09.09.2014

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PU im Dienst der Prothetik - Von der Fachmesse OTWorld: Orthopädie + Reha-Technik 2014 in Leipzig

Über beide Veranstaltungen haben die Messe- und die Kongressveranstalter eine bemerkenswerte Bilanz gezogen. So waren auf der Messe 548 Unternehmen und Organisationen aus 37 Ländern vertreten, auf dem Kongress 300 Vortragende aus 30 Ländern. Die Anzahl der Besucher belief sich auf 20 400 Personen aus mehr als 80 verschiedenen Ländern. Ihnen wurde ein vielfältiges Ausstellungsprogramm geboten. Dies reichte von der Orthopädietechnik, der Orthopädieschuhtechnik und der Podologie sowie der technischen Rehabilitation bis zu neuen Forschungs- und Entwicklungsergebnissen. Das Angebot an Bandagen und Orthesen und die neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der Neuro-Orthopädie wurden u. a. von der Fa. Otto Bock HealthCare GmbH aus Duderstadt, dem größten Aussteller der Messe, vorgestellt. In einer Druckschrift, die anlässlich der Messe herausgegeben wurde, wies Prof. Hans Georg Näder, der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens, auf neue Fortschritte in der Prothetik hin. Hierzu gehören das High-End-Beinprothesensystem Genium X3, das mikroprozessorgeregelte Orthesensystem C-Brace und die Initiative "Mobil nach Schlaganfall". Eine ähnliche Aufmerksamkeit wie diese Entwicklungen fand bei den Fachbesuchern ein weiterentwickeltes Exoskelett der Fa. Parker Hannifin Corporation aus Cleveland, OH, USA, mit dessen Hilfe die Mobilität gehbehinderter Personen bedeutend verbessert werden kann und das zurzeit klinisch getestet wird. Bei der Vorführung des 11 kg schweren Exoskeletts mit dem Namen Indego wurden die gute Handhabbarkeit, die leichte Montierbarkeit und die einfach Transportierbarkeit nachgewiesen. Polyurethane In welchen Umfang Polyurethane in der Orthopädietechnik genutzt werden, veranschaulichen die Kataloge der Beil GmbH aus Peine, der KauPo Plankenhorn e. K. aus Spaichingen und der W.R. Lang GmbH aus Neuwied. Ebenso verdeutlichten die Exponate in den Messehallen die Bedeutung der Polyurethane für Orthesen und Prothesen. Die Fa. Beil, die sich bereits vor mehr als fünf Jahrzehnten auf die Versorgung von Werkstätten der Orthopädietechnik spezialisiert hat, lenkte die Aufmerksamkeit der Messebesucher auf PU-Hart- und Weichschäume sowie auf PU-Gießharze und PU-Farbzusätze, außerdem auch auf thermoplastisches Plattenmaterial und PU-Polsterstoffe. Zum Angebot des Unternehmens gehören auch Materialien zum Abformen und Trennen und die Werkstattausrüstung. Von den Polyurethanschäumen war u. a. ein Flüssigschaumsystem bemerkenswert, mit dem geringste Fertigungstoleranzen erreichbar sind. Das Flüssigschaumsystem Asti-OP ermöglicht die Herstellung von Teilen mit Rohdichten zwischen 100 kg/m3 und 700 kg/m3. ASTI-OP 100 war dabei für einen besonders leichten Hartschaum mit einer Dichte von ca. 90 kg/m3 vorgesehen. Asti-OP 500 mit einer Dichte von ca. 500 kg/m3 ist die in der orthopädischen Schuhtechnik besonders oft gefragt Einstellung für Schuhleisten. Als Neuheit stellte Beil das System Asti-L vor, das aufgrund einer verzögerten Reaktion eine längere Verarbeitungszeit und damit das Schäumen mehrerer Schuhleisten in einem Vorgang ermöglicht. Diese und andere Hartschäume haben sich auf den verschiedensten Anwendungsgebieten bewährt - neben den bereits genannten Schuhleisten in Schuhformen, Spitzenzugaben, Verkürzungsausgleiche und Verkleidungen im Prothesenbau. Die Asti- und Asti-Tech-Weichschäume von Beil liefern offenzellige Produkte mit einem sehr guten Rückstellverhalten. Sie sind für Weichschaumeinlagen, Maßschuhbettungen, Vorfußersatz und unterschiedliche Polsterteile geeignet. Asti-B-Komponente A wird dabei in drei Varianten angeboten: einer Standard-Einstellung, einer weichen Einstellung und einer festen Einstellung. Die Vorteile, die die Polyurethane bieten, fallen beim Vergleich mit anderen Werkstoffen auf dem gleichen Einsatzgebiet auf. So wird der Gießmasse PUR-Quick von Beil eine geringe Schrumpfung und eine sehr gute Haftfestigkeit auf Polyurethanteilen und Holz, eine hohe Füllbarkeit und eine gute Eignung für mechanische Bearbeitungsverfahren bestätigt, dem Vollvulkollan-Plattenmaterial eine zähe Elastizität - eine Voraussetzung für den Einsatz in der Produktion orthopädischer Schuhe. Auch die Fa. KauPo, die seit 1998 Vertriebspartner des US-amerikanischen Unternehmens Smooth-On in Easton ist, wies auf die besonderen Eigenschaften der PU-Gieß- und-Streichharze sowie der Polyurethanschäume hin. Hervorgehoben wurden u. a. die hohe Reiß- und Abriebfestigkeit der Polyurethankautschuke sowie ihre geringe Schrumpfung und die besondere Eignung für die Abformtechnik und die geringe Viskosität der Gießharze - eine Voraussetzung für eine blasenfreie Produktion sowie für die Schlagzähigkeit und Bruchfestigkeit der Finalprodukte. Als nicht minder beachtlich erwies sich die PMC-Serie des von KauPo angebotenen Polyurethankautschuks. Die Produkte gelten als nahezu unzerstörbar. Der Einsatz der Produkte ist überall dort möglich, wo mit hohen mechanischen Beanspruchungen zu rechen ist. Typische Anwendungsgebiete sind daher Rollen, Getrieberäder und Dichtringe. Das KauPo-Angebot reicht bis zu den verschiedensten Hilfsstoffen und Hilfsmitteln für die Polyurethanverarbeitung wie Pulver für täuschend echte Metallfarben, Füllstoffe für Graniteffekte oder Additive für die Verzögerung von Farbveränderungen und Versprödungen. Neue und weiterentwickelte Kunststoffe für die Orthopädie Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Kunststoffhersteller spiegelten sich in den Auslagen der Anbieter von Passteilen und Finalprodukten wider. Hier fielen neue und weiterentwickelte Kunststoffe auf, beim Unternehmen North Sea Plastics Ltd. aus Glasgow, UK, der antimikrobiell ausgerüstete Kunststoff "Silver Shield antimicrobial thermoplastic" mit Silberionen als Additiv. Die Fa. W.R. Lang stellte gemeinsam mit dem Italienischen Kunststoffhersteller Vibram den Werkstoff "Vibram Diflex Ultra Comfort" vor, dessen Oberfläche an die glatte Integralhaut eines Polyurethans, die ein bequemes Einsteigen in den Schuh ermöglicht, erinnert. Der Werkstoff verfügt über eine sehr hohe Rückstellfähigkeit. Sie liegt nach 100 000 Belastungen auf der Höhe eines PU-Leichtzellmaterials. Der Werkstoff ist thermoplastisch verformbar und hat geschlossene Zellen, so dass er keine Sekrete aufnehmen kann. Dies ist bei Anwendungsgebieten wie dem Entlasten von Druckstellen, Fußbettungen und Fußeinlagen wichtig. Die nora Systems GmbH aus Weinheim stellte den neuen Werkstoff "Lunatur 18 Walnut" vor, der beim Anwendungsgebiet Kunststoffsohlen zwei wichtige Vorteile bietet: Die Einsparung von mehr als 20 % des Polymers EVA und die Verbesserung des Klimas im Schuh durch Zugabe von fein gemahlenen Schalen von Walnüssen. - GG -

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