Mit ROS industrielle Anwendungen realisieren

Die ROS-basierte Software erlaubt fahrerlosen Transportsystemen, autonom in unstrukturierten Umgebungen zu navigieren. Quelle: Bär Automation GmbH, Foto: Wolfram Scheible

Mit dem frei verfügbaren Robot Operating System ROS lassen sich Robotersysteme effizienter entwickeln und in Betrieb nehmen. Für die Verbreitung von ROS auch im industriellen Umfeld setzt sich die Initiative ROS-Industrial ein. Das Fraunhofer IPA leitet das europäische Konsortium der Initiative und agiert als Technologiepartner für die Entwicklergemeinde und Industriepartner. Neben zahlreichen neuen Partnern ebenfalls seit Kurzem dabei: die Robert Bosch GmbH.

Aktuell zählt die Initiative ROS-Industrial rund 40 Mitglieder vom Start-up bis zum Konzern und von Forschungseinrichtungen bis zum industriellen Endanwender. Dies zeigt, dass Open-Source-Software für Unternehmen immer relevanter wird. ROS-Industrial ist im Jahre 2013 mit dem nordamerikanischen Konsortium gestartet und bereits ein Jahr später wurde unter der Leitung des Fraunhofer IPA der europäische Ableger gegründet. »Ich bin beeindruckt von den vielen positiven Rückmeldungen, die wir erhalten«, sagt Dr. Mirko Bordignon, Projektleiter am Fraunhofer IPA und Manager des europäischen Konsortiums. »Viele sehen ROS als das wichtigste System, um die nächste Generation von Robotern zu entwickeln und Innovationsschübe zu ermöglichen.« Nicht zuletzt dürfte Open-Source-Software auch im Rahmen von Industrie-4.0-Lösungen eine stärkere Rolle zukommen.

Industriereife Lösungen bieten

Ziel von ROS-Industrial ist es, die Zuverlässigkeit der Software für die Robotik und Automatisierung weiter zu verbessern und sie an industrielle Standards und Regularien anzupassen. Außerdem werden Fragen der Haftung, des Supports und der Gewährleistung von Garantien behandelt. Industriepartner haben durch die Mitgliedschaft die Möglichkeit, die ROS-Entwicklung entscheidend mitzugestalten und in technischen Projekten zusammen mit der Entwicklergemeinde ihre Bedarfe realisieren zu können.

Künftig wird sich auch die Robert Bosch GmbH in der Weiterentwicklung von ROS engagieren. »Diese Partnerschaft ist für uns sehr wichtig«, erklärt Bordignon, der die Zusammenarbeit mit Hardware-Herstellern weiter intensivieren will. Für Dr. Arne Hamann, Projektleiter bei Bosch, war die Mitgliedschaft in der ROS-Industrial-Initiative ein »logischer Schritt«: »ROS ist der De-facto-Standard in der Robotik. Allerdings gibt es aus unserer Sicht noch Verbesserungsbedarf, damit der Schritt von der Prototyp- zur Produktentwicklung besser gelingt. Dafür möchten wir uns einsetzen und mit aktiven Beiträgen den ROS-Kern verbessern.«

Vorteile von ROS

ROS bietet gemeinschaftlich entstandene, herstellerneutrale und vielfach kostenlose Software für Robotersysteme, die auch kommerziell nutzbar ist. Unternehmen können neben Hardware-Treibern, Algorithmen sowie Entwicklungs- und Diagnosewerkzeugen grundlegende komplexe Funktionalitäten für Robotersysteme, bspw. für Navigation und Objekterkennung, direkt nutzen. Die Komponenten sind modular und entsprechend leicht austauschbar.

Die Vorteile von Open-Source-Software sind deshalb für Unternehmen entscheidend, weil der Bedarf an neuer Software für Automatisierungslösungen zunimmt und die Entwicklungszyklen kürzer werden. Gleichzeitig steigt der Bedarf an höherwertigen Funktionen wie Objektlokalisierung und Lösungen für die Mensch-Roboter-Kooperation. ROS-Komponenten ermöglichen Unternehmen, auch mit knappen Ressourcen mit dieser Entwicklung Schritt zu halten. Bereits in mehreren industriellen Anwendungen, die das Fraunhofer IPA oder ROS-Industrial-Mitglieder realisiert haben, hat ROS seinen Mehrwert bewiesen. Hierzu zählt bspw. eine Navigationssoftware des Fraunhofer IPA, die auch ROS Softwarekomponenten beinhaltet. Die Navigationssoftware läuft unter anderem auf fahrerlosen Transportsystemen der Firma Bär Automation GmbH.

Quelle
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA