18.11.2011

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MyPlastics: Kunststoffprofis für Morgen gesucht

Die zunehmende Schwierigkeit, Ausbildungsplätze adäquat zu besetzen, trifft die Kunststoffindustrie in besonderem Maße, kommt doch hier noch eine weitere Herausforderung hinzu: Die gewerblich‐technischen Berufe der Kunststoffindustrie sind in der Breite der Bevölkerung weitgehend unbekannt. Ein Grund hierfür liegt in der Abnehmerstruktur der heimischen Kunststoffindustrie. Nahezu alle Kunststoff‐Verarbeiter produzieren nicht für den Endabnehmermarkt, sondern sind Zulieferer für weiterführende Industrien. Dies hat zur Folge, dass teilweise sogar sehr große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern in der weiteren Region um deren Standort nahezu unbekannt sind. Die Produkte dieser Firmen sind oftmals Technologie der Spitzenklasse, werden aber von der Bevölkerung nicht wahrgenommen, da sie bspw. im Autoinnenraum verbaut unsichtbar für den Endkunden sind. Endkundenprodukte aus Kunststoff (bspw. Schreibgeräte) werden nicht mit dem Werkstoff assoziiert. Die geringe Bekanntheit dieser Berufe führt dazu, dass diese zum Zeitpunkt der Berufswahl nicht im "Evoked Set" der Jugendlichen liegen.

Qualifizierte Fachkräfte, aber auch technisch interessierte und für die entsprechenden Berufe geeignete Auszubildende zu finden erwies sich in der Kunststoffindustrie bereits im Jahr 2008 als immer schwieriger. Gemeinsam mit den betroffenen Firmen wurde im Kunststoff‐Netzwerk Franken mit dem JOBSTARTER‐Projekt "MyPlastics - Deine Zukunft mit Kunststoff" ein ganzheitliches Konzept entwickelt, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Ziel der Aktivitäten im Ausbildungsmarketing ist es die Zielgruppen Schüler aus (Vor‐)Abschlussklassen, Eltern und Lehrer bei Ihrem Wissenstand zum Thema Kunststoff abzuholen und Ihnen einen Einblick in die Branche und deren Zukunftsperspektiven zu vermitteln.

Ein gelungenes Beispiel für den Schulterschluss zwischen der regionalen Kunststoffindustrie, Schulen und der Wirtschaftsförderung wurde im Oktober 2011 auf einer Ausbildungsmesse in Kronach erstmals der Öffentlichkeit präsentiert: In Zusammenarbeit mit sieben Kunststoff‐Verarbeitern und Zulieferern (Dr. Schneider Kunststoffwerke GmbH, Kunststoff‐Technik Scherer & Trier GmbH & Co. KG, M.A.i. GmbH & Co. KG, PS GmbH, Rauschert Steinbach GmbH, Rebhan FPS Verpackungen GmbH, WOCO Kronacher Kunststoffwerk GmbH) wurde ein BERUFE‐Parcour entwickelt, auf dem Schülerinnen und Schüler ihr Wissen und ihre Fertigkeiten rund um das Thema Kunststoff erproben können. Im Vordergrund standen dabei fünf wichtige Berufe der Kunststoffindustrie, allen voran der Verfahrensmechaniker für Kunststoff‐ und Kautschuktechnik, der Werkzeugmechaniker und der Technische Produktdesigner.

An jeder der acht Parcour‐Stationen wartete eine Aufgabe aus der Praxis auf die Jugendlichen. So bestand eine Aufgabe darin, lackierte, genarbte, polierte oder verchromte Oberflächen dem richtigen Teil zuzuordnen. An zwei weiteren Stationen lernten die Parcour‐Teilnehmer, welche Materialien zur Herstellung hochmoderner Kunststoffteile verwendet werden und welche Fehler an Spritzgießteilen entstehen können. Ein Blick hinter die Kulissen eines Sondermaschinenbaus zeigte den Jugendlichen einen wichtigen Zulieferbetrieb für die Kunststoffbranche auf. Ein Gewinnspiel rundete den BERUFE‐Parcour ab.

Das Fazit der Veranstaltung: Über 100 Jugendliche nutzten das Angebot des Parcours. "Ein voller Erfolg", so Linda Müller, MyPlastics‐Projektkoordinatorin und Organisatorin des Parcours. "Die Auswertung der Laufzettel hat ergeben, dass viele Schülerinnen und Schüler alle acht Stationen besuchten, obwohl nur fünf für das Gewinnspiel gefordert waren." Auch die Rückmeldungen seitens der acht Gewinner sind durchwegs positiv. Die Aktion habe großen Spaß gemacht, denn im Gegensatz zum üblichen Schulunterricht wurden hier Informationen mit Spaß verbunden und im wahren Sinn des Wortes "begreifbar" gemacht. "Das positive Feedback von allen Seiten bestätigt uns in unserem Vorhaben, den BERUFE‐Parcour nächstes Jahr auch auf anderen Ausbildungsmessen in Franken anzubieten", resümiert die Projektkoordinatorin.

Das Kunststoff-Netzwerk Franken hat sich mit MyPlastics das Ziel gesetzt, die Attraktivität der kunststoffspezifischen Ausbildungsberufe in der Breite der Bevölkerung bekannt zu machen. Daraus sind zwischenzeitlich verschiedene Kooperationsmodelle zwischen Unternehmen entstanden. Ziel ist es auch in Zukunft mit weitergehenden Aktivitäten einen zusätzlichen Nutzen für die Branche zu schaffen und mit dem Schulterschluss der Unternehmen gemeinsame Konzepte zu entwickeln.