11.05.2010

Nanotechnologie: Französische Agentur Afsset empfiehlt Vorsichtsmaßnahmen

Die französische Agentur für die gesundheitliche Sicherheit in der Umwelt und am Arbeitsplatz (Affset) hat am 24. März 2010 die Ergebnisse einer Studie zur Bewertung der mit Nanomaterialien verbundenen Risiken für die Bevölkerung und die Umwelt veröffentlicht.

Im Rahmen dieser Studie wurden einige hundert Konsumgüter untersucht, die Nanopartikel enthalten. Darunter Produkte des täglichen Bedarfs, wie Textilien, Kosmetika, Lebensmittel, Sportartikel oder Baumaterialien. Zur Erarbeitung einer neuen Methode zur Einschätzung von Gesundheitsrisiken hat sich die Agentur dabei auf die nachfolgenden 4 Produkte konzentriert, die häufig verwendet werden und verschiedene Expositionswege bieten: über die Haut, die Atmung und die Nahrungsaufnahme.

- Antibakterielle Socken: Diese enthalten in den Textilfasern Silber-Nanopartikel, um so schlechte Gerüche zu vermeiden. Im Rahmen der Studie konnte festgestellt werden, dass diese Partikel "oxidativen Stress" verursachen können, was zu einer Schädigung der Zellen führen kann. Die Risiken für die Gesundheit sind also nicht unerheblich. Beim Waschen dieser Socken werden schätzungsweise 18 Tonnen Nano-Silber in die Gewässer gespült (vorausgesetzt jeder 10. Franzose würde 10 Paar Socken pro Jahr kaufen). Eine solche Verbreitung sollte nicht außer Acht gelassen werden, da diese Silber-Nanopartikel für bestimmte Tierarten nachgewiesenermaßen gefährlich sind, so die Wissenschaftler.

- Selbstreinigender Zement: Dieser enthält Nano-Titandioxid, wodurch der Zement selbstreinigend wird, da er organische Ablagerungen abbaut. Bei Versuchen mit Ratten führte eine hohe Konzentration dieser Verbindungen zur Bildung von Krebszellen und zu Lungenentzündungen. Die Auswirkungen auf die Umwelt (durch die Freisetzung von Titandioxid bei der Nutzung von Gebäuden) sind noch weitgehend unerkannt.

- Sonnencremes: Auch diese enthalten Titandioxid-Nanopartikel als Filtermittel für die UV-Strahlung. Die Hersteller haben immer wieder beteuert, dass Sonnencremes die Hautschicht nicht durchdringen. Afsset konnte jedoch durch jüngste Studien belegen, dass die Titandioxid-Nanopartikel auch in die tieferen Schichten der Epidermis eindringen. Die Abgabe an die Umwelt wird für Frankreich auf 230 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt. Jedoch müssen die Auswirkungen dieser in Kosmetikartikeln enthaltenen Substanzen noch untersucht werden.

- Puderzucker (Tafelsalz): dieser kann Nanosiliziumdioxid enthalten, um die Verklumpung der Kristalle zu verhindern. Eventuelle Gefahren für die Gesundheit des Menschen und für die Ökosysteme sind derzeit nicht bekannt.

Mit dieser Studie zeigt die Affset auf, dass einige Produkte möglicherweise gefährlich für die Gesundheit und die Umwelt sein können. Angesichts dieser Unsicherheiten ist das oberste Prinzip der Agentur: "Sofortiges Handeln im Namen des Vorsorge-Prinzips". Zu diesem Zweck empfiehlt sie folgende Maßnahmen:

- Die Absicherung der Rückverfolgbarkeit von Nanomaterialien. Dies wird über die Verpflichtung der Industrie zur Anzeigepflicht erreicht.

- Eine klare Etikettierung, auf der das Vorhandensein von Nanomaterialien in den Produkten und deren mögliche Freisetzung bei der Benutzung vermerkt sein müssen.

- Das Anwendungsverbot für bestimmte Nanomaterialien, bei denen die Gefährdung höher eingestuft wird als der Nutzen.

- Stärkere Harmonisierung der französischen und europäischen Rechtsgrundlagen, mit dem Ziel der Vereinheitlichung der bewährtesten Praktiken: Deklarierung, Autorisierung und gegebenenfalls Ersetzung.

Ein weiteres Ziel der Afsset ist die Erarbeitung einer neuen Methode zur Bewertung der Risiken von Nanomaterialien für die Gesundheit. Mit der Unterstützung seiner Arbeitsgruppe will sie in 2 Jahren ein vereinfachtes Bewertungssystem vorstellen. Aktuell gehen nur 2% der veröffentlichten Studien auf die Gesundheits- und Umweltsrisiken von Produkten ein.

Die Agentur empfiehlt ebenfalls eine Normung der Eigenschaften von Nanomaterialien. Der Schwerpunkt sollte dabei auf der Untersuchung der Toxikologie, der Ökotoxikologie und der Messung der Exposition liegen. Vor diesem Hintergrund koordiniert die Afsset das auf 3 Jahre angelegte europäische Programm "Nanogenotox", dessen Ziel darin besteht, die toxische Wirkung von 14 Nanomaterialien auf die Gene und die DNA zu untersuchen. 18 Einrichtungen aus 13 Ländern arbeiten bei diesem Projekt zusammen, u. a. Frankreich und Deutschland. Die französischen Akteure sind:

- Afssa - nationale Agentur für Lebensmittelsicherheit
- INRS - nationales Institut für Forschung und Sicherheit
- CEA - Zentrum für Atomenergie und alternative Energien
- Pasteur Institut in Lille
- CNRS - nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung
- Afssaps - nationale Agentur für die Sicherheit von Gesundheitsprodukten
- LNE - nationale Verpackungsprüf- und Forschungsstelle
- Ineris - nationales Institut für Industrie und Umweltrisiken

Das Gesamtbudget des Programms "Nanogenotox" beläuft sich auf 6,2 Millionen Euro und wird zu 45% von der EU-Kommission und zu 55 % von den Ländern selbst finanziert. Das französische Ministerium für Sport und Gesundheit übernimmt den Beitrag für Frankreich.

Quellen:
- "NANOGENOTOX : Lancement par l'Afsset d'une action conjointe européenne pour la caractérisation du potentiel génotoxique des nanomatériaux"

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