18.11.2011

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Leistritz: Extruderhersteller mit zwei erfolgreichen Veranstaltungen

Auf gleich zwei Veranstaltungen demonstrierte der Nürnberger Extruderhersteller seine Kompetenz in verschiedenen Anwendungen. Am 2. und 3. November besuchten 120 interessierte Teilnehmer den Leistritz "Compounding Workshop". Der "Direct Extrusion Day" am 4. November brachte 60 Teilnehmer in die Frankenmetropole.

Zweitägiger "Compounding Workshop"
[7;r]Beim Compounding Workshop wurden Themen rund um das Compoundieren verschiedener Stoffe wie Nanomaterialien, Biopolymere, Talkum bis hin zu BorNitrid beleuchtet. Kompetente Referenten stellten ihre Materialien und deren Verarbeitung in informativen Fachvorträgen vor. Begrüßt wurden die Teilnehmer vom Geschäftsführer CEO von Leistritz, Dr.-Ing. Hubertus Schulte, der den breiten Anwendungsbereich der Leistritz Produkte darstellte.

Kathrin Lehmann von Evonik Goldschmidt eröffnete den Reigen der Fachvorträge mit dem Thema Compoundieren von Nanocomposites. Ganz speziell wurde das BMBF geförderte NanoScratch-Projekt dargestellt, bei dem die Herstellung von Compounds mit hoher Kratzfestigkeit im Vordergrund stand. Das Compound wird in verschiedenen Prozessschritten unter Einsatz von organomodifizierten Silixanen, Aluminium-Oxid und weiteren Rezepturbestandteilen hergestellt und zeigte in Kratztests sowie in verschiedenen Demonstratoren für das Auto-Interieur eine eindrucksvolle Perfomance.

Ein Vortrag zum Thema Direktextrusion wurde von Dr.-Ing. Werner Rahm von der Kuhne Group, dem Kooperationspartner von Leistritz im Bereich Cast-Folienanlagen, präsentiert. Insbesondere beim Herstellen von PET-Folien mit verschiedenen Anteilen von Virgin Polymer und Recyclingware ist der Doppelschneckenextruder mit seinen herausragenden Misch- und Entgasungseigenschaften notwendig.

Die Verarbeitung von Biopolymeren (PLA) wurde von Peter Vollmann von NatureWorks beleuchtet. Durch das zunehmend größere Portfolio an passenden Additiven findet PLA einen stetig wachsenden Einsatzbereich. Die Compoundierung mit diesem Polymer ähnelt in vielen Fällen der Verarbeitung von PET. Inbesondere die Hydrolyse ist bei beiden Polymeren der prozessbestimmende Parameter.

Prof. Dr. Gerd Wehnert von der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg stellte die Fortsetzung einer Verweilzeitstudie dar, in der die Auswirkung von verschiedenen Schneckenkonfigurationen auf die Verweilzeit untersucht wurde. Insbesondere die Scale-Up-Fähigkeit des neuen ZSE 18 MAXX Doppelschneckenextruders stand im Fokus des Interesses. Das Ergebnis: Selbst der kleinste Vertreter der ZSE MAXX Serie soll durch das gleiche Durchmesserverhältnis wie die größeren Brüder eine exzellente Mischwirkung bei genau dosierbarem Energieeintrag aufweisen und eine zuverlässige Prozessentwicklung für den größeren Produktionsmaßstab ermöglichen.

Talkum ist einer der verbreitetsten Füllstoffe im Kunststoff-Compounding. Jérôme Crépin-Leblond von Imerys stellte verschiedene Talkumarten aus dem Imerys Portfolio vor. Besonders die ultrafeinen Qualitäten sowie Talk mit vergrößertem Aspektverhältnis - sogenanntes "Jetfine" und HAR Talkum - ermöglichen noch bessere Eigenschaften in Sachen Schlagzähigkeit, eine bessere Teilestabilität und sowie erhöhte Kratzfestigkeit.

Alle oben genannten Themen wurden im Anschluss an die Vorträge auch im Leistritz Technikum durch die entsprechenden Anwendungen auf den Extrudern der ZSE MAXX Serie demonstriert und damit weiter veranschaulicht. Zusätzlich wurde ein Prototyp der neuen Leistritz P.R.O.B.E. - einem Gerät zum lasergestützten Vermessen von Extruderzylindern mit 50 - 180 mm Schneckendurchmessern - vorgestellt und demonstriert.

Seminar zur Schneckenkonfiguration
Ein besonderes Highlight war das Seminar zur Schneckenkonfiguration, bei dem Augie Machado, der verfahrenstechnische Leiter der American Leistritz Extruder Corporation, seine langjährige Erfahrung eindrucksvoll unter Beweis stellte. Das gezielte Beeinflussen von Parametern wie Viskosität, Füllgrad, Energieeinleitung, Entgasung und Oberflächenerneuerung der Schmelze durch die Schnecke und deren Geometrie sind einige Punkte, die er plastisch greifbar machte.

Abendveranstaltung fokussiert "On the road to suXXess"
[6;r]Am Abend wurde das Motto der Veranstaltung "On the road to suXXess" für die Workshop-Teilnehmer bei einem Dinnerevent erlebbar gemacht. Verschiedene Fahrzeuge vom Porsche Traktor bis zum Leistritz XXtrusion Custom Bike - eine mit Extruderteilen umgebaute und fahrtüchtige Harley Davidson aus dem Jahr 1951 - veranschaulichten das große Volumen und den hohen Drehmoment der ZSE MAXX Maschinen. Während einer Stunt-Show mit dem bekannten Motorradsportler Rainer Schwarz (offizieller Stuntfahrer für Harley Davidson und Buell) erreichte der Adrenalin-Spiegel bei vielen Teilnehmern ein ohrenbetäubendes Maximum.

Am zweiten Tag des Workshops referierte Armin Kayser, Leiter Business Development beim Kemptner Hersteller von technischen Keramiken ESK Ceramics GmbH & Co. KG, über Compounds mit BorNitrid, das elektrisch isolierende Thermoplaste mit hoher Wärmeleitfähigkeit ermöglicht. Besondere Anwendungsfelder dieses neuen Materials sind LED-Technik, Lithium-Ionen-Batterien, elektrische Fahrzeugantriebe und Leistungselektronik.

Seit mehreren Jahren läuft bei der BASF in Basel bereits eine Dispergierstudie mit organischen Pigmenten im Extrusionsprozess, deren aktuellen Stand Ideengeber Dr. Christian Guckel vorstellte. Ziel ist es, die Verarbeitbarkeit von organischen Pigmenten zu klassifizieren und Empfehlungen für die Verarbeitungsparameter auf dem Doppelschneckenextruder zu geben. So wurde eine große Anzahl an Testmustern bei BASF und Leistritz erstellt und nach Farbstärkeentwicklung, Kompaktierneigung und Kalanderingeffekt analysiert. Als ein interessantes Ergebnis wird der positive Einfluss der ZSE MAXX Technologie der Leistritz Doppelschneckenextruder (optimale Kombination aus Drehmoment und Volumen) auf die Masterbatch-Herstellung beschrieben.

Innovationen aus dem Hause Leistritz waren Thema bei allen dargestellten Anwendungen des Vortags und wurden von Michael Thummert, Marketingleiter bei Leistritz, detailliert dargestellt: Vor allem die Engineering Kompetenz bei Multipurpose-Compounding-Anlagen und hochflexiblem Glasfaser-Compounding wurde erweitert. Neben dem neu entwickelten ZSE 18 MAXX Extruder sowie den Strangdüsen wurden auch neue Soft- und Hardware-Lösungen für die Fernwartung von Extruder-Steuerungen vorgestellt, die zwischenzeitlich auch über iPad und iPhone realisiert werden können.

Mit einem Marktüberblick über den Compounding Markt durch Andy Beevers von AMI Europe und einer Fragerunde schloss die Veranstaltung.

"Direct Extrusion Day" für Folienexperten - Kooperation mit Kuhne
Noch praxisnaher gestaltete sich der Direct Extrusion Day am 04.11. für die 60 teilnehmenden Folienexperten, die sich eingehend über die Folienherstellung mittels Doppelschneckenextrudern informierten. Leistritz hatte zusammen mit der Kuhne Group zu diesem Event geladen. Die Bündelung der Leistritz Kompetenz in Sachen Doppelschneckenextrusion und Compounding sowie der Kuhne Folienkompetenz soll für die Verpackungsindustrie eine interessante Anlagenkombination verfügbar machen, die bereits bei einigen Kunden in Europa und Asien erfolgreich eingesetzt werde.

Dr.-Ing. Hubertus Schulte, Geschäftsführer bei Leistritz, erläuterte die Materialaufbereitung für typische Folienanlagen im Detail. Dr.-Ing. Werner Rahm, der verfahrenstechnische Leiter der Kuhne Group, stellte den formgebenden Teil der Folienanlage und die Grundlagen zur PET-Verarbeitung vor.

Anschließend wurde das Anfahren der Leistritz/Kuhne Technikumsanlage vorgeführt und die Teilnehmer in Kleingruppen mit der Anlage und deren technischen Details wie Materialversorgung, Filtration, Flachdüse, Kalander, Wickler etc. vertraut gemacht. Den Abschluss der Veranstaltung prägte Helmuth Schaak, Eigentümer von Leistritz, der die Geschichte der Leistritz Extrusionstechnik seit 1937 lebendig machte und die Teilnehmer verabschiedete.