09/08/2010

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Malaysia: Kunststoffexporte entwickeln sich dynamisch

Die Kunststoff verarbeitenden Betriebe in Malaysia sehen ihre Zukunft im Verkauf hochwertiger Erzeugnisse, beispielsweise moderner Verpackungsmaterialien und technischer Teile. Dazu muss in neue Anlagen investiert werden, was angesichts der angespannten Finanzierungslage schwierig ist. Zudem setzen gestiegene Preise für Vorprodukte und Strom der Branche zu. Bei Produktion und Exporten von Kunststoffen und Kunstharzen zeichnet sich 2010 eine Erholung ab. (Kontaktanschrift)

Malaysias Kunststoffindustrie umfasst über 1.450 Hersteller mit etwa 85.000 Beschäftigten. Die Mehrzahl der Unternehmen gilt als klein bis mittelständisch, und viele sind inhabergeführt. Nur etwas über die Hälfte befinden sich mehrheitlich in einheimischer Hand. Die Branche erzielte 2009 einen Umsatz von 14,6 Mrd. Ringgit (RM; etwa 3,0 Mrd. Euro; 1 Euro = 4,91 RM - Jahresdurchschnittskurs 2009) und trägt damit circa 3% zum Gesamtumsatz des verarbeitenden Gewerbes bei. Sie wird von einer hochentwickelten Petrochemieindustrie mit Ausgangsprodukten versorgt.

Während 2009 ein Umsatzrückgang von knapp 10% zu verkraften war, stehen die Zeichen für 2010 auf Wachstum. Besonders für den Export sind die Aussichten nach Einschätzung der Malaysian Plastics Manufacturers Association (MPMA) gut. Für die Entwicklung der Kunststoffnachfrage im In- und Ausland sind vor allem die stark konjunkturabhängigen Abnehmerbranchen Elektronik, Automobilindustrie und Bauwirtschaft verantwortlich. Insbesondere die ersten beiden hatte die weltweite Rezession schwer getroffen. Auch die wichtige Ausfuhr von Folien und Verpackungen in die Industrieländer war krisenbedingt zurückgegangen.

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Die Branche ist in hohem Maße exportabhängig. In den vergangenen zehn Jahren konnten jährliche Exportsteigerungen von 15 bis 20% verzeichnet werden. Der Anteil der Ausfuhren am Umsatz stieg dadurch von 40% in den späten 90er Jahren auf zuletzt fast 60%. Trotz der Nachfrageerholung vor allem im Bereich der Nahrungsmittelverpackungen im 2. Halbjahr 2009 sanken die Ausfuhren von Kunststofferzeugnissen im Gesamtjahr um 10,8% auf 8,3 Mrd. RM. Diesen standen Einfuhren im Wert von 5,0 Mrd. RM gegenüber, die damit 9,3% geringer ausfielen als im Vorjahr. Vornehmlich wurden Verpackungsmaterialien exportiert, zum Beispiel flexible Folien, Platten, Taschen, Flaschen und Container.

Die wichtigsten Abnehmer sind die Europäische Union, Japan und die VR China. Branchenkenner erwarten künftig vor allem aus dem asiatischen Raum eine dynamische Nachfrage, die Schuldenkrise in der EU könnte dagegen für Zurückhaltung sorgen. Mit der Umsetzung der Asean Free Trade Area (AFTA) eröffnen sich für Malaysias Kunststoffexporteure neue Märkte in den teilnehmenden Ländern, die ihrerseits aber auch von der Senkung der Einfuhrzölle auf null seit dem 1.1.10 profitieren wollen. Insgesamt sieht die MPMA größere Chancen als Risiken für die Hersteller, auch wenn der Importdruck speziell bei Kunstharzen zunächst hoch sein dürfte. Zu einer Herausforderung für die Produzenten könnten sich geplante Preiserhöhungen für Gas entwickeln, das sowohl als Energieträger wie auch als Rohstoff für Ausgangsprodukte zum Einsatz kommt.

Die malaysischen Fabriken produzierten 2009 rund 37% ihrer Waren mit Filmextrusion und 35% mit Spritzgusstechnik. Die Extrusion von Rohren und Profilen machte 7% und das Blasformen 6% der Fertigung aus. Die wichtigsten Abnehmer der Kunststoffindustrie sind die Hersteller von Verpackungen (40%), Komponenten für die elektrotechnische / elektronische Industrie (23%) und Haushaltsartikeln (22%) sowie die Kfz-Industrie (9%). Der Rest der Produktion entfällt auf das Bauwesen und die Landwirtschaft.

Wachstumschancen werden hauptsächlich im Bereich Verpackungen gesehen, unter anderem bei mehrschichtigen Materialien sowie bei Verpackungen für Convenience-Food und solchen, die die Haltbarkeit von Lebensmitteln erhöhen. Auch der Trend zur Gewichtseinsparung in der Kfz-Branche sorgt für zunehmende Nachfrage nach hochwertigen Kunststoffteilen. Eine wachsende Herausforderung stellen neue Standards bezüglich Umweltschutz, Sicherheit und Gesundheit dar, die die Industrie einhalten muss.

Zu gering ausgeprägt sind nach Ansicht des MPMA die F&E- und Design-Anstrengungen. Um höherwertige Waren entwickeln, produzieren und unter eigenen Markennamen verkaufen zu können, müssen die Firmen außerdem in ihre Ausrüstungen investieren. Nur so könnten die Betriebe langfristig gegen Konkurrenten aus Niedriglohnländern bestehen. Den zum Teil kleineren Familienbetrieben fehlt es jedoch oft an Kapital und Markterfahrung, um die Modernisierung umzusetzen. Kenner des Industriesektors sehen deshalb einen Konsolidierungsbedarf im lokalen Markt - zum Beispiel durch Zusammenschlüsse - sowie die Notwendigkeit, mit multinationalen Unternehmen zu kooperieren.

Das genehmigte Investitionsvolumen nahm 2009 auf 771 Mio. RM zu, allerdings registrierte die zuständige Behörde Malaysian Industrial Development Authority (MIDA) mit 42 Einzelprojekten rund ein Drittel weniger als im Vorjahr. Über 80% sollen in das Verpackungssegment fließen (Herstellung flexibler Folien, Blätter und Taschen beziehungsweise blasgeformte Flaschen und Behälter). Beim überwiegenden Teil der Investitionen handelte es sich um Neuprojekte, ausländische Engagements standen für knapp 70% des Gesamtvolumens.

Der Verbrauch an Kunstharzen sank 2009 um rund 4% auf 1,7 Mio. t, da die Abnehmerindustrien Elektronik und Automobil weniger nachfragten. Die Produktion ging auf 1,8 Mio. t zurück, während die Exporte praktisch unverändert bei 0,8 Mio. t standen. Ein großes Problem für die Branche sind die gestiegenen Preise für Kunstharz, nach Angaben des MPMA haben sich diese in den vergangenen vier Jahren mehr als verdoppelt. Auch die Energiepreise haben angezogen, und weitere Steigerungen werden erwartet. Haupttypen der in Malaysia verbrauchten Kunstharze sind Polyethylen, Polypropylen, Polyvinylchlorid und Polystyren. Technische Kunststoffe wie Polyamide und Polycarbonate müssen dagegen noch weitestgehend importiert werden.

Zu den wichtigsten Produzenten von Kunstharzen gehören BASF, Eastman Chemicals, Industrial Resins, Malayan Electro-Chemical Industry (MECI), Petlin Malaysia, Petrochemicals Malaysia, Polyethylene Malaysia, Polypropylene Malaysia, Titan PP Polymers, Toray Plastics und Vinyl Chloride Malaysia. Meist handelt es sich um Joint Venture internationaler Chemiekonzerne mit der nationalen Öl- und Gasgesellschaft Petronas.

Das nächste große Branchenevent ist die Messe "M-Plas Asia" vom 09.11. bis 12.11.11 in Kuala Lumpur, Veranstalter ist die Messe Düsseldorf. Interessenten dürften weitere Informationen zeitnah auf der Webseite www.mplas.com finden oder können Frau Schvonne Choo von der Malaysian-German Chamber of Commerce and Industry kontaktieren ( schvonne.choo@malaysia.ahk.de).

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