26.01.2016

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Ressourceneffiziente Produktion dank organisatorischer Maßnahmen – eine Chance für KMU

Laut der Erhebung „Modernisierung der Produktion“ des Fraunhofer ISI könnten die Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe nach eigener Einschätzung noch durchschnittlich 14 Prozent des Energiebedarfs und 6 Prozent des Materialverbrauchs in der Produktion einsparen, wenn sie alle technischen Möglichkeiten optimal nutzen würden. Bei der Ausschöpfung dieser Potenziale und der langfristigen Verankerung von Energie- und Ressourceneffizienz im Betrieb spielen auch Managementinstrumente eine wichtige Rolle. Aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Kosten sind diese nicht-technischen Maßnahmen insbesondere für KMU ein niedrigschwelliger, aber wirkungsvoller Einstieg in die ressourceneffiziente Produktion.

Eine ressourceneffiziente Produktion, also ein geringerer Einsatz an Energie und Materialien bei gleichbleibendem Produktionsoutput, ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor: Eine ressourcenschonende Produktion bedeutet Kosteneinsparungen, zudem wird für viele Konsumenten die ökologische Nachhaltigkeit von Produkten bei der Kaufentscheidung immer wichtiger. Zur Ausschöpfung von Einsparpotenzialen stehen meist technische Lösungen im Vordergrund, organisatorische Rahmenbedingungen und Maßnahmen werden in vielen Unternehmen hingegen weniger betrachtet – und das, obwohl gerade solche nicht-technischen Maßnahmen geringere Investitionen erfordern und deshalb vor allem für KMU ein kostengünstiger, aber wirkungsvoller Einstieg in eine ressourceneffiziente Produktion sind.

Für die Studie „Ressourceneffiziente Produktion jenseits technischer Lösungen“ wertete das Fraunhofer ISI die Angaben von 1.594 Firmen des Verarbeitenden Gewerbes aus, die im Jahr 2012 an der regelmäßig durchgeführten Erhebung „Modernisierung der Produktion“ teilgenommen hatten. Die Analysen zeigen, dass fast 40 Prozent der Betriebe Energieeffizienzmaßnahmen und 73 Prozent Materialeffizienzmaßnahmen in ihrer Produktion einsetzen.

Befragt nach zusätzlichen Einsparmöglichkeiten schätzen die Betriebe, dass sie durchschnittlich 14 Prozent ihres Energiebedarfs einsparen könnten, wenn sie die heute verfügbaren technischen Möglichkeiten optimal nutzen würden. Hinsichtlich der Materialnutzung vermuten sie durch die Umsetzung entsprechender Maßnahmen ein Einsparpotenzial von etwa 6 Prozent.

Dabei zeigt sich, dass Betriebe unterschiedlicher Größe ihr Einsparpotenzial sehr unterschiedlich einschätzen: Fast ein Viertel der kleinen Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten gibt an, im Bereich Energie kein weiteres Einsparpotenzial zu haben, während dieser Wert bei Betrieben mit mehr Beschäftigten bei 11 Prozent (bis 249 Beschäftigte) beziehungsweise 7 Prozent (ab 250 Beschäftigte) liegt. Auch bei der Frage nach Materialeinsparungen ist der Anteil der mittleren und großen Betriebe, die noch Einsparpotenziale in ihrer Produktion sehen, deutlich höher als bei kleinen Betrieben.

Katharina Mattes, Hauptautorin der Studie, betont: „Die Ergebnisse weisen auf Defizite bei der Einschätzung der vorhandenen Ressourceneinsparpotenziale hin: Dass kleinere Betriebe wenige oder keine Einsparpotenziale sehen, heißt nicht, dass sie generell ressourceneffizienter produzieren als mittlere oder große Betriebe und bereits alle Potenziale erschlossen haben. Vielmehr nutzen sie weniger die notwendigen Instrumente, mit denen sie bestehende Einsparpotenziale identifizieren und in vollem Umfang einschätzen können.“

Damit Unternehmen das eigene Einsparpotenzial erkennen und gezielt Effizienzmaßnahmen in der Produktion umsetzen können, brauchen sie die richtigen organisatorischen Rahmenbedingungen: Managementinstrumente wie Total-Cost-of-Ownership-Ansätze (TCO), Qualitätsmanagementkonzepte sowie Energiemanagement- und Umweltkennzahlensysteme verbessern die Kenntnis der eigenen Prozesse, decken Einsparpotenziale systematisch auf und sind somit eine gute Entscheidungsgrundlage für einen Einsatz von Ressourceneffizienzmaßnahmen in der Produktion.

Katharina Mattes nennt ein Beispiel: „Die Verwendung eines zertifizierten Energiemanagementsystems nach der ISO-Norm 50001 ermöglicht die Identifizierung von Energieeinsparpotenzialen und damit auch die Verbreitung von Energieeffizienzmaßnahmen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass drei Viertel der Betriebe, die solche Energiemanagementsysteme einsetzen, technische Energieeffizienzmaßnahmen in ihrer Produktion nutzen. Demgegenüber wenden lediglich gut ein Drittel der Betriebe ohne solche Energiemanagementsysteme technische Energieeffizienzmaßnahmen im Produktionsprozess an.“

Um mit wenig Aufwand Energieeinsparpotenziale zu identifizieren und entsprechende Energieeffizienzmaßnahmen umzusetzen, bietet sich beispielsweise die Teilnahme an Lernenden Energieeffizienz-Netzwerken an. In solchen Netzwerken tauschen sich 10 bis 15 Unternehmen über ihre Potenziale aus, lernen voneinander und steigern so ihre Energieeffizienz doppelt so schnell wie der Durchschnitt der Industrie. Das Fraunhofer ISI unterstützt solche Netzwerke im Rahmen des Projekts „LEEN100plus“ mit Netzwerken für größere Unternehmen mit mehr als 500.000 Euro Energiekosten pro Jahr (LEEN-Klassik) und für kleinere Betriebe mit bis zu 500.000 Euro Energiekosten pro Jahr (Mari:e/LEEN-Kompakt). Die in diesen Netzwerken erstellten Berichte entsprechen unter anderem der Norm ISO 50001 und sind beispielsweise für Anträge zum Spitzenausgleich nutzbar.

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