07.11.2014

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Lanxess will bis Ende 2016 etwa 1000 Arbeitsplätze abbauen

"Lanxess ist nicht nur Kautschuk", sagte Vorstandsvorsitzender Matthias Zachert, aber es ist nun mal die Kautschuksparte, die in der eindrucksvollen neuen Konzernzentrale in Köln die meisten Sorgen bereitet. Denn während etwa 60 % des Lanxess-Portfolios - und hierzu zählen u.a. auch die Polyamide - sich im "grünen Bereich" bewegen, krankt das etwa 40 % ausmachende Kautschukgeschäft an schlechter Kostenstruktur, Überkapazitäten und fehlender Rückwärtsintegration. Im Umfeld einer sich abschwächenden konjunkturellen Entwicklung bei steigenden Rohstoff- und Energiekosten sowie den vergleichsweise hohen Lohnkosten in Europa hat man ein dreistufiges Restrukturierungsprogramm geschnürt, mit dem man bis Ende 2016 den Konzern wieder auf Wachstumskurs bringen will. Zachert betonte aber ausdrücklich: "Sparen ist kein Unternehmensziel. Sparen kann nur eine Korrektur der Vergangenheit sein, um künftig wieder auf Wachstumskurs zu gehen." Stellenabbau weltweit Bis dahin will der im April 2014 neuangetretene Konzernchef Zachert, der übrigens unter seinem Vorgänger Axel Heitmann von 2004-2011 bereits CFO bei Lanxess war, eine ganze Reihe einschneidender Sparmaßnahmen umsetzen: Die erste Stufe der Neuausrichtung soll bis Ende 2016 weltweit zu einem Abbau von etwa 1 000 Stellen führen, ca. 50 % davon in Deutschland. Betroffen sind hauptsächlich Stellen in Verwaltungs- und Servicebereichen, im Marketing und Vertrieb, aber auch im Bereich F+E. Allein 190 Jobs fallen in Leverkusen weg, 130 in Köln, 60 in Krefeld, am RheinChemie-Standort Mannheim sind ebenfalls 60 Mitarbeiter betroffen, in Dormagen 50 sowie an anderen Standorten insgesamt etwa 10. Zachert machte deutlich, dass der Stellenabbau auch mit betriebsbedingten Kündigungen einhergehen könnte, falls das demnächst auslaufende Abfindungsprogramm keine ausreichende Resonanz finde. Für den Stellenabbau sind bis Ende 2016 Sonderaufwendungen von insgesamt 150 Mio. EUR eingeplant, davon bereits rd. 100 Mio. EUR im Jahr 2014. Hypothek neue Anlagen Derzeit startet man die zweite Stufe der Neuausrichtung. Hier stehe die Optimierung von Vertrieb und Lieferketten sowie von Produktionsprozessen und -anlagen im Fokus. Die Implementierung entsprechender Maßnahmen soll in den Jahren 2015 und 2016 erfolgen. Angesichts massiver Überkapazitäten erweisen sich die neuen Anlagen für Nd-PBR (140 000 jato) und EPDM in Singapur (mit 160 000 jato die größte ihrer Art weltweit) als Hypothek. Die Anlagen gehen zwar wie geplant 2015 in Betrieb, allerdings betonte Zachert, dass man sie, um einen ruinösen Preisverfall zu vermeiden, "diszipliniert" anfahre. Das bedeutet, dass die Kapazitäten bei weitem nicht ausgeschöpft werden. Dafür werden 2015/16 Leerkosten in Höhe von etwa 50 Mio. EUR veranschlagt. Zachert stellte ebenfalls die temporäre oder komplette Stilllegung von Standorten in Aussicht. Von diesen Maßnahmen würden fast ausschließlich Kautschukanlagen betroffen sein, so sagte er. Frühestens im Juni 2015 sei hier aber mit Entscheidungen zu rechnen. Horizontale und vertikale Kooperationen Im Vordergrund der dritten Stufe zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Geschäftsportfolios sollen sogenannte horizontale und vertikale Kooperationen im Kautschukbereich stehen. Auch hier soll 2015/16 an die Umsetzung herangegangen werden. Hier seien bspw. die Prüfung von Allianzen zur Verbesserung des Zugangs zu Rohstoffen, v.a. im Kautschukbereich, sowie die Optimierung des Marktzugangs, bspw. durch Vertriebskooperationen, zu nennen. Zachert nannte zwar keine potenziellen Kandidaten, zitierte aber als Beispiel einer in seinen Augen gelungenen Kooperation die Zusammenarbeit von ExxonMobil und Sabic. (Deren integrierte 400 000-jato-Anlage im Al-Jubail-Komplex, die u. a. Halobutylkautschuk produziert, soll 2015 anlaufen.) Rote Zahlen in Q4 Im Q3/2014 lag der Umsatz mit 2,04 Mrd. EUR etwa auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Im Segment Performance Polymers waren fast alle Geschäftsbereiche von rückläufigen Preisen und geringeren Absatzmengen betroffen. Insgesamt sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 % auf 1,05 Mrd. EUR. Niedrigere Fertigungskosten, geringere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie der Wegfall von Wertberichtigungen auf Vorräte führten zu einer Ergebnisverbesserung im Vergleich zum Vorjahresquartal. Das EBITDA vor Sondereinflüssen des Segments stieg um 10,7 % auf 93 Mio. EUR. Im Segment Advanced Intermediates stieg der Umsatz in Q3 um 5,2 % auf 424 Mio. EUR. Ausschlaggebend sei hier insbesondere die anhaltend gute Nachfrage nach Agrochemikalien gewesen. Das EBITDA vor Sondereinflüssen des Segments stieg um 4,2 % auf 74 Mio. EUR. Der Umsatz im Segment Performance Chemicals verbesserte sich um 2,7 % auf 561 Mio. EUR. Dabei profitierten die Geschäftsbereiche Leather und Inorganic Pigments von einer Steigerung der Absatzmengen. Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg insbesondere aufgrund höherer Preise und Mengen um 5,6 % auf 76 Mio. EUR. Für Q4/2014 erwartet Zachert indes "rote Zahlen", und auch für den Jahresabschluss 2014 hält er ein negatives Ergebnis für möglich. Wörtlich sagte er: " Für das Gesamtjahr wird es Spitz auf Knopf sein."

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