Polymere im Sport: Von WM-Kickern und Plastikflaschen

Nicht jeder macht sich etwas aus Fußball, obgleich diesem Ballsport grundsätzlich und weltweit viel Beachtung geschenkt wird, vor allem derzeit angesichts der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Wie dem auch sei, am 26. Juni 2014 lohnt es sich – auch für Nicht-Fußball-Fans –, den Fernseher anzuschalten und einen Blick auf die Auseinandersetzung zwischen Deutschland und den USA zu werfen. Das Augenmerk ist vor allem auf das US-amerikanische Team zu lenken, das mit zahlreichen "Flaschen" antritt. Nicht falsch verstehen: Diese despektierliche Formulierung gilt nicht den Spielern von Trainer Jürgen Klinsmann, sondern deren Garderobe: Das Trikot der US-Elf besteht aus recycelten Plastikflaschen.

Das neue Auswärtstrikot der US-Kicker ist bemerkenswert, obgleich man es ihm nicht ansieht. Hemd, Hose und auch die Socken wurden aus einem Gewebe herstellte, das aus recycelten Plastikflaschen gesponnen wurde: Die Shorts bestehen zu 100 Prozent, die T-Shirt zu 96 Prozent und die Socken zu 78 Prozent aus recyceltem Polyester. Umgerechnet läuft jeder Spieler mit rund 18 recycelten Plastikflaschen am Körper über den Platz. Trikot-Hersteller Nike hat nach eigenen Angaben seit dem Jahr 2010 fast zwei Milliarden Flaschen aus Deponien gesammelt, genug, um damit mehr als 2.800 „Full-Size“-Fußballfelder zu bedecken.

"Die Integration der ökologischen Nachhaltigkeit ist für uns ein wichtiger Teil des Design-und Entwicklungsprozess", sagte Martin Lotti. Ziel sei es, meint der Nike Football Global Creative Director, Kleidung zu schaffen, die den Spielern gut tun und wertvoll ist für den Planeten. Gemeint ist die Wirkung des verwendeten Materials auf die Umwelt – am Körper des Spielers im Sinne eines optimalen Schweißtransfers durch das Material ohne den Organismus zu Stark auszukühlen und gleichfalls für das gesunde Gleichgewicht der Erde.

Das WM-Spiel Deutschland-USA mag folglich eine besondere Beachtung finden, wenn konventionelle deutsch Trikots gegen innovative, ökologisch wertvolle antreten. Ob davon letztlich der Sieg der einen über die andere Mannschaft abhängt, ist eher unwahrscheinlich. Gleichgütig, wer gewinnt, die USA oder Deutschland, oder ob beide von einem Deutschen trainierte Mannschaft nur ein Unentschieden herausholen: Die Erde und jeder einzelne von uns profitiert, wenn Deponien kleiner werden und aus vermeidlichem Abfall mit attraktive und funktionale und sichere Werkstoffe und Textilien werden.

Apropos: England, Portugal, Korea mögen zwar die Fußball-WM für sich als verloren verbuchen, allerdings in Trikots, die ihrem Ansehen als ökologisch wertvolle Fußballer Ehre machen: Wie die der US-Mannschaft wurden ihre Trikots aus recyceltem Plastik hergestellt.

Bei dieser Gelegenheit: Für den Fall, dass Brasilien die WM gewinnt, was dem Gastgeberland zu gönnen wäre, würde eine Mannschaft den Fußballthron besteigen, die nicht nur spielerisches Können beweist, sondern auch ökologisches Bewusstsein im Umgang mit polymeren Materialien, denn auch die Brasilianer tragen Trikots aus recycelten Plastikflaschen. Das gute Beispiel gewinnt!GDeußing (Quelle Text und Foto: Nike)





Autor
Guido Deußing