14.11.2014

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Rehau: Neues Leichtbautechnikum in Viechtach eingeweiht - Forschung zur Entwicklung von Wasserstoffdrucktanks im Fokus

Ein Schwerpunkt, mit dem sich Polymerspezialist Rehau ab sofort im firmeneigenen Leichtbautechnikum am Standort Viechtach auseinandersetzen wird, ist die Weiterentwicklung und Erprobung eines speziellen Fertigungsverfahrens für einen Wasserstoffdrucktank der Typklasse 4 für die Automobilindustrie.

Der Tank speichert Wasserstoff bei 700 bar. Zum Vergleich: Derart enorme Druckverhältnisse herrschen in der Tiefsee, gut 7.000 Meter unter der Meeresoberfläche. "Der Drucktank muss sicherstellen, dass kein Wasserstoff ungewollt entweichen kann und er muss härtesten Crashsituationen standhalten können", erklärt Martin Wippermann, Mitglied der Automotive Geschäftsleitung bei Rehau. "Jede einzelne Komponente, aus denen das Tanksystem besteht, wird deshalb speziell für diese Herausforderungen entwickelt und intensiv erprobt."

Gemeinsam mit Dr. Veit Wagner, Vizepräsident der Rehau Gruppe, und Stefan Tetek, Werkleiter Werk Viechtach 11, begrüßte er am Donnerstagmorgen zahlreiche Gäste - darunter Helmut Brunner, Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Vertreter der lokalen und kommunalen Politik sowie der Rehau Geschäftsleitung und vielen Mitarbeitern. Die Anwesenden bekamen die Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen der High-Tech-Ausstattung im Leichtbautechnikum zu blicken und sich selbst ans Steuer eines wasserstoffbetriebenen Fahrzeugs zu setzen.

Die Experten des Kunststoffverarbeiters mit Stammsitz in Rehau/Oberfranken widmen ihre Aufmerksamkeit einer ganz besonderen Tanklösung, die nach Angaben des Unternehmens nicht nur extrem sicher und reproduzierbar hergestellt werden kann, sondern vor allem auch ressourcenoptimiert und umweltschonend. Am Produktionsstandort Viechtach soll die eigens von Rehau entwickelte Technologie zur Herstellung des Kunststoffdrucktanks nun vom Labor- auf den Fertigungsmaßstab übertragen werden. Dafür investierte das Unternehmen innerhalb des Werks gut 3,4 Millionen Euro in eine spezielle Anlagentechnik. "Für uns ist diese Entscheidung ein bedeutender Schritt in die Zukunft - um neue Technologien weiter voranzutreiben und zugleich einen wichtigen Beitrag zur Standortsicherung zu leisten", sagt Martin Wippermann. "Unsere Kunden verlangen danach, dass wir mit neuen Ideen und effizienten Lösungen vorausgehen; dass wir sie dabei unterstützen, die Mobilität zukunftsfähig zu gestalten, dass wir umweltfreundliche, ressourcenschonende Systeme entwickeln und zur marktfähigen Serienreife bringen."

Wenngleich die Serienreife des Wasserstoffdrucktanks noch nicht unmittelbar bevorstehe und sich auch ein Massenmarkt für Wasserstoff betriebene Fahrzeuge erst noch entwickeln müsse, würden die Zeichen darauf hindeuten. Namhafte Automobilmarken signalisieren demnach bereits, schon in naher Zukunft auf die Brennstoffzellentechnologie als Antriebsalternative setzen zu wollen. Damit sich diese Technologie flächendeckend erfolgreich durchsetzen könne, brauche es sichere und robuste Speicher- und Transportmöglichkeiten für den Treibstoff.

Der von Rehau entwickelte Wasserstoffdrucktank bietet den Angaben zufolge eine ökonomisch reizvolle und ökologisch sinnvolle Lösung, die in Wasserstoffautos der Zukunft ihren Platz finden wird: Die innerste Schicht des Tanks hat die Aufgabe, zu verhindern, dass Gas entweichen kann. Kein Wasserstoff darf von innen nach außen gelangen, von außen darf nichts eintreten. Die Kapsel muss dicht bleiben und das stellt hohe Anforderungen an die Beschaffenheit ihres Materials. Spezielles Polyamid, ein äußerst beständiger, thermoplastischer Kunststoff, dient aufgrund seiner hervorragenden Festigkeit und Zähigkeit als essentielle Grundkomponente. Der Hochleistungswerkstoff wird in einer speziellen Fertigungsanlage unter Druck in seine zylindrische Form geblasen. Überzogen wird diese innerste Schicht mit einer Art Kokon aus Kohlefasern. Die Aufgabe des Kokons ist es, die Drücke des Tanks aufnehmen zu können und den Tank vor äußeren Einwirkungen zu schützen. Gerade diese Schicht gilt aufgrund des hochwertigen Kohlefasermaterials als von entscheidender Bedeutung für die Kostenbilanz des Wassertstoffdrucktanks. Das spezielle Verfahren soll dem Kokon hohe Festigkeit verleihen und nur ein Mindestmaß an Materialeinsatz erforderlich machen. Ein speziell entwickelter Kunststoff, der in einem darauf folgenden Arbeitsschritt eingebracht wird, sorgt dafür, dass der Tank haltbar gemacht wird. Dann ist er bereit dafür, Wasserstoff unter hohem Druck zu speichern und seine Leistungen in Wasserstoff betriebenen Fahrzeugen unter Beweis zu stellen.

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