05/08/2010

Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e.V.

Leibniz-Applikationslabor Multifunktionelle Polymerwerkstoffe

Die Applikationslabore der Leibniz-Gemeinschaft unterstützen in einer neuen Form transferorientierte Forschungsfelder. Sie dienen der Initiierung von Kooperationen sowie dem Aufbau eines verbesserten Leistungs- und Transferangebotes der Institute und übernehmen eine Vermittlerfunktion zwischen Industrie und Wissenschaft bei der Überführung transferrelevanter Ergebnisse in die Praxis.

Am Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e.V. (IPF) wurde ein Applikationslabor zum Thema „Multifunktionelle Polymerwerkstoffe“ eingerichtet.
Materialien mit genau definierten neuartigen Eigenschaften und Funktionalitäten sind für die Entwicklung neuer Technologien und Produkte unverzichtbar. In zunehmendem Maße sind Werkstoffe gefragt, die unterschiedliche Funktionalitäten vereinen. Polymere besitzen für die Entwicklung solcher multifunktionalen Materialien ein enormes Potential, denn kein anderer Werkstoff ist in seinen Eigenschaften so variabel und kann so vielen verschiedenen Einsatzzwecken angepasst werden wie Kunststoff.
Mit dem Leibniz-Applikationslabor will das IPF Erkenntnisse aus seiner angewandten Grundlagenforschung zu den Themen „Elastomere Nanokomposite“ und „Elektroneninduzierte reaktive Aufbereitung“ schneller und leichter für industrielle Anwendungen nutzbar machen. Kleine und mittelständische Unternehmen werden bei der Entwicklung und Überführung kundenspezifischer polymerer Funktions¬werkstoffe in die Praxis unterstützt.
Auf dem Gebiet der Elastomere eröffnen die speziellen Kompetenzen der Wissenschaftler am IPF die Möglichkeit, durch Einarbeitung von neuen, nanoskaligen Füllstoffen wie Kohlenstoffnanoröhrchen (CNT), Schichtsilikaten, Graphenen oder Layered Double Hydroxides (LDH) die Materialeigenschaften der Elastomere in gewünschter Weise anzupassen. Beim Ersatz herkömmlicher Zusatzstoffe gelingt es dabei sogar, umweltschädliche Einflüsse zu reduzieren, wie beim Einsatz von LDH anstelle von Zinkoxid bei der Kautschukvernetzung.
Die elektroneninduzierte reaktive Aufbereitung ist ein am IPF entwickeltes innovatives Verfahren zur Herstellung thermoplastischer Funktionswerkstoffe (z. B. Blends, Komposite/Nanokomposite) mit erhöhter Reißdehnung, Zugfestigkeit und Schlagzähigkeit. Die Induzierung chemischer Reaktionen im Schmelzemischprozess mittels energiereicher Elektronen ermöglicht eine individuelle Modifizierung entsprechend des geforderten Eigenschaftsportfolios ohne Zusatz von Additiven und erlaubt somit einen nachhaltigen sowie umweltfreundlichen Materialeinsatz.
Das IPF stellt nationalen wie internationalen Projektpartnern zur Herstellung und Veredelung individuell modifizierter klassischer Kunststoffe (Polyethylen, Polypropylen) und regenerativer Polymere die am IPF entwickelten Methoden zur Verfügung.
Interdisziplinäre Teams, ganzheitliches kundenspezifisches Projektmanagement, moderne Forschungsinfrastruktur sowie umfassendes Knowhow im Bereich von Hochleistungsverbundwerkstoffen und thermoplastischen Funktionswerkstoffen - von Synthese über Verarbeitung und Modifizierung bis hin zur umfassenden Werkstoff- und Oberflächencharakterisierung und Inline- und Online-Prozessanalyseverfahren - garantieren die Bearbeitung anwendungsorientierter Forschungsprojekte unter industrienahen Bedingungen.