Plastikgeld ist im Kommen

Quelle: Bank of Canada


Aus dem Wasser steigt eine gutaussehende Frau, bekleidet nur mit einem Badeanzug, der sich wie eine zweite Haut an ihren makellosen Körper schmiegt. Sie schreitet, noch nass an Leib und Haar, in einen Laden in Standnähe und kauft ein. Die offenkundig fehlende Geldbörse macht den Verkäufer stutzig. Auf seine Frage, wie sie denn bezahlen wolle, blickt ihn die Nixe lasziv an und zückt mit flinken Fingern ein zwischen Badeanzug und rechter Pobacke verstecktes flaches, rechteckiges Stück Kunststoff hervor – eine Kreditkarte. Der Verkäufer lächelt zufrieden.

Die Aussage dieses in Worte gefassten, zugegebenermaßen etwas älteren TV-Werbespots, hat an ihrer Aktualität nichts verloren. Die Kreditkarte ist in der industrialisierten Welt weit verbreitet und dient bekanntermaßen dem bargeldlosen Zahlungsverkehr. Ihrer polymeren Natur (PVC) wegen wird die Kreditkarte despektierlich auch Plastikgeld genannt. Ungeachtet dessen birgt sie für den Nutzer eine Vielzahl von Vorteilen; dass Wasser ihr nichts anhaben kann, ist nur einer davon: Die Kreditkarte verliert unter dem Einfluss von Feuchtigkeit weder an Struktur noch an Wertigkeit. Vor allem aber lässt sich selbst ihr vollständiger Verlust vergleichsweise gelassen verkraften, sofern er vom Inhaber frühzeitig bemerkt wurde und er die Karte telefonisch sperren ließ, etwa unter der zentralen Rufnummer: Länderkennung und dann 116 116. Ein Missbrauch der Karte durch fremde Hand kann so wirksam vorgebeugt werden. Der Verlust von Bargeld indes besitzt eine erschreckend endgültige Dimension; dem Pechvogel bleibt in der Regel einzig die Hoffnung auf einen ehrlichen Finder.

Die Kreditkarte – wertvolle Innovation aus Kunststoff
Kreditkarten sind seit 1950 auf dem Markt. Die Idee stammt aus den USA und wurde bereits in dem 1887 veröffentlichen Buch „Looking Backward or Life in the Year 2000“ vom Autor Edward Bellamy thematisiert. Herausgegeben wurde die erste Karte von der Kreditkartengesellschaft Diners Club Inc. an ihre besonders kreditwürdigen Kunden. Die Kreditkarte galt somit auch als Statussymbol. Inhaber einer Diners Club Kreditkarte konnten zunächst in den Vereinigten Staaten von Amerika, später dann auch weltweit mittels ihrer Unterschrift auf der Rechnung bei Vertragspartnern der Gesellschaft Waren und Dienstleistungen einkaufen.

Die Zahl der verschiedenen Plastikgeldkarten hat sich inzwischen vervielfacht: Es gibt Master- und Visa-Karten, die American Express und unterschiedliche Bankkarten. Das bestechende Eigenschaftsprofil der Geldkarte: Schlichtheit, Funktionalität und Praktikabilität, der könnte den Eindruck vermitteln, Plastikkarten besäßen die Kraft, das klassische Zahlungsmittel, sprich: Bargeld, aus dem Verkehr zu drängen. Dem ist aber bekanntermaßen nicht so. Früher wie heute gilt der Slogan: „Nur Bares ist Wahres!“

Hoch im Kurs stehen vor allem - nicht nur bei Ganoven - große Beträge in kleinen Scheinen. Um sich auf illegale Weise zu bereichern, übt sich daher mancher Kriminelle in der hohen Kunst des Gelddruckens – mit mehr oder weniger großem Erfolg. Oberflächlich betrachtet bedarf es für dieses Vorhaben nicht mehr als eines geeigneten Papieres, der passenden Farben, eines Farbkopierers sowie ein wenig Geschick und Talent.

Ganz so einfach, wie es klingt, ist es natürlich nicht. Dennoch
gelingt es manchem Pfiffikus mit hoher krimineller Energie und handwerklichem Geschickt, überaus erfolgreich Falschgeld, sogenannte Blüten, herzustellen und unters Volk zu bringen.

 
 

Mehr Sicherheit im Geldverkehr durch polymere Werkstoffe
Wie aber lassen sich Banknoten nun fälschungssicher machen? Dieser Frage stellten sich kanadische Finanzexperten gemeinsam mit Chemikern, Physikern und Ingenieuren, nachdem die Quote des im Land kursierenden Falschgeldes ein historisches Hoch erreicht hatte: Im Jahr 2004 kamen auf eine Million echter Banknoten 470 Blüten.

Die Bank of Canada reagierte. Zum einen ging sie dazu über, Einzelhändler darin zu schulen, "falsche Fünfziger" zu erkennen. Zum anderen hatte man sich zum Ziel gesetzt, Geldfälschern das Handwerk zu erschweren und zwar durch Einführung von Geldnoten aus polymeren Werkstoffen, die werkstoffbedingt einen größeren Plagiatschutz besitzen.

Die Idee des Kunststoffgeldscheins ist nicht neu; in Neuseeland, Rumänien, Taiwan, China, Irland, Israel, Paraguay und anderen Ländern zückt man heute bereits synthetische Banknoten aus der Geldbörse. Beispielgebend war im Übrigen Australien: Als das Land 1966 seine Währung vom australischen Pfund auf den australischen Dollar umstellte, wollte es ein Zeichen setzen - durch Präsentation der fälschungssichersten Scheine der Welt. Offenkundig fassten man diese Ankündigung in Fälscherkreisen allerdings als Herausforderung auf, das Gegenteil zu beweisen. Nach kurzer Zeit schon kursierten im Land die ersten Blüten. Deren Ende aber nahte, als die australische Nationalbank, einem zweiten Versuch gleich, Fehler im System zu beheben, im Jahr 1988 Plastikgeldscheine einführte, die allein schon werkstoffbedingt über mehr Sicherheitsmerkmale, etwa Hologramme, Fenster und Stanzeffekte, verfügen als herkömmliches Papiergeld: „Darüber hinaus ist die Umweltbelastung von Polymer-Banknoten deutlich geringer als die von Papiergeld“, gibt nun die Bank of Canada anlässlich der Einführung polymerer kanadischer Banknoten bekannt. Die neuen Kunststoffgeldscheine würde wenigsten 2,5 Mal länger im Gebrauch sein als Papiergeld, prognostiziert das Unternehmen. Darüber hinaus besäßen Geldnoten aus Kunststoff nicht nur ihre Wertigkeit, so lange sie im Verkehr sind. Schließlich lassen sich Plastikbanknoten am Ende ihrer Tage einschmelzen oder zermahlen und als Recyclat wieder nutzen.

Der Polymergeldschein - eben ein ganz besonderer Wertstoff.