05.07.2010

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Neu gegründete AG Protect des VDMA bietet Hilfe vor Produktpiraterie

"Wer seine Produkte und sein Know-how ungeschützt lässt, der verschenkt bares Geld", so Rainer Glatz, Geschäftsführer der neuen Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz (AG Protect) im VDMA. "4 % Umsatzverlust durchschnittlich sind nicht als Bagatelle abzuschreiben", betont Glatz, und erinnert daran, dass der Prozentsatz zwei Jahre zuvor bei 3,7 % lag. "Der Umsatzverlust wird von manchen Firmen fälschlich als nicht zu änderndes Faktum akzeptiert, aber damit ist das Problem nicht vom Tisch", warnt Glatz.
Wer Produktpiraterie nicht bekämpft, schafft sich ein weiteres Problem. Denn aus Plagiateuren werden immer häufiger direkte Konkurrenten am Markt - und dann ergibt sich ein höherer Verlust an Aufträgen als bei den illegalen Aktivitäten.
Die AG Protect packt das Problem bei den Wurzeln: Anbieter von Technologien und Dienstleistungen zum Schutz von Produkten und Know-how schließen sich zusammen, um eine umfassende Plattform herzustellen, die es in dieser Form bisher nicht gab: "Niemand hat das Thema in der ganzen Breite der Technologie abgedeckt", sagt Glatz mit Verweis auf seine Intention, mit der er diese Arbeitsgemeinschaft gegründet hat, "das ist zum Auftrag der AG Protect geworden; immer mehr betroffene Unternehmen suchen nach praktikablen und zuverlässigen Lösungen und diesen wollen wir professionelle Hilfe anbieten." Durch den Nachbau ist zwar die Investitionsgüterindustrie von der Produktpiraterie am stärksten betroffen, aber die deutsche Branche ist gleichzeitig Weltmarktführer bei der Entwicklung von Technologien zur Abwehr von Produktpiraterie.


VDMA-Mitgliedern stehen neueste Entwicklungen zur Verfügung
Durch die Arbeitsgemeinschaft werden allen VDMA-Mitgliedern die neuesten Entwicklungen und Maßnahmen gebündelt zur Verfügung stehen. Im Umfeld der VDMA-Initiative Pro Original koordiniert die AG Protect die Maßnahmen zum Schutz des materiellen und geistigen Eigentums.
Eine geschützte Werkzeugmaschine ist im Forschungsprojekt ProOriginal entwickelt worden, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und vom Projektträger Karlsruhe betreut wird. Durch eine Verankerung von Schutzmaßnahmen auf jeder Ebene profitiert die gesamte Werkzeugmaschine. Einzelne Komponenten sind ebenso geschützt gegen Plagiate und gegen unbefugte Manipulation wie die Werkzeugmaschine insgesamt. Der Prototyp war erstmals während der Hannover-Messe zu sehen.


Neue Technologien auf der K 2010
Neue Ansätze und wegweisende Technologien werden auch während der K 2010 im Oktober in Düsseldorf gezeigt. Was können die Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen ihren Kunden anbieten, um die Fertigung zu schützen? Von der Entwicklung bis zur gesamten Maschine unter Einbeziehung der Ersatzteile sollen Schutzmechanismen gezeigt werden. Darüber hinaus wird die Arbeitsgemeinschaft informieren, welche Schutzmechanismen gegen Produktpiraterie von Ersatzteilen bis zur gesamten Maschine bereits vorhanden oder gerade in der Entwicklung sind.


Hersteller von Kunststoffmaschinen stark betroffen
"Bereits jedes elfte der von Plagiaten betroffenen Unternehmen gehört zum Fachzweig Kunststoff- und Gummimaschinen", ergänzt Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des VDMA Kunststoff- und Gummimaschinen. "Bei diesen Zahlen ist es absolut erforderlich, sich zu schützen", betont Kühmann. Bei der Umfrage 2008 war noch jedes 20. Unternehmen betroffen. Der Umfrage zufolge werde in 74 % der Fälle sogar die ganze Maschine nachgebaut.
"Diese Erfahrung hat Bekum auch gemacht", berichtete Andreas Mehnert, Vertriebsleiter bei der Bekum Maschinenfabriken GmbH, Berlin. "Unsere Maschinen wurden haargenau nachempfunden - selbst in der Farbwahl", erzählt er. Der durch illegale Kopien entstehende Schaden wird bei Bekum auf nahezu 10 % des Umsatzes geschätzt. Da man sich technisch bislang wenig schützen konnte, setze man das Augenmerk darauf, die Problematik umfassend mit den Kunden anzusprechen: "Wir machen deutlich, dass unsere Kunden mit dem Kauf von Originalprodukten eine höhere Qualität erhalten und sie sich auch selbst schützen", sagt Mehnert. Das aufklärende Gespräch mit den Kunden werde besonders intensiv während der Fachmessen gesucht und gefördert. An seinen Messeständen macht Bekum mit Hinweisen auf die Aktion Pro Original des VDMA aufmerksam. "Im Verbund können wir mehr bewegen", davon ist Mehnert überzeugt.
Den Verbund zu fördern, sieht auch Glatz als wichtige Aufgabe der AG Protect. "Originalität wird zu einem Produktmerkmal und Wettbewerbsfaktor", betont er, "der Kunde erhält dadurch einen Mehrwert." Technologien werden erforderlich, um Produkte zu kennzeichnen und sie fälschungssicher zu machen. Das wird sich auch in der Fertigung auswirken. "Maschinenhersteller werden beispielsweise Zusatzaggregate für die Sicherheitstechnologie entwickeln und anbieten müssen", ergänzt Kühmann.

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