16/11/2011

HIS Hochschul-Informations-System GmbH

Maschinenbau beliebter als Lehramtsstudium

Schülerinnen und Schülern, die das Abitur oder die Fachhochschulreife erworben haben, bieten sich viele Möglichkeiten für den weiteren Ausbildungsweg. Sie können ein Studium aufnehmen oder eine Berufsausbildung, oder auch beides miteinander kombinieren. Was dreieinhalb Jahre nach Schulabschluss aus den Plänen und Vorhaben der Schulabgängerinnen und Schulabgänger geworden ist, wollte ein Forscherteam des HIS-Instituts für Hochschulforschung (HIS-HF) wissen.

Hierzu kontaktierten die Wissenschaftler(innen) die Studienberechtigten des Jahrgangs 2006, die sie zuvor bereits zweimal befragt hatten, Ende 2009 ein drittes Mal. Es zeigte sich: Drei Viertel von ihnen haben ein Studium aufgenommen. Am beliebtesten sind die Wirtschaftswissenschaften. Erstmals haben sich aber auch mehr Studienberechtigte für ein Maschinenbaustudium entschieden als für ein Lehramtsstudium.

Die Forscherinnen und Forscher um Projektleiterin Heike Spangenberg werteten mit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Antworten von rund 3.500 Probandinnen und Probanden aus. Zum Befragungszeitpunkt etwa dreieinhalb Jahre nach Schulabschluss hatten 74 % ein Hochschulstudium aufgenommen. Weitere drei Prozent planten diesen Schritt fest für die Folgezeit. „Damit liegt die sogenannte Brutto-Studierquote bei 77 % und erreicht den gleichen Wert wie beim Jahrgang 2002“, sagt Mit-Autorin Mareike Beuße. Spangenberg und ihr Team hatten die Studienberechtigten des Jahres 2006 bereits ein halbes Jahr vor und ein halbes Jahr nach Schulabschluss befragt. Ein Vergleich der dreieinhalb Jahre nach Schulabschluss ermittelten Studierquote von 77 % mit der Studierquote ein halbes Jahr nach Schulabschluss (70 %) zeigt, dass sich ein spürbarer Anteil erst eine gewisse Zeit nach Schulabschluss für ein Studium entscheidet. Dies gilt insbesondere für Männer und Kinder aus Akademikerhaushalten. Letztere nehmen generell deutlich häufiger ein Studium auf als Kinder aus nicht-akademischen Elternhäusern (86 % vs. 66 %). Die Differenz in der Studierquote der beiden Gruppen hat mit 20 Prozentpunkten einen neuen Höhepunkt erreicht.

Beim Jahrgang 2006 streben dreieinhalb Jahre nach Schulabschluss erstmals die meisten Studierenden einen Bachelorabschluss an. Mit einem Anteil von 39 % wurde er fast dreimal so häufig wie der Diplomabschluss gewählt. 58 % der Studienberechtigten mit dem Ziel Bachelor wollen anschließend ein Masterstudium aufnehmen. Unterschieden nach Hochschulart sind dies 47 % der Bachelorstudierenden an Fachhochschulen und 75 % der Bachelorstudierenden an Universitäten. Noch unentschlossen sind 39 % der Fachhochschul- und 20 % der Universitätsstudierenden. Diejenigen, die ein Masterstudium aufnehmen möchten, wollen damit in erster Linie ihre Berufschancen verbessern (93 %) oder sich fachlich weiterbilden (88 %). Jede/r dritte Studienberechtigte, der/die ein Masterstudium plant, tut dies in der Absicht, später eine akademische Laufbahn einzuschlagen.

Wirtschaftswissenschaften sind die am häufigsten gewählte Studienrichtung der Studienberechtigten 2006. 14 % der Befragten haben sich für ein Studium in dieser Fachrichtung entschieden. Erstmals haben daneben dreieinhalb Jahre nach Schulabschluss mehr Studienberechtigte ein Maschinenbau- als ein Lehramtsstudium aufgenommen. Einen Abschluss in einem MINT-Fach streben insgesamt 28 % der Studienberechtigten an. 17 % sind in einem ingenieurwissenschaftlichen Studiengang eingeschrieben, 11 % haben sich für ein Studium der Mathematik/Informatik entschieden oder ein naturwissenschaftliches Fach gewählt. Weiterhin sind in den MINT-Fächern insgesamt deutlich mehr Männer als Frauen vertreten (46 % vs. 13 %). Zudem zeigt sich, dass die technischen Fachrichtungen Elektrotechnik und Maschinenbau zunehmend zu einer reinen Männerdomäne werden.

Unter Berücksichtigung von eventuell schon vor oder parallel zur Hochschulreife erworbenen beruflichen Qualifikationen (z. B. Absolvent(inn)en des zweiten Bildungsweges) werden sechs bildungsbiografische Wege in den Beruf unterschieden und tiefer gehend betrachtet. Mehr als die Hälfte der Studienberechtigten, die ein Studium aufnehmen, wählen den direkten Weg von der Schule an die Hochschule, also ohne vor oder nach Erwerb der Hochschulreife absolvierte Berufsausbildung. Dies gilt insbesondere für Kinder aus Akademikerhaushalten. Sie gehen zu 66 % direkt ins Studium über. Bei den Kindern aus Nicht-Akademikerhaushalten sind es lediglich 41 %. Diese große Differenz ist einerseits auf die unterschiedlichen Bildungsbiografien bis zum Erwerb der Hochschulreife zurückzuführen. Andererseits entscheiden sich Studienberechtigte aus Elternhäusern ohne akademischen Abschluss doppelt so häufig ausschließlich für eine nachschulische Berufsausbildung. Der Anteil von Studienberechtigten aus akademischen Elternhäusern, die nach oder parallel zu einer Berufsausbildung die Hochschulreife erwerben und anschließend studieren, hat sich beim Jahrgang 2006 erstmals wieder erhöht. Die Studienberechtigten aus nicht-akademischen Elternhäusern erwerben zwar ebenfalls wieder häufiger nach oder mit einer Berufsausbildung die Hochschulreife. Sie belassen es aber zunehmend bei dieser Qualifikation.

HIS befragt seit mehr als 35 Jahren jeden zweiten Studienberechtigtenjahrgang in mehreren Wellen. Dadurch ist eine in Dauer und Umfang deutschlandweit einmalige Untersuchungsreihe entstanden, das HIS-Studienberechtigtenpanel. Die aktuelle Publikation „Nachschulische Werdegänge des Studienberechtigtenjahrgangs 2006“ ist in der Reihe HIS:Forum Hochschule erschienen (Nr. 18|2011) und steht Interessierten als PDF-Download kostenlos zur Verfügung. Eine Printversion kann gegen eine Schutzgebühr von 20 Euro direkt bei der HIS Hochschul-Informations-System GmbH bestellt werden.

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