Prof. Dr.-Ing. Bonten

Ressourceneffizienz

Prof. Dr.-Ing. Christian Bonten

Universität Stuttgart,  Leiter Institut für Kunststofftechnik (IKT)

 

Solange Leben auf der Erde existiert, werden Ressourcen verbraucht und im Sinne der Nachhaltigkeit ist es weise, dass jede Generation die ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen so effizient wie möglich nutzt, um der jeweils folgenden Generation einen gleichen oder höheren Lebensstandard zu ermöglichen. Kunststoffe tragen bei genauerem Hinsehen erstaunlich viel zur globalen Ressourceneffizienz bei und verharren doch oft in der Defensive. Dabei bietet die Kenntnis der Zusammenhänge genügend Stoff, offensiv mit der positiven Bilanz von Kunststoffen und Kunststofftechnik zu argumentieren.

 

Mit Kunststoffen Energie sparen und umweltschonend erzeugen

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der entwickelten Länder soll zunehmend vom Verbrauch fossiler Energien und den damit verbundenen CO2-Emissionen entkoppelt werden. Die größten Energieeinsparpotenziale befinden sich meist in der Beheizung von Gebäuden, in der Energie für Transport und Verkehr sowie für die Produktion. Werden Produkte miteinander in einer Ökobilanz verglichen, „gewinnen“ meist jene aus Kunststoff. So ist eine Gebäudedämmung aus geschäumtem Kunststoff jener mit klassischen Dämmstoffen klar überlegen und spart nach bereits etwa zwei Jahren ein, was für deren Erzeugung aufgewendet wurde. Kühlgeräte in Haushalt und Gastronomie sind u.a. so energieeffizient, weil sie mit Kunststoffschaum gedämmt werden, und die moderne energiesparende Beleuchtung ist ohne Kunststoffe nicht möglich. Fahr- und Flugzeuge werden zunehmend aus Kunststoffen gefertigt, um deren Energieverbrauch zu senken. Aber auch die regenerative Energieerzeugung ist auf Kunststoff angewiesen: Windradrotoren sind heute stets aus Faser-Kunststoffverbund. Flexible Photovoltaik und wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen sind ohne Polymerschichten nicht vorstellbar.

 

Energie-, maschinen- und arbeitseffiziente Kunststoffverarbeitung

Nicht etwa der Materialpreis, denn Kunststoffe sind eher die teureren Werkstoffe, sondern die energiesparende und kostengünstige Kunststoffverarbeitung verleiten immer wieder dazu, klassische Konstruktionswerkstoffe durch Kunststoffe zu ersetzen. Zur noch weiteren Einsparung von Maschinen-, Arbeits- und Energieaufwand werden immer wieder Prozessschritte kombiniert und Verfahren integriert. Stete Aufgabe der Ingenieure ist es, selbst den bereits niedrigen Energieverbrauch von Dauerläufern wie Extrudern und Spritzgießmaschinen immer weiter zu optimieren.

 

Materialeffizienz mit Kunststoffen

Der Produktentwickler ist stets getrieben, Material (Kosten und Gewicht) zu sparen, sei es durch intelligentes Design, durch preisgünstigere Werkstoffe oder durch den Einsatz von Rezyklaten. Hohe Sammel- und Verwertungsquoten von Kunststoffabfällen sind Garant, Umweltverschmutzung (auch der Weltmeere) zu vermeiden. Kunststoffabfälle sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz heute begehrte Wertstoffe und die stoffliche Verwertung wird immer attraktiver. Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe ist langfristig materialeffizient, denn fossile Ressourcen bleiben länger unangetastet. Großtechnisch ist es sogar möglich, Kohlenstoffdioxidabfälle (CO2) zu Kunststoffen zu verarbeiten.

 

Kunststofftechnologie ist „Ressourcen-Schon-Technologie“

Kunststoff als „Ressourcen-Schonstoff“ ist von weit höherem gesellschaftlichen Nutzen als in der Öffentlichkeit wahrgenommen: Kunststoffe gewinnen viele Ökobilanzen, denn sie sparen in Gebäuden, Mobilität und Produktion enorme Mengen an fossil-basierter Energie und somit CO2-Emissionen. Und: Kunststoffe sind zudem zum Wegwerfen zu schade; die Verbraucher weltweit müssen zur Achtsamkeit gegenüber der Umwelt angehalten werden! Das Streben der Ingenieure in der Produktion nach hoher Maschinen-, Arbeits- und Materialeffizienz steigert die Ressourceneffizienz dieser Werkstoffgruppe immer weiter.