06.11.2012

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Lanxess: Q3-Umsatz sinkt um 8 Prozent gegenüber Vorjahr auf 2,2 Mrd. Euro - Schwache Nachfrage aus der Reifen- und Automobilindustrie

Lanxess bestätigt sein Ergebnisziel für das Geschäftsjahr 2012 trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds. Der Spezialchemie-Konzern erwartet ein operatives Ergebnis vor Abschreibungen und Sondereinflüssen am unteren Ende der angekündigten Bandbreite von plus 5 bis 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das dritte Quartal war für Lanxess demnach von einer unverändert hohen Nachfrage nach Agrochemikalien geprägt. Diese konnte die schwache Nachfrage aus der Reifen- und Automobilindustrie allerdings nicht vollständig ausgleichen.

Der Konzernumsatz sank gegenüber dem Vorjahresquartal um 8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Ausschlaggebend waren hierfür geringere Absatzmengen sowie an rückläufige Rohstoffkosten angepasste Verkaufspreise. Portfolioveränderungen und positive Wechselkurseffekte konnten dies teilweise kompensieren.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen verringerte sich im dritten Quartal um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 255 Millionen Euro. Als Gründe hierfür werden neben geringeren Absatzmengen Aufwendungen für geplante Wartungsarbeiten und damit verbundene Leerstandskosten genannt. Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen sank von 13,3 Prozent im Vorjahresquartal auf 11,8 Prozent. Der Konzerngewinn ging insbesondere aufgrund des Nachfragerückgangs und des niedrigeren Finanzergebnisses um 39 Prozent auf 94 Millionen Euro zurück.

Fokus auf flexibles Anlagenmanagement und strikte Kostendisziplin
"Dieses Quartalsergebnis liegt im Rahmen unserer Erwartungen und steht im Vergleich zu einem sehr starken Vorjahresquartal", sagte Axel C. Heitmann, Vorstandsvorsitzender der Lanxess AG. "Auf die veränderten Marktbedingungen reagieren wir mit unseren bewährten Maßnahmen wie das flexible Anlagenmanagement und eine strikte Kostendisziplin."

Die Nettofinanzverschuldung im Berichtszeitraum verringerte sich im Vergleich zum zweiten Quartal 2012 aufgrund eines geringeren Working Capital um 8 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro. Aus dem niedrigeren Working Capital resultierte auch ein höherer Cashflow aus operativer Tätigkeit, der sich im Vergleich zum Vorjahr mit 344 Millionen Euro mehr als verdoppelt hat.

Geschäftsentwicklung nach Regionen
EMEA (Europa ohne Deutschland, Naher Osten, Afrika) blieb mit einem Anteil von 28 Prozent am Konzernumsatz die stärkste Region. Der Umsatz ging gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 9 Prozent auf 596 Millionen Euro zurück. Niedrigeren Umsätzen insbesondere in Italien und Spanien standen deutlich höhere Verkaufszahlen in Russland gegenüber.

In Deutschland verringerte sich der Umsatz um knapp 4 Prozent auf 392 Millionen Euro. Das waren 18 Prozent des Konzernumsatzes.

Die Region Nordamerika erzielte im Berichtszeitraum einen Umsatz von 391 Millionen Euro, 2 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Damit erwirtschaftete Lanxess 18 Prozent seines Konzernumsatzes in dieser Region.

In der Region Asien-Pazifik sank der Umsatz um 5 Prozent auf 493 Millionen Euro. Das sind 23 Prozent des Konzernumsatzes. Ursächlich dafür war vor allem der Nachfragerückgang in Greater China.

Der Umsatz in Lateinamerika verringerte sich um 19 Prozent auf 287 Millionen Euro und entsprach damit einem Gesamtumsatzanteil von 13 Prozent.

Der Umsatz in den BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) ging um 18 Prozent auf 485 Millionen Euro zurück. Der Anteil dieser Staaten am Konzernumsatz betrug 23 Prozent.

Geschäftsentwicklung nach Segmenten
Das Segment Performance Polymers erzielte im Berichtszeitraum einen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz. Die Verkaufspreise in diesem Segment gaben aufgrund sinkender Rohstoffpreise, insbesondere für Butadien, im Jahresvergleich um 12 Prozent nach. Die Absatzmengen gingen um 11 Prozent zurück. Das EBITDA vor Sondereinflüssen sank um knapp 29 Prozent auf 152 Millionen Euro. Zurückgeführt wird dies insbesondere auf niedrigere Absatzmengen in den Märkten für Ersatzreifen und Erstausrüster. Die Aufwendungen für planmäßige Wartungsarbeiten und Leerstandskosten belasteten zudem das Ergebnis.

Während die Nachfrage nach Standard-Kautschukqualitäten rückläufig war, zeigte sich der Bedarf nach High-Performance-Qualitäten wie Neodymium-basiertem Performance-Butadien-Kautschuk (Nd-PBR) und Lösungs-Styrol-Butadien-Kautschuk (SSBR) weiterhin stabil. Diese Premium-Produkte werden zur Herstellung "Grüner Reifen" verwendet.

Seit 1. November 2012 gilt in der Europäischen Union (EU) eine Kennzeichnungspflicht für Reifen. Diese müssen je nach Kraftstoffeffizienz und Nasshaftung mit einer Kategorisierung von A bis G versehen werden. Das Rollgeräusch wird ebenfalls gemessen und mit dem Label bewertet. Mit der Kennzeichnung von "Grünen Reifen" erhöht die neue Regelung die Transparenz für die Verbraucher. Am 1. Dezember 2012 wird Südkorea ebenfalls eine verpflichtende Kennzeichnung einführen.

Aufgrund höherer Preise sowie positiver Mengen- und Währungseffekte wuchs der Umsatz im Segment Advanced Intermediates gegenüber dem Vorjahresquartal um knapp 9 Prozent auf 403 Millionen Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg um 10 Prozent auf 75 Millionen Euro. Die Geschäftsbereiche Advanced Industrial Intermediates und Saltigo profitierten von der unverändert hohen Nachfrage nach Agrochemikalien.

Der Umsatz des Segments Performance Chemicals stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6 Prozent auf 555 Millionen Euro. Ausschlaggebend waren hier positive Währungseffekte und drei jüngst in den USA durchgeführte Akquisitionen. Das EBITDA vor Sondereinflüssen lag unverändert bei 75 Millionen Euro. Der Geschäftsbereich Inorganic Pigments profitierte von einer leicht gestiegenen Nachfrage der Bauindustrie in Asien. Die Business Units Rubber Chemicals und Rhein Chemie verzeichneten rückläufige Absatzmengen. Grund waren die geringere Nachfrage bei den Kunden aus der Automobilindustrie.

Ausblick
Lanxess geht davon aus, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im vierten Quartal nicht weiter verschlechtern werden. Deshalb erwartet der Konzern für das Gesamtjahr eine Steigerung des operativen Ergebnisses vor Abschreibungen und Sondereinflüssen am unteren Ende der Prognose von plus 5 bis 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2011 lag das EBITDA vor Sondereinflüssen bei 1,146 Milliarden Euro.

Im vierten Quartal wird sich nach Einschätzung des Konzerns die Schwäche in der Automobilindustrie in Europa fortsetzen, während in Nordamerika und China von einer anhaltenden Dynamik ausgegangen wird, auch wenn sich die hohen Wachstumsraten abschwächen. Unverändert schwach dürfte die Nachfrage aus der Reifenindustrie bleiben. Für die Nachfrage im Bereich Agrochemikalien wird hingegen weiterhin eine stabile Entwicklung erwartet. Lanxess erwartet keine Verbesserung der Situation der Bauindustrie in Europa, geht aber für Nordamerika von einer leichten Erholung in dieser Branche aus. Lanxess will weiterhin an seiner "Preis-vor-Menge-Strategie" festhalten. Die Rohstoff- und Energiepreise werden voraussichtlich im vierten Quartal stabil bleiben.