07.10.2010

Technische Universität Dortmund

Pendelverhalten in deutschen Großstadtregionen untersucht

Arbeitsplätze verlassen die Städte – das ist in der Raumplanung seit Langem bekannt. In Großstadtregionen verlagern sich Arbeitsplätze, genauso wie Wohnstandorte, mehr und mehr aus den Zentren ins Umland – Beschäftigungssuburbanisierung nennen die Forscher diese Entwicklung – und die Pendelwege werden kürzer, so eine gängige Theorie. Vier Wissenschaftler von der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund haben nun deutsche Großstadtregionen untersucht – und kamen zu einem anderen Ergebnis: Immer mehr Menschen verlassen auf dem Weg zur Arbeit ihre Wohngemeinde und legen dabei immer weitere Strecken zurück.

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts Räumliche Erreichbarkeiten und die Dynamik der Pendlerverflechtungen in Deutschland und der Schweiz haben Dennis Guth, Prof. Christian Holz-Rau, Markus Maciolek und PD Joachim Scheiner den Einfluss der Beschäftigungssuburbanisierung auf Berufswege in deutschen Agglomerationsräume untersucht. Anhand von gemeindegenauen Daten aus den Volkszählungen 1970 und 1987 sowie den Beschäftigtenstatistiken 1999 und 2007 soll eine Zeitkette über 37 Jahre geknüpft werden. Das Team von der TU Dortmund liefert nun die Ergebnisse für den Zeitraum von 1999 bis 2007.

Und in diesen Jahren hat sich die Raumstruktur anders entwickelt als erwartet: Klassische Beschäftigungssuburbanisierung, also die Abnahme von Arbeitsplätzen in Zentren und die Zunahme in der Peripherie, findet anders als in den 1990er Jahren zumindest in den untersuchten deutschen Regionen gar nicht mehr statt. Stattdessen haben sich weiche Formen entwickelt: „In manchen Regionen wächst zum Beispiel die Zahl der Arbeitsplätze im Umland schneller als im Kern, in anderen schrumpft sie langsamer“, erklärt Dennis Guth. In einigen Agglomerationsräumen waren sogar Reurbanisierungstendenzen zu verzeichnen: Statt auf der „grünen Wiese“ entstehen Arbeitsplätze wieder verstärkt in der Stadt.
Auch die Wege verkürzen sich nicht – im Gegenteil: Sowohl die Zahl der Pendler als auch die Distanzen werden größer. „Immer mehr Menschen verlassen auf dem Weg zur Arbeit die eigene Gemeinde, selbst dann, wenn am Wohnort die Zahl der Arbeitsplätze steigt“, weiß Dennis Guth. „Es gibt weniger Binnenpendler und mehr Ein- und Auspendler.“ Dazu tragen zum Beispiel die Spezialisierung auf dem Arbeitsmarkt, Zweiverdienerhaushalte und die Selbstverständlichkeit bei, zur Arbeit weit zu fahren. Außerdem setzen gerade im Umland einige Gemeinden auf die Schwerpunkte Wohnen oder Arbeiten, wodurch zunehmendes Pendeln ausgelöst wird.

Bis jetzt sprechen diese Ergebnisse nur für die Entwicklung in einzelnen Großstadtregionen in Deutschland. Bis das DFG-Projekt im März 2011 endet, sollen gesamtdeutsche Daten ausgewertet werden, und zwar gemeindegenau. Im Anschluss sollen die Ergebnisse mit Befunden aus der Schweiz abgeglichen werden.

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