Lebenszufriedenheit der Deutschen wird langfristig kaum von ökonomischem Statusverlust beeinflusst

Veränderungen des Einkommens und in der Haushaltsstruktur (z.B. Ein- und Auszug, Tod und Geburt) sowie der Verlust der Erwerbstätigkeit können sich stark auf die Einkommensmobilität auswirken. Wie es scheint leidet die Lebenszufriedenheit der Deutschen darunter weniger als man annehmen könnte. Besonders jüngere Generationen stellen Werte wie Meinungsfreiheit, Selbstverwirklichung und Lebensqualität über ihren ökonomischen Status.

Auf der Basis des seit 1984 jährlich durchgeführten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) untersucht Damaris Rose, Doktorandin an der Universität zu Köln, wie sich ein verringertes Einkommen auf die Lebenszufriedenheit der Deutschen auswirkt und ob dabei Unterschiede zwischen verschiedenen Generationen zu beobachten sind.

Für ihre Studie teilte Rose das Einkommen der Befragten in fünf Einkommensstufen ein, wobei die erste Stufe die geringste, die fünfte die höchste Einkommensstufe beschreibt. Dabei zeigte sich grundsätzlich, dass die Einkommensmobilität im untersuchen Zeitraum (1984-2013) beim Großteil der Bevölkerung (ca. 62%) gleichbleibend war. Rund 15% der Befragten stiegen um eine Stufe ab, Abstiege um zwei Stufen waren nur bei etwa 3% zu beobachten. Lediglich 0,3% der Befragten fielen von der höchsten in die niedrigste Stufe ab.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen weiter, dass mit dem ökonomischen Statusverlust der Befragten zwar eine messbare Reduktion der Lebenszufriedenheit einhergeht, jedoch in einem nicht erwartet geringen Ausmaß. Auf einer Skala von 1 bis 11 verringerte sich die Lebenszufriedenheit der Befragten in Folge der Abwärtsmobilität ihres Haushaltes um gerade einmal 0,05 Skalenpunkte. Dieser geringe Zusammenhang wirft die Frage auf, welchen Stellenwert die Befragten allgemein ihrem ökonomischen Status beimessen. Ebenfalls wider Erwarten waren es vor allem die Betroffenen aus der höchsten Einkommensstufe, die durch den Abstieg eine Einbuße der Lebenszufriedenheit beklagten. Allerdings wirkt sich wie anzunehmen das Ausmaß des Abstiegs wiederum entscheidend auf die Lebenszufriedenheit aus: Je größer der Abstieg, desto größer war die Unzufriedenheit der Befragten.

Im weiteren Verlauf der Studie untersuchte Rose die Lebenszufriedenheit der Befragten drei Jahre vor und drei Jahre nach dem ökonomischen Abstieg. Dabei stellte sie fest, dass die Reduktion der Lebenszufriedenheit bereits vor der eigentlichen Abwärtsmobilität begann. Dies spricht dafür, dass der ökonomische Statusverlust für die Betroffenen in vielen Fällen bereits vorhersehbar war (z.B. durch befristete Arbeitsverträge) und das Ereignis entsprechend antizipiert wurde. Erfreulicherweise stieg das Niveau der Lebenszufriedenheit jedoch wieder und entsprach bereits nach zwei Jahren demjenigen vor der Abwärtsmobilität und überstieg dieses teilweise sogar. Als mögliche Erklärung hierfür führt Rose an, dass die Auswirkungen des ökonomischen Abstiegs evtl. nicht so schlimm ausfallen wie von den Befragten zuvor befürchtet.

Im generationenübergreifenden Vergleich zeigte sich, dass die Abwärtsmobilität von Generation zu Generation weniger Einfluss auf die Lebenszufriedenheit nimmt. Diese Tatsache unterstreicht den vom Politologen Ronald Inglehart propagierten Wertewandel hin zu postmaterialistischen Werten wie Meinungsfreiheit, Selbstverwirklichung und Lebensqualität und bezeugt erneut, dass jüngeren Geburtskohorten ihre Zufriedenheit weniger von ihrer ökonomischen Stellung abhängig machen als noch frühere Generationen.

Quelle und weitere Informationen
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften