27/06/2011

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Multiport + MultiPet: Podiumsdiskussion zur Zunkuft des Kunststoffrecycling bei Firmenjubiläen

Bringen höhere Quoten die deutsche Kunststoffrecyclingbranche weiter nach vorn? Das war eine der zentralen Fragen, die eine Diskussionsrunde am 22. Juni 2011 in Bernburg kontrovers betrachtete. Anlass der Runde war eine Jubiläumsveranstaltung der Firmen Multiport Recycling GmbH zum 20jährigen und der MultiPet Gesellschaft für PET Recycling GmbH zum zehnjährigen Bestehen (Siehe auch plasticker-News vom 07.06.2011). Geschäftsführer Herbert Snell hatte vor der Diskussion eindrücklich dargestellt, wie sich die Firmen vor dem Hintergrund der ebenfalls 20 Jahre alten Verpackungsverordnung entwickelten. "Deutschland ist ein rohstoffarmes Land und Kunststoffabfälle sind wertvolle Rohstoffe. Für eine gesicherte Materialversorgung und als Investitionssicherheit brauchen wir Verwertungsquoten", fordert er schließlich.

Burkhard Landers, Präsident des Bundesverbands für Sekundärrohstoffe und Entsorgung, hält die in der Novelle zum Kreislaufwirtschaftgesetz vorgeschlagene Recyclingquote von 60 Prozent für zu wenig motivierend. Er wünscht sich eine Quote in Richtung 80 Prozent, doch stehe in seinem Verband eine abgestimmte poltische Strategie zur Quotenfrage noch aus. Joachim Wuttke vom Umweltbundesamt stellt die Aussagekraft von Quoten in Frage, da häufig nicht auf die jeweilige Berechnungsgrundlage geachtet werde. So berechne sich etwa die Quote der Verpackungsverordnung anders als die im Kreislaufwirtschaftsgesetz geplante. Michael Scriba gibt als Geschäftsführer der mtm Plastics, Niedergebra, aus Unternehmersicht zu bedenken, dass eine von Verbänden vorgetragene Forderung nach einer 80prozentigen Recyclingquote selbst in Deutschland zu ähnlichen Verwerfungen führen würde wie die Einführung der Verpackungsverordnung vor 20 Jahren. Auch er spricht sich für höhere Quoten aus, schlägt aber für mehr Investitionssicherheit eine stufenweise Erhöhung vor. Peter Orth, Geschäftsführer der BKV Plattform für Kunststoff und Verwertung, einem Zusammenschluss der deutschen Kunststoffindustrie, plädiert für ein Ende der Quotendiskussion, die von den eigentlichen Herausforderungen ablenke. Während in Deutschland bei der Kunststoffverwertung es lediglich noch um eine Optimierung ginge, seien in der Mehrzahl der EU-Mitglieder noch nicht einmal die Grundprobleme gelöst. Mit Blick auf globale Herausforderungen wie Marine litter (Vermüllung der Weltmeere), seien alle Beteiligten aufgerufen, an Lösungen mitzuwirken. Ein wesentlicher Schritt wäre ein europaweites Deponieverbot, waren sich die Diskutanten einig und zeigten sich vorsichtig optimistisch zur Frage der Realisierung.

Die rund 150 Gäste der Jubiläumsfeier folgten der Diskussion aufmerksam und ließen sich anschließend unter anderem von den beiden Geschäftsführern, Michael Dausel und Herbert Snell, durch beide Unternehmen führen. Bei der Multiport Recycling GmbH stellen heute 90 Mitarbeiter Recyclate aus Polypropylen und Polyethylen insbesondere für die Kunststoffrohrindustrie sowie Produkte wie Regenwasserrinnen oder Kabelschutzrohre für den Do-It-Yourself-Bereich und die Baubranche her.

Die vor 10 Jahren dazu gestoßene MultiPet Gesellschaft für PET Recycling GmbH verarbeitet mit rund 70 Mitarbeitern überwiegend Getränkeflaschen aus PET zu sogenannten Flakes, die in Textil-, Automobil- oder Verpackungsindustrie eingesetzt werden. Im laufenden Jahr sollen die Kapazitäten für Multiport auf 35.000 Jahrestonnen und für MultiPet auf 30.000 Jahrestonnen gesteigert werden. "Mehr geht nicht, dann haben wir die Grenzen des Standorts erreicht", erläutert Snell den ehrgeizigen Plan. Die in Bernburg hergestellten Recyclate sind Neugranulaten sehr ähnlich, aber deutlich preisgünstiger. MultiPet liefert genauso wie Multiport auch an zahlreiche Kunden in über 15 europäische und außereuropäische Länder.