21.11.2014

Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Reif für Logistik auf allen Kanälen: Maßstäbe für die Vernetzung von Online- und Filialhandel

Wer als Händler seine Kunden nicht nur persönlich im Geschäft erreichen möchte, sondern auch vom Wachstum des Online-Handels profitieren will, steht vor vielen logistischen Herausforderungen: Wie kann man zum Beispiel das Sortiment und die Lagerhaltung so organisieren, dass beide Kanäle effizient funktionieren? Nach welchen Kriterien und in welchen Entwicklungsstufen sich Logistik im so genannte Multi-Channel-Handels evaluieren und strukturieren lässt, haben erneut Wissenschaftler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) für ihren neuen Forschungsbericht „Entwicklungsstufen & Leistungskriterien für die Logistik im Multi-Channel-Handel“ untersucht.

Die Autoren Prof. Dr. Heinrich Kuhn, Prof. Dr. Alexander Hübner, Johannes Wollenburg und Andreas Holzapfel vom Bereich Supply Chain Management an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät knüpfen mit ihrer Publikation an die bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie „Logistik im Multi-Channel-Handel“ an. Für ihre aktuelle Untersuchung befragten sie zwischen November 2013 und Januar 2014 Vorstände, Geschäftsführer und Bereichsleiter von 31 renommierten Unternehmen aus dem Food und Non-Food-Bereich sowie 30 weitere Experten.

Zentrale Themen für die befragten Händler und Experten sind die Organisations- und Sortimentsgestaltung sowie die Entwicklung von gemeinsamen Lagern und Bestände, auf die sowohl der stationäre als auch der Online-Handel zugreifen. Die Wissenschaftler beschreiben in ihrer Publikation sieben Eckpfeiler in jeweils drei Ausbauphasen, mit denen sich die Entwicklungsstufen der Multi-Channel-Logistik bewerten lassen: Organisation, Netzwerke und Bestände, Kommissionierung und Kapazitätsmanagement, Online-Lieferwege, Retourenprozesse, Sortimentsumfänge sowie IT-Systeme. Der Bereich „Organisation“ widmet sich zum Beispiel der Fragestellung, inwieweit die organisatorische Verantwortung für die Multi-Channel-Logistik getrennt oder integriert erfolgt. Im Startansatz wird die Verantwortung für die Kanäle getrennt. Fortschrittlich ist eine übergreifende Koordination zwischen den Kanälen, die im optimalen Fall bis hin zu einer umfassenden Multi-Channel-Organisation reicht. „40 Prozent der Unternehmen verantworten ihre Kanäle bisher noch getrennt, während 60% bereits über eine umfassende Multi-Channel-Organisation verfügen“, so die Autoren.

Vergleicht man verschiedene Branchen hinsichtlich der Multi-Channel-Logistik, liegen einige Händler der Textilbranche noch hinter Händlern der Elektronikbranche. „Insbesondere bei den Lieferwegen und Retouren stehen die Textilhändler im Durchschnitt über alle Branchen hinweg hinten an. Sie betreiben allerdings zumeist integrierte Lagerstandorte und verfügen über eine ausgebaute Sortimentsstruktur mit einem größeren Angebot im Online-Kanal“, erklären die Wissenschaftler. Die Elektronikbranche verfüge bereits in Teilen über ein weitgehend optimiertes Mehrkanal-Logistikmodell. Bei Lieferwegen, IT-Systemen und der Gesamtorganisation könnten sich die Elektronikhändler im Durchschnitt die Spitzenposition sichern. Die Lebensmitteleinzelhändler befänden sich insbesondere bei Netzwerken und Beständen, Sortimenten und bei der Kommissionierung noch in den Startansätzen hinsichtlich einer integrierten Multi-Channel-Logistik.

Für die Praxis liefert die Studie wichtige Erkenntnisse über die verschiedenen Ausbauphasen, in denen sich die Branchen zur Zeit befinden, zu weiteren Entwicklungsmöglichkeiten und zur Leistungsmessung von Multi-Channel-Logistik in Unternehmen anhand unterschiedlicher Kriterien. Die Untersuchung bietet sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Akteure Anregungen und erfolgsversprechende Handlungsoptionen.

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