29.01.2010

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Polen: Kunststoffbranche plant Kapazitätserweiterungen

Große Unsicherheiten erschweren Wachstumsprognose / Hoffnungsträger Infrastrukturbau

Das Jahr 2009 war für Polens Kunststoffbranche schwierig. Ob 2010 eine Trendumkehr folgt, wird entscheidend von der wirtschaftlichen Erholung in wichtigen Abnehmerbranchen und von der Entwicklung der Rohstoffmärkte und des Außenwerts der Währung abhängen. Durchaus guter Hoffnung sind Produzenten von PVC-Fenstern und -Türen, Einspritzkunststoffen und Verpackungsfolien. Im Exportgeschäft sorgen vor allem Firmen aus Nahost für starke Konkurrenz.

Trotz der weiterhin unsicheren Absatzentwicklung wollen einige Unternehmen ihre Kapazitäten erweitern. So beabsichtigt der Hersteller von PVC-Produkten und Verarbeiter von Kunststoffen Ergis-Eurofilms, zum Jahreswechsel 2010/11 rund 24 Mio. Zl in den Ausbau seiner Stretchfolien-Fabrik in Olawa zu investieren. Das Produktionspotenzial der Firmengruppe soll sich dadurch um mehr als 60% auf 44.000 t pro Jahr erhöhen.

Der seit September 2009 vom kanadischen Wentworth-Technologies-Konzern kontrollierte Hersteller von Warndreiecken und Kunststoffverpackungen (vor allem für die Kfz-Industrie) Suwary will seinen Maschinenpark erneuern und in die Entwicklung neuer Produkte investieren. Der Produzent von Kunststoffverpackungen Plast-Boks plant Kapazitätserweiterungen im Nachbarland Ukraine. Erg konzentriert sich auf neue Produktentwicklungen und mögliche Akquisitionen; im Wege einer Kapitalerhöhung will der Hersteller von Kunststoffen und Verpackungsfolien unter anderem 85% der staatlichen Anteile am Forschungs- und Entwicklungszentrum der Raffinerie Plock erwerben. Radpol (wärmeschrumpfende Kunststoffe) hat zu Jahresbeginn den Hersteller von Rohrleitungen aus Polyethylen und Polypropylen Rurgaz erworben; noch im Jahr 2010 sollen weitere Firmenübernahmen folgen.

Doch herrscht in der Branche weiterhin große Unsicherheit. Anfang 2010 für das Gesamtjahr abgegebene Prognosen halten die meisten Beobachter daher für wenig glaubwürdig. Das gilt insbesondere für Hersteller von Halbprodukten, deren Absatzerfolg nicht nur vom gesamtwirtschaftlichen Konsumniveau, sondern vor allem von der Konjunktur in krisengebeutelten Abnehmerbranchen wie der Kfz- und Elektronik-Industrie abhängt.

Die größten Unwägbarkeiten bilden volatile Rohstoffpreise, die weitere Wechselkursentwicklung, insbesondere zum Euro und der infolge der Finanzkrise erschwerte Kreditzugang. Bereits 2009 lieferten sich die Unternehmen heftige Preiskämpfe, was sich negativ auf die Gewinnmargen in der ganzen Branche auswirkte. Sinkende Rohstoffpreise (Kunststoffgranulat) haben die Hersteller angesichts der rückläufigen Nachfrage sofort über die Endproduktpreise an die Kunden weitergegeben. Erst in den letzten Monaten hat sich das Preisniveau sowohl bei Granulat als auch Endprodukten leicht stabilisiert.

Plast-Boks sagt Polens Kunststoffsektor für das Gesamtjahr 2010 eine Stagnation voraus. Im Falle nur geringer Kursschwankungen hält Radpol ein minimales Wachstum für möglich. In einigen Marktsegmenten herrscht durchaus Optimismus: So rechnet der PVC-Fenster- und Türenbauer Drutex angesichts des sich leicht erholenden Wohnungs- und Wirtschaftsbaus 2010 mit einem Wachstum dieses Teilmarkts um 5%. Hoffnungen liegen ferner auf Infrastrukturmaßnahmen des öffentlichen Sektors, denn der Ausbau der Transportnetze des Landes verschlingt enorme Mengen an Kunststoffen. Manche Beobachter wollen erkannt haben, dass westeuropäische Länder in den letzten Monaten unter anderem verstärkt Kunststofflaminat aus Polen nachfragen.

Auch China könnte dazu beitragen, das Überangebot an Kunststoffen in Europa abzubauen. Doch stehen europäische Kunststoff-Exporteure unter starkem Konkurrenzdruck seitens anderer Wettbewerber, insbesondere aus Nahost. Ohne Einzelheiten zu benennen, will die erfolgreiche polnische Tochter des saudi-arabischen Chemie- und Metallkonzerns SABIC (Saudi Basic Industries Corporation) in eine neue Produktionslinie für Industriefolien investieren.

Erg erwartet im 1. Quartal eine Belebung bei Einspritzkunststoffen, klassischen Verpackungsfolien sowie einigen Produktneuheiten, die erst 2009 auf den Markt gekommen sind. Hoffnungen verbinden viele Unternehmen außerdem mit einigen modernen Kunststoffen, die in zunehmendem Maße Werkstoffe aus konventionellen Materialien ersetzen, zum Beispiel in den Bereichen Gebäude- und Verkehrstechnik. Innovative Polymere sind zwecks Gewichtsreduzierung der hergestellten Modelle beziehungsweise Umstieg auf Elektroantrieb auch in der krisengebeutelten Kfz-Branche gefragt. Noch hat diese - neben der Elektroindustrie, der Energie- und Bauwirtschaft - aber mit starken Nachfragerückgängen zu kämpfen.

Kunststoff-Verpackungen sind von der Krise am geringsten betroffen. Insbesondere die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie fragen weiterhin relativ große Mengen davon nach. Auch im Bereich Innenausstattung werden große Mengen an Kunststoffen benötigt. Als Hauptgrund führen Fachleute den in Mittel- und Osteuropa in Vergleich zu westlichen Ländern immer noch niedrigen Pro-Kopf-Verbrauch an Kunststoffen an. Der Bedarf an Folien und Behältnissen aus Polyolefinen soll 2010 sogar um einige Prozent zulegen. Allerdings könne dadurch angesichts der starken Nachfrageeinbrüche in den letzten beiden Jahren noch nicht wieder das Vorkrisen-Marktvolumen von 2007 erreicht werden.

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