25.11.2010

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Polen: Kunststoff verarbeitende Industrie investiert wieder

Beobachter gehen davon aus, dass sich Polens Kunststoffmarkt 2010 nach den Einbrüchen im vergangenen Krisenjahr (-5 bis -7%) zumindest behaupten wird. Doch obwohl Verarbeitungsbetriebe wieder stärker in Kapazitätserweiterungen investieren, verharren die Nachfrage in den Hauptabnehmerbranchen weiter auf relativ niedrigem und die Rohstoffpreise auf hohem Niveau. PET-Granulat war im 1. Halbjahr 2010 etwa 30% teurer als im selben Vorjahreszeitraum. Zuwächse zeichnen sich bei einigen polymeren Werkstoffen ab.

Die gestiegenen Produktionskosten lassen sich angesichts der flauen Gesamtnachfrage nach Kunststoffen nicht eins zu eins auf die Kunden abwälzen. Hauptgrund sind stagnierende Bestellungen seitens wichtiger Abnehmer aus der Kfz-, Elektronik- und Bauindustrie, deren Absatzaussichten nach wie vor durchwachsen sind.

Einige Kunststoffe in Primärformen aber weisen hohe Wachstumsraten auf - etwa solche auf Basis von Polyethylen (PE). Dieser Teilmarkt soll 2010 um etwa 15% zulegen. Hohe Infrastruktur-Investitionen im Zuge der Vorbereitungen auf die Fußball-EM 2012 sorgen für einen entsprechend hohen Bedarf an Rohrsystemen, Energie- und Kommunikationskabeln. Einst aus Metall geformte Rohre, Verbindungsteile und Formstücke werden zunehmend durch solche aus PE ersetzt. Wegen etwas besserer Umwelteigenschaften treten auch immer mehr Erzeugnisse aus PE an die Stelle von Waren aus Polyvinylchlorid (PVC).

Die KAN Gruppe (vor allem Bau von Heizungsanlagen) hat gegen Ende des letzten Jahres eine neue Fertigungslinie für PE-Rohre in Betrieb genommen. Die Investition verschlang rund 2 Mio. Zl (umgerechnet etwa 0,5 Mio. Euro; 1 Euro = 3,9496 Zl im Oktober-Mittel).

Angesichts des im Vergleich zu Westeuropa immer noch niedrigen Pro-Kopf-Verbrauchs von Verpackungen rechnen Fachleute außerdem mit einer steigenden Nachfrage nach Kunststoffen vor allem seitens der Nahrungsmittel-, Pharma-, und Kosmetikindustrie. Auch die Innenausstattungsbranche benötigt in verstärktem Maße Kunststoffe.

So investieren gleich mehrere Verpackungshersteller in den Ausbau ihrer Kapazitäten. Die US-amerikanische Printpack hat im zentralpolnischen Kutno für umgerechnet gut 32 Mio. Euro ein Werk zur Produktion flexibler Kunststoff-Verpackungen für die Lebensmittelindustrie errichtet. Das Unternehmen hat im Spätsommer seinen Betrieb aufgenommen und zählt bereits etwa 100 Beschäftigte. Als Kunden will Printpack künftig auch Hersteller von Tiernahrung, Gewürzen und Soßen gewinnen.

Durch die Übernahme von 80% der Anteile am Verpackungshersteller Kartpol sowie sämtlicher Maschinen für die Produktion von PET-Flaschen und Verpackungen von Unipet hat auch der einheimische Kunststoff-Folien-Hersteller Suwary expandiert. Durch diese Zukäufe will sich Suwary stärker auf Spezialverpackungen für Milch, Säfte und andere Getränke konzentrieren. Darüber hinaus will das Unternehmen bis August 2011 in der SWZ Lodz für umgerechnet 7,5 Mio. Euro ein Werk zur abfallfreien Produktion von Kunststoffverpackungen errichten.

Rigidis, ein Tochterunternehmen des größten polnischen Kunststoffverarbeiters, Ergis-Eurofilms, erwägt den Bau eines Verpackungsfolien-Werks in Wabrzezno (bei Grudziadz, Woiwodschaft Kujawien-Pommern). Beobachter erwarten, dass Ergis daher zumindest einen Teil seiner Folienproduktion in Deutschland, wo die polnische Gruppe vor einigen Jahren die Schimanski GmbH (Verbundfolien) sowie die MKF-Folien GmbH Minderjahn + Kiefer, einen der führenden deutschen PET- und PVC-Hartfolien-Produzenten, jeweils zu 100% übernommen hat, einstellen wird. Die neuen Werkshallen in Wabrzezno würden Bauausgaben von 5,5 Mio. bis 6 Mio. Euro nach sich ziehen. Produktionsstart könnte bereits im Mai 2011 sein.

Rund 23% der über 2 Mio. t pro Jahr in Polen hergestellten Polymere gehen in die Folienproduktion ein. Neben Ergis-Eurofilms halten Marma aus Rzeszow und die zur griechischen Kapitalgruppe M.J. Maillis gehörende Marflex-Maillis in diesem Segment die größten Marktanteile. Obwohl es darüber hinaus noch viele weitere, kleinere Hersteller im Land gibt, müssen große Mengen an Folien eingeführt werden. Allein der Hersteller von und Großhändler mit Kunststoffprodukten Krakchemia importierte 2009 aus Russland 2.000 t Folien, doppelt so viel wie im Vorjahr.

Das portugiesische Spritzgießunternehmen Cárfi Fabrica de Plásticos e Moldes SA baut für umgerechnet rund 1 Mio. Euro in der Sonderwirtschaftszone (SWZ) Tarnobrzeg bei Siedlce ein Werk zur Produktion von Kunststoff-Komponenten für Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik, das bis Ende des Jahres fertiggestellt sein soll. Die vor fünf Jahren gegründete polnische Tochtergesellschaft betreibt bereits ein Gießwerk in Losice (etwa 130 km östlich von Warschau). Die rund 22 Mio. Euro teure Investition soll bis Ende 2012 abgeschlossen sein.

Auch in die Forschung und Entwicklung investieren Kunststoffverarbeiter wieder mehr Geld. Der in der SWZ Kamienna Góra ansässige Hersteller von Haushalts- und Gartenartikeln im Spritzguss-Verfahren Jelenia Plast stellte knapp 20 Mio. Euro für die Entwicklung von Gebrauchs- und Industriemustern für Kunststoffprodukte bereit. Die polnische Dépendance des Fensterprofil-Herstellers Brügmann investiert knapp 4 Mio. Euro in eine innovative PVC-Mischanlage, das Unternehmen Zaklad Tworzyw Sztucznych Antares gut 3 Mio. Euro in die Entwicklung einer neuartigen Technologie zur Produktion dünnwandiger Kunststoffrohre und Greiner Packaging ebenfalls knapp 3 Mio. Euro in eine neue Technologie zur Herstellung von Kunststoff-Bechern; alle drei Projekte werden mit EU-Fördergeldern unterstützt.

Der auf bi-orientiertes Polypropylen (BOPP) spezialisierte Hersteller Flexpol sieht für den Ausbau seines bestehenden Werks in Plock zur Produktion neuartiger Polyolefin-Folien (BOPE-Folien) Investitionen in Höhe von fast 13 Mio. Euro vor. Durch die geplante Verwendung von Technologien, die in Polen noch nicht länger als 12 Monate im Einsatz sind, würde sich das Projekt, das bis Ende 2011 abgeschlossen sein soll, für EU-Fördergelder qualifizieren.

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