10.02.2016

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Moretto: Italienischer Peripherie-Hersteller mit starkem Wachstum - Weitere Ausbaupläne und Investitionen in Industrie 4.0

Anlässlich der ersten Moretto ExpoTech des norditalienischen Maschinenbauers, einer Hausmesse innerhalb der Regionalmesse Samuplast (siehe auch plasticker-News vom 18.01.2016) berichtete Renato Moretto, Gründer und Seniorchef des Unternehmens, von einer überaus erfolgreichen Entwicklung der Firma im Jahre 2015. So habe man den Gesamtumsatz des Konzerns weltweit um 32 Prozent auf nunmehr rund 60 Millionen Euro steigern können. Dabei habe auch der heimische Markt in Italien, der bei Moretto einen Umsatzanteil von etwa einem Fünftel ausmacht, mit einem Plus von immerhin 26 Prozent wieder deutlich zum Wachstum beigetragen.

Italienische K-Branche im Aufwind
Generell sehe man in der italienischen Kunststoff-Industrie weiterhin eine deutliche Erholung und die Unternehmen investierten wieder, berichtete Mario Maggiani, Geschäftsführer von Assocomaplast (italienischer Verband der Kunststoff-, Gummimaschinen- und Werkzeughersteller) anlässlich der ExpoTech vor der Presse. So habe der italienische K-Maschinenbau im Jahre 2015 geschätzt einen Gesamtumsatz von rund 2,8 Mrd. Euro (Hochrechnung auf Basis der Zahlen bis Oktober) erzielt und damit erstmals das Niveau des Rekordjahres 2006 (2,75 Mrd. Euro) wieder erreicht und voraussichtlich sogar leicht überschritten. Diese positive Entwicklung verdankten die Maschinenhersteller auch wieder dem Binnenmarkt, so Maggiani, während in den schwächeren Vorjahren der Exportanteil bei 90-95 Prozent gelegen habe, schlicht weil die heimische Nachfrage fast zum Erliegen gekommen sei.

Moretto mit 80 Prozent Exportanteil, Deutschland wichtigster Exportmarkt
Moretto gibt seinen aktuellen Exportanteil am Umsatz mit "nur" rund 80 Prozent an, woraus sich im Umkehrschluss ebenfalls erkennen lässt, wie gut die Geschäfte für den Spezialisten für Peripherietechnik 2015 im Inland liefen.

Auf allen Exportmärkten, mit Ausnahme von Rußland (stagnierend) und Japan (schwach), habe man im vergangenen Jahr stark zulegen können, erläuterte Renato Moretto weiter, ganz besonders in Südamerika, wo die brasilianische Niederlassung sogar ein Wachstum von 50 Prozent habe erzielen können. Das wichtigste Absatzland sei aber weiterhin Deutschland - noch vor Frankreich - gewesen. Dem Geschäftsführer der deutschen Niederlassung in der Nähe von Nürnberg, Yves Radoux, steht dafür aktuell ein Team mit sechs Vertriebs- und Servicemitarbeitern zur Verfügung; zusätzlich ist die Anzahl der Handelsvertretungen auf bundesweit nunmehr fünf Unternehmen angewachsen.

Neben der allgemein positiven Nachfrage haben 2015 dem Vernehmen nach auch einige Großprojekte für den außerordentlichen Umsatzzuwachs gesorgt, weswegen man bei Moretto mit Prognosen für 2016 vorsichtig bleibt. Er hoffe, das erreichte Umsatzniveau von 60 Millionen Euro im laufenden Jahr zu halten und rechne nicht mit einem erneut so starken Wachstum, so Renato Moretto.

Pläne für Standortausbau und neue technische Entwicklungen
Die Investitions- und Entwicklungsvorhaben, welche Renato Moretto vorstellte, deuten aber darauf hin, dass man bei Moretto durchaus die Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen will. So soll der Stammsitz in Massanzago deutlich erweitert werden. Zusätzlich zu den bestehenden knapp 23.000qm an Produktions- und Büroflächen sollen Gebäude mit rund 10.000qm für die Herstellung von Standardprodukten und ein neues Trainings- und Kundencenter mit etwa 3.000qm entstehen. In letzterem sollen in Zukunft auch Hausmessen wie die ExpoTech stattfinden können; nach dem guten Zuspruch in diesem Jahr plant Moretto, die ExpoTech künftig jährlich durchzuführen. Baubeginn soll, wenn die behördlichen Genehmigungen alle rechtzeitig erteilt werden, noch in diesem Jahr sein.

Auch international will Moretto seine Präsenz verstärken: So habe man gerade in Indien eine neue, eigene Niederlassung gegründet und plane eine solche ebenfalls für China.


In drei Jahren zu "Moretto 4.0" im Standard
Ein neuer Schwerpunkt der Entwicklungsarbeit soll das Thema "Industrie 4.0" bei Moretto sein. Auch wenn dies zur Zeit "für viele Leute noch eine Provokation sei, müssen wir diesen Weg gehen", so Renato Moretto, "der Zeitpunkt für den Wandel, die nächste technische Revolution zu Industrie 4.0 sei jetzt."

In drei Jahren, so gab Moretto als Ziel aus, sollten alle Produkte der Firma ab Werk für den automatisierten Datenaustausch mit anderen Maschinen und die selbstregelnde Steuerung von Produktionsanlagen vorbereitet und somit rundum Industrie-4.0-fähig sein. Dafür will Moretto in den nächsten Jahren erheblich in zusätzliches IT-Fachpersonal und die Entwicklungsarbeit auf allen Ebenen investieren.

Ehrgeizige Ziele auch bei Extrusionstochter Contrex
Die neue Tochtergesellschaft Contrex S.r.l. mit Sitz in Treviso (ca. eine Autostunde von Massanzago), die Moretto im März 2015 zu 100 Prozent übernommen hatte, trug im abgelaufenen Jahr mit rund 3 Millionen Euro zum Gruppenumsatz von 60 Millionen Euro bei, erläuterte der neue Geschäftsführer, Davide Gallo, gegenüber dem plasticker. Contrex entwickelt und produziert seit 1993 mit aktuell 15 Mitarbeitern Ausrüstungen zur kompletten Prozessüberwachung und -Steuerung bei Extrusionsanlagen aller Art, sowohl für Anlagen zur Blasfolienextrusion als auch für die Extrusion von Rohren und Profilen. Diese Produkte seien komplementär zur Produktpalette von Moretto, welche sie gut ergänzten. Die hochspezialisierten technischen Lösungen von Contrex seien bewährt und stünden für hohe Qualität. Allerdings sei Contrex in Vergangenheit vertrieblich limitiert gewesen und habe sich hauptsächlich auf den italienischen und spanischen Markt beschränkt. Über das internationale Vertriebsnetz von Moretto sollen die Contrex-Produkte künftig weltweiten Absatz finden. Ziel sei, den Umsatz von Contrex auf diese Weise schon "in einigen Jahren" um das zwei- bis dreifache zu steigern, so Gallo. Als weitere Synergie erhalte Moretto einen direkteren Zugang zu Blasfolienherstellern.

Über Moretto
Die Moretto S.p.A. zählt sich zu den Marktführern im Bereich Peripherietechnik für die Kunststoff-Verarbeitung. Das italienische Familien-Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt weltweit Maschinen und Geräte zum Materialhandling, insbesondere Trocknen, Fördern, Mischen u. Dosieren, sowie zum Recyceln, Kühlen und Temperieren. 1980 wurde die Firma von Renato Moretto, bis heute CEO; gegründet, drei seiner Kinder arbeiten in verantwortlichen Positionen im Unternehmen mit. Weltweit arbeiten rund 360 Mitarbeiter für Moretto; davon sind rund 250 in Produktion und Verwaltung am Stammsitz in Massanzago (zwischen Padua und Venedig) beschäftigt, weitere 60 arbeiten am zweiten Produktionsstandort im polnischen Częstochowa (Tschenstochau). Mit acht eigenen Vertriebs-Niederlassungen ist Moretto auf allen Kontinenten präsent, ein internationales Vertriebsnetzwerk in 57 Ländern soll weltweit die Kunden bedienen.

Nach eigenen Angaben wurde im Jahre 2015 ein Gesamtumsatz von 60 Millionen Euro erzielt, zehn Jahre zuvor waren es erst knapp 21 Millionen Euro. Seit vielen Jahren investiere Moretto rund acht Prozent des Umsatzes in die Produktentwicklung, den Angaben zufolge hält Moretto dadurch über 160 Patente.

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