22.02.2011

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Russland: Überkapazitäten bei der PET-Produktion erwartet

Sibur und Gasprom suchen nach neuem Standort und Baufirma / Bestehende Produktionsstätten werden erweitert / Von Bernd Hones

Die Volksrepublik China und Staaten aus dem Mittleren Osten produzieren bereits heute Polyethylenterephthalat im Überfluss. Auch Russland wird bis spätestens 2015 mehr produzieren als im Inland verbraucht wird - obwohl die Nachfrage im größten Flächenstaat der Welt Jahr für Jahr um vier bis sechs Prozent wächst. Dafür sorgen eine neue Anlage des Herstellers Alco-Nafta (Siehe auch plasticker-News vom 16.2.2011) und ein geplantes Gemeinschaftswerk der Unternehmen Sibur und Gaspromneft. Noch 2011 soll der Vertrag mit einem Chemieanlagen-Hersteller stehen. (Kontaktanschriften)

Das Jahr 2010 war ideal für russische PET-Hersteller. Der heiße Sommer bescherte der Getränkeindustrie eine immense Nachfrage nach abgefüllten Säften, Wasser und Limonaden. Außerdem hatte der Markt aufgrund der vorausgegangenen Wirtschaftskrise noch Nachholbedarf. Die Folge: Die Nachfrage nach Polyethylenterephthalat stieg gewaltig. Das Marktvolumen lag 2010 bei 568.000 t - ein Zuwachs von 14% im Vergleich zum Vorjahr.

Die Kapazitäten der Hersteller waren zu 99% ausgelastet, sagte Nicolai Lewtschenkow, Verkaufsdirektor des russischen Chemiekonzerns Sibur, auf einer Fachkonferenz des Chemieberaterunternehmens Creon Mitte Februar 2011 in Moskau. Rund 47% der heimischen Nachfrage wurden durch Importe gedeckt.

[2;z]*) Prognose, Quelle: Sibur

Das könnte sich schon bald ändern. Der Hersteller Alco-Nafta will in Kürze eine Anlage mit Kapazitäten von 240.000 t PET-Granulat pro Jahr in Betrieb nehmen. "Produktionsstart wird in wenigen Tagen sein", sagte Alco-Nafta Generaldirektor Dmitry Schabanow am 14. Februar 2011. Das Werk in Kaliningrad hat das deutsche Unternehmen Uhde Inventa-Fischer gebaut. Rund ein Drittel der Produktion dürfte in Russland abgesetzt werden, der Rest wird in anderen osteuropäischen Ländern verkauft.

[3;z]*) Prognose, Quelle: Sibur

Die Importe aus Asien werden jedoch nicht versiegen, vor allem nicht in die Regionen im Fernen Osten Russlands. Importe aus der Volksrepublik China und Südkorea bleiben günstiger als Lieferungen aus den 8.000 km entfernten Wolga-Gebieten. Zumal in China momentan enorme Überkapazitäten im Entstehen sind. Allein die Volksrepublik China dürfte Ende 2012 in der Lage sein, rund 1 Mio. t PET zu exportieren, glaubt Allessandro Pirondini vom Mailänder Chemie-Consultingunternehmen GSI.

Dennoch will Sibur gewaltig investieren: Im Werk von Sibur-PET im Gebiet Twer sollen die Kapazitäten 2012 auf 90.000 t Polyethylenterephthalat erweitert werden. Bei Polyef (Sibur hält an diesem Unternehmen einen Anteil von 50%) ist zum Jahr 2013 eine Erweiterung von 137.000 auf 200.000 t geplant. Dabei sollen die bestehenden Anlagen erhalten bleiben, nur die Kapazitäten werden erhöht. Der dafür nötige Grundstoff, Paraxylol, kommt aus den Werken Ufaneftechim und aus dem Omsker Petrochemiewerk Omski NPS.

Aber Sibur plant auch eine ganz neue Produktionsstätte - und zwar zusammen mit dem Erdölkonzern Gaspromneft. Die beiden Konzerne verhandeln über ein Joint Venture zur Produktion von PET. Wo die neue Anlage stehen soll steht noch nicht fest. Im Gespräch sind die Polyef-Plattform in Baschkortostan, Omsk oder Nishni Nowgorod. Noch im Jahr 2011 soll der Vertrag mit einer Projektions- und Baufirma unterzeichnet werden, Baubeginn ist 2012. Nach zweijähriger Bauzeit könnte die Anlage schon 2014 oder spätestens 2015 in Betrieb genommen werden, sagte Roman Efimichew, Leiter der Abteilung für Petrochemie bei Gaspromneft auf der Creon-Veranstaltung in Moskau.

Gaspromneft plant dafür ein Paraxylolwerk mit Kapazitäten von 230.000 t pro Jahr. Im neu zu gründenden Gaspromneft-Sibur-Joint Venture sollen daraus 350.000 t Terephtalsäure und schließlich 420.000 t PET pro Jahr gewonnen werden. Mit dieser Investition dürften die Kapazitäten in Russland zum Jahr 2015 auf über 1 Mio. t PET pro Jahr steigen - bei einem geschätzten Inlandsverbrauch von knapp 700.000 Mio. t.

Kontaktanschriften:

Creon
Uniwersitetski Prospekt 9, 119296 Moskau
Tel.: 007 495/797 49 07, Fax: -938 00 08
www.creon-online.ru
Ansprechpartner für deutsche Firmen: Fares Kilzie (Präsident, fk@creon-online.ru)

OAO Polyef
ul. Sozialistitscheskaja 71, 453434 Blagoweschensk, Republik Baschkortostan
Tel.: 007347/292 35 41, Fax: -279 75 23
inbox@polyef.rz, www.polief.ru

OAO Sibur-PET
pl. Gagarina 1, 170018 Twer
Tel.: 0074822/33 67 00, Fax: -33 67 57
info@tverpet.ru, www.tverpet.ru

Alco-Nafta
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Tel.: 007 4012/71 60 22, Fax: -71 60 20
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