16.11.2012

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Leistritz: Masterbatch-Workshop mit internationalem Zuspruch

Eine gelungene Veranstaltung mit vielen Informationen und Anregungen - so positiv fiel das Resümee der über 100 internationalen Gäste beim Leistritz Masterbatch Workshop aus, der am 6.-7. November 2012 in Nürnberg stattfand. "Wir haben uns wieder sehr über die große Resonanz gefreut. Zeigt es doch, dass unser Event eine feste Größe im Branchenkalender ist", so Michael Thummert, Marketingleiter der Leistritz Extrusionstechnik GmbH. "Dieses Jahr durften wir Teilnehmer aus 15 Ländern begrüßen, darunter die Elfenbeinküste, Thailand und Brasilien."

Hochkarätige und vielseitige Vorträge
Wie immer wartete der Workshop mit vielen interessanten Themen aus dem Bereich Masterbatch auf. Den Anfang machte Kathrin Lehmann von Evonik Goldschmidt, die sich den halogenfreien Flammschutz-Compounds widmete. Anhand der Beispielrezeptur mit 65% ATH (Aluminiumtrihydrat) vs. MDH (Magnesiumhydroxid) zeigte sie auf, dass durch den Einsatz von ATH und Tegomer V-Si 4042 bessere Flammschutzeigenschaften erzielt werden können. Mit der richtigen Maschinenkonfiguration und den eingesetzten Additiven können viele Einschränkungen durchbrochen werden, die erhebliche Vorteile bieten, wie etwa einen reduzierten Energieeintrag sowie geringere Rauch- und Hitzeentwicklung.

Um das Thema "Halogenreduzierung" ging es auch im Vortrag von Stefan Wannemacher von Clariant - diesmal stand jedoch nicht Flammschutz im Mittelpunkt, sondern die halogenfreie Einfärbung von Kunststoffen. Vor dem Hintergrund neuer Gesetzgebungen geht der Trend bei der Produktion von Verbrauchsgütern immer mehr zu halogenfreien Kunststoffen. Viele Großabnehmer wie Dell, Apple, Samsung usw. fordern, dass der Anteil von Halogenen auf den Grenzwert von 900 ppm (teilweise 600 ppm) reduziert werden soll. Auf diese Entwicklung hat Clariant mit einer neuen Produktreihe reagiert und empfiehlt in diesem Rahmen bereits Formulierungen. Das Pigment Grün beispielsweise liegt halogenfrei nicht vor und muss durch die Mischung von Blau und Gelb ersetzt werden.

Dr. Volker Wilhelm von der Merck KGaA widmete sich dem Thema Effektpigmentpräparationen. Er verglich deren Einsatz mit herkömmlichen Verfahren zur Einarbeitung von Effektpigmenten und kam zum Schluss, dass der Einsatz von Effektpigmentpräparationen auch bei ungünstigen Prozessverhältnissen bestens funktioniert. Sie sind demnach überaus leicht dosierbar, erzielen sichere und qualitativ hochwertige Resultate und lassen sich in einem einstufigen Prozess sehr gut fahren.

Um Lithopone in Masterbatchen ging es bei Dr. Jörg Hocken von Sachtleben Chemie. Titandioxid hat Lithopone bei der Herstellung von Weiß-Masterbatch vor langer Zeit abgelöst. Sachtleben Chemie hat als das neue Weiß für sich wieder entdeckt und bietet dieses unter dem Namen Lithopone 30% DS an. In Kombination mit Titandioxid wurden überaus positive Resultate erzielt. Hier sei ein wesentlicher Pluspunkt die Senkung der Rezepturkosten. Außerdem wird die Abrasion von unter anderem Extruderteilen, Knetern, Rotoren wesentlich reduziert, die Wartungskosten sinken und der Extruder kann noch effizienter genutzt werden. Auch die mechanischen Eigenschaften, wie etwa die Bruchdehnung und die Schlagzähigkeit des Kunststoffes können verbessert werden.

Auch Leistritz als Gastgeber ließ es sich nicht nehmen, einige Neuerungen vorzustellen. So zeigte Michael Thummert, wie die Anlagentechnik von Leistritz optimiert werden kann, um den Extrusionsprozess im Hinblick auf Energieeffizienz, Zubehör und Scale-up auf ein weiteres Level anzuheben. Wie ein Extrusionsprozess simuliert wird, erläuterte Dr. Dieter Rath, Leiter der Verfahrensentwicklung bei Leistritz. Mit SIGMA stellte er ein Programm vor, das vom Institut für Kunststofftechnik an der Universität Paderborn entwickelt wurde und erfolgreich bei Leistritz eingesetzt wird. Anhand von Eingabewerten wie Geometriegröße, Prozessparameter und Materialgröße ermittelt das Programm Berechnungsergebnisse zur Beschreibung des Aufbereitungsextruders oder der austretenden Schmelze.

Einen Einblick in die aktuelle Marktsituation gab Dr. Reiner Hess von der Lifocolor GmbH & Co. KG. Er resümierte, dass Europa nach wie vor ein sehr großer Markt sei und mit den prognostizierten Wachstumsraten für die Zukunft, den Compoundeuren und Masterbatchern gute Entwicklungs- und Wachstumsmöglichkeiten böte.

Leopold Katzmeyer, Vorsitzender von ETHIC (Europäischer Verband der Compoundeure und Masterbatch-Hersteller) in Brüssel, blickte gemeinsam mit den Teilnehmern aufs politische Parkett und die derzeitigen Entwicklungen in der Kunststoffbranche. In diesem Rahmen gab er einen Überblick über die verschiedenen Einflussfaktoren auf dem Masterbatch-Markt, beginnend bei REACH bis hin zu (Un-) Sinn von Biopolymeren, deren "rasche Abbaubarkeit" seiner Meinung nach "eine absichtliche Ressourcenverschwendung" darstellt.

Live-Demos im Leistritz-Technikum
Schon traditionell wurden die theoretischen Ausführungen von den praktischen Vorführungen im Leistritz-Technikum umrahmt. Auf einem ZSE 18 MAXX wurde ein Premix aus LDPE, der Merck-Effektpigmentpräparation und Farb-Masterbach gefahren. Das Ergebnis: ein sehr gut dispergiertes Effektpigment, das seine Wirkung bereits im Granulat sichtbar entfaltet. Ein Polymer mit 65% ATH wurden auf einer ZSE 27 MAXX compoundiert. Zum Einsatz kamen hier zwei Seitenbeschickungen, über die das ATH zugeführt wurde. Auf dem ZSE 40 MAXX zeigten die Leistritz-Techniker die Einarbeitung von 60% Titandioxid in LDPE. In einem zweiten Schritt wurde das Verfahren "gesplittet": Ein Teil des Titandioxids wurde durch Lithopone ersetzt. In das LDPE wurden demnach 50% Titandioxid und 25% Lithopone über zwei Seitenbeschickungen zudosiert. Als Nachfolge wurde eine Unterwassergranulierung eingesetzt. Ein Füllstoff-Masterbatch wurde auf dem ZSE 50 MAXX hergestellt. Hier wurden 80% Calciumcarbonat in LDPE eingearbeitet und ein beachtlicher Durchsatz von 550 kg/h erreicht.

"Es war wieder einmal eine rundum gelungene Veranstaltung", freute sich Michael Thummert. "Unsere Gäste hatten die Gelegenheit, sich über neue Themen zu informieren, zu networken und sich auszutauschen. Genau das ist es, was wir mit unseren Workshops erreichen wollen."