01.06.2011

Recycling + Runderneuerung - Das Leben eines Reifen

,,Wehe wehe, wenn ich auf das Ende sehe.,, Dieser Spruch aus Wilhelm Buschs ,,Max und Moritz, passte auch gut auf das Leben eines Reifens. Sein Ende war nämlich noch bis vor kurzem eine Art ,,haldenhaftes" Verharren, denn viele Jahre lang wurden die meisten Altreifen einfach auf Deponien gelagert oder illegal abgeladen, nachdem Sammelgebühren fällig wurden.

Der Berg abgefahrener, ausrangierter Reifen hatte mittlerweile eine Höhe erreicht, die in Summe genommen für einige Hochalpinisten sicherlich eine Herausforderung darstellt hätten. Doch mit der einfachen Entsorgung ohne Weiterverwertung ist seit dem Jahre 2006 Schluss: Die Lagerung und Entsorgung von Altreifen, geschredderten Reifen und Reifenrückständen in Müllhalden ist laut den europäischen Richtlinien verboten.

Und wenn man sich einmal die heutigen Zahlen vor Augen führt, hätten aus den Altreifen Pisten für etliche Winterspiele und Olympiaden werden können: Auf der Konferenz der European Tyre Recycling Association (ETRA) im Jahre 2007 in Brüssel wurde geschätzt, dass in den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union jährlich die Summe von etwa 300.000.000 Altreifen oder sogar mehr das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Weiteren Schätzungen zufolge fallen ähnliche Mengen in Nordamerika, Lateinamerika, Asien und dem Nahen Osten an, und die globale Kontamination insgesamt übersteigt vermutlich das Äquivalent von 1.000.000.000 Pkw-Reifen pro Jahr. Eine unvorstellbare Menge!
Für die Altreifen heißt dies, dass sie, falls die Runderneuerung nicht in Frage kommt, in unterschiedlicher Form der Wiederverwertung zurückgeführt werden müssen, sprich für die Herstellung neuer Rohstoffe oder als Brennmaterial.

Durch Pyrolyse können sie wieder in brauchbare Rohstoffe umgewandelt werden und in der Tat hat die Forschung hier einiges erreicht, um aus den alten Reifen einiges herausholen zu können. Bestand bei Rohstoffgewinnung aus Altreifen zu Beginn noch das Problem von unerwünschten Nebenprodukten, zeigen neueste Forschungsergebnisse eine brauchbare Qualität, die beispielsweise in der Rußproduktion erhebliche Erfolge zeigt.

Eine weitere praktizierte Verwertungsmethode ist die Verbrennung in Zementanlagen. Die kleingeschnitzelten Reifen werden von den Herstellern gerne als Zuschlagstoff und Brennmaterial eingesetzt, da sie bei bestimmten Zementsorten die Qualität verbessern.
Wieder ein anderer Anteil an Altreifen wird zerkleinert im Straßenbau für den Unterbau der Straßen verwendet oder endet als Kunstrasen. Und so mancher Altreifen betritt dann auch wieder den Asphalt, allerdings nicht rollend, sondern als Sohle für Wanderschuhe. Und schließlich findet ein, wenn auch geringer Teil Altreifen, in der Landwirtschaft eine dauerhafte Verwendung: Jeder hat schon einen mit Folien abgedeckten Hügel mit nach ,,Landluft" riechendem Naturdünger gesehen. Damit die Folien nicht durch den Wind verwehen, werden sie mit Altreifen gesichert.

Die geschickteste Art Reifen umweltfreundlich zu entsorgen wäre die, wenn der Reifen aus einem Material bestünde, das sich bei Zeiten durch Mikroorganismen rückstandsfrei zersetzen ließe. Das Problem ist nur, dass sich der Reifen erst als Altreifen und nicht bereits am Auto in Wohlgefallen auflöst. Hier haben die Chemiker und Ingenieure noch einiges an Entwicklungsarbeit zu leisten.
Bevor Reifen aber nun wahrlich zum alten Gummi gehören, erhalten sie - sagen wir mal- die Chance auf ein zweites Leben nach einer Runderneuerung. Man holt wirklich das letzte aus ihnen heraus.

Apropos...