybridtechnik nochmals deutlich steigern können - und zwar durch den Einsatz von Organo- statt Metallblech. "Im Vergleich zu Aluminiumblech-Hybridkonstruktionen kann so das Bauteilgewicht noch einmal um rund 10 % gesenkt werden. Gegenüber Hybridteilen mit Stahlblech wäre die Ersparnis sogar noch größer", freut sich Breuers.

Kautschukrohstoff aus Biomasse
LANXESS will in seinen Konzepten für eine nachhaltige Mobilität auch auf erneuerbare Ressourcen setzen. Zum Beispiel sei mit Partnern ein Syntheseprozess entwickelt worden, mit dem sich Isobuten - ein wesentlicher Ausgangsstoff für Butylkautschuk - aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen lasse. Der Prozess gehe von fermentierbaren, aus Mais gewonnenen Zuckern aus. Wie Tests ergeben hätten, könne aus dem biomassebasierten Isobuten Butylkautschuk hergestellt werden, der auch die strengen Qualitätsstandards der Reifenindustrie erfülle. "Der Gesamtprozess könnte uns eine erneuerbare und damit ressourcenschonende Rohststoffquelle für diesen sehr wichtigen Reifenkautschuk erschließen und uns von fossilen Rohstoffen unabhängiger machen", so Breuers.