26.02.2010

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Russland: PET-Hersteller weiter im Aufwind

Kapazitäten sollen sich 2010 verdoppeln / Russland auf dem Weg zum Nettoexporteur

Noch vor acht Jahren gab es in Russland keine einzige PET-Anlage. Im Jahr 2010 dürften die inländischen Produktionskapazitäten erstmals das Markt-volumen übersteigen. Das Unternehmen Alco-Nafta wird das größte Chemiewerk zur Herstellung dieses Polymers in Betrieb nehmen. Die Ausbaupläne anderer Unternehmen scheitern bisher an Umweltschutzbedenken. Der Markt für recycelte PET-Flaschen entwickelt sich angesichts mickriger Pfandbeträge nur extrem langsam, dafür schwören russische Recyclingfirmen auf deutsche Technik. (Kontaktanschriften)

Noch im Jahr 2002 hat Russland seine Nachfrage nach Polyethylenterephthalat (PET) vollumfänglich aus Importen gedeckt, es gab noch keinen einzigen Hersteller. Die ersten inländischen Kapazitäten wurden 2003 in Betrieb genommen, 2009 gab es immerhin schon drei Produzenten: Sibur-Holding, Senege und Polyef. Diese Drei versorgen den heimischen Markt zunehmend mit eigenen Produkten, entsprechend fällt die Importquote. Im Jahr 2009 lag sie nur noch bei 45%, der Auslastungsgrad der drei Hersteller bei knapp 90%. Und das, obwohl das Marktvolumen 2009 um rund 13% sank. Dieser Trend zunehmender Eigenversorgung wird sich auch künftig fortsetzen, ist sich Farez Kilzie, Präsident der Marktforschungs- und Chemieberaterfirma Creon, sicher. Der Grund sind die Kapazitätserweiterungen bestehender Branchenunternehmen sowie die Pläne neuer Konzerne am russischen PET-Markt.

Den Markteintritt plant etwa der Wodka-Produzent Alco-Nafta. Im Jahr 2010 will der Konzern in Kaliningrad ein Werk mit einer Jahreskapazität von 240.000 t Polyethylenterephthalat in Betrieb nehmen. Während Sibur-Pet und Senege 2010 nur kleine Erweiterungsmaßnahmen durchführen werden, stockt Polyef die Kapazitäten um 30.000 t auf und wird künftig in der Lage sein, Jahr für Jahr 150.000 t PET zu produzieren. Darüber hinaus war im Stawropolski Krai eine neue PET-Anlage geplant. Allerdings gibt es Umweltschutzbedenken gegen das Projekt in der Urlaubsregion. Daher sucht der Investor nach einen neuen Produktionsstandort, sagte die stellvertretende Creon-Präsidentin Tamara Chasowa auf der 6. Internationalen PET-Konferenz in Moskau.

Die neuen Kapazitäten dürften zum einen dazu beitragen, die Nachfrage nach PET in Russland zu decken. Alco-Nafta will mit dem neuen Werk aber auch andere Märkte in Osteuropa bedienen. Damit könnte sich Russland ganz allmählich zu einem wichtigen Exporteur des Polyolefins entwickeln. So wie etwa bei Polyethylen, wo Russland bereits heute ein wichtiger Anbieter ist. Um jedoch China als wichtigsten PET-Exporteur vom Thron zu stoßen - dazu bedarf es noch umfangreicherer Investitionsprogramme als geplant. Schließlich habe das asiatische Land rund 1 Mio. t Überkapazitäten, die es auf den Weltmärkten absetzen kann. Sollten auch noch die geplanten Investitionsmaßnahmen in China umgesetzt werden, könnten die frei für den Export verfügbaren PET-Volumina bis 2011 sogar auf 1,5 Mio. t steigen, sagte Francesco Zanchi, Geschäftsführer des Beraterunternehmens G.S.I.

Im Jahr 2009 stieg die PET-Produktion in Russland um 80.000 t auf 263.000 t. Der Import ging um 43% auf 200.000 t zurück. Zu den wichtigsten Lieferanten von PET zählen Unternehmen aus Südkorea mit einem Anteil von 41%, aus der Volksrepublik China (26,4%), Belarus (22,3%) und Litauen (4,2%). Aus der Bundesrepublik Deutschland wurden 2009 rund 2.000 t PET nach Russland geliefert.

Die Marktexperten von Creon rechnen für das Jahr 2010 mit einem Nachfragewachstum am russischen Inlandsmarkt um 5 bis 6%. Da sich die Kapazitäten verdoppeln dürften, wird die inländische PET-Produktion die Nachfrage in Russland erstmals übersteigen. Marktexperten rechnen mit einer anhaltenden Importsubstitution durch eigene, russische Produkte. Wodka-Produzent Alco-Nafta, der die 240.000 t-Anlage 2010 in Betrieb nehmen wird, will einen Großteil des in Russland produzierten Polymers in osteuropäischen Nachbarstaaten verkaufen. Die Exporte werden demzufolge stark ansteigen.

Die Verwendung des Polymers PET in Russland unterscheidet sich drastisch von anderen Ländern. Während in Asien, Europa und Amerika zu zwei Drittel Chemiefasern gekauft und weiterverarbeitet werden, gibt es in Russland hauptsächlich einen Markt für PET-Flaschen. Rund 91% des in Russland abgesetzten Polymers werden für diesen Verwendungszweck abgesetzt, 4% gehen in die Folienproduktion und nur 5% in die Herstellung von Chemiefasern.

Das Recycling von PET-Flaschen steckt in Russland noch in den Kinderschuhen, könnte aber in Zukunft eine bedeutendere Rolle spielen. Es gibt zwar in einigen Großstädten wir Moskau und Sankt Petersburg Pfandautomaten. Aber das Flaschenpfand von gerade einmal 10 Kopeken bietet noch einen zu geringen finanziellen Anreiz, um den Markt zu beeinflussen. Flaschensammler müssten 420 Flaschen in den Pfandautomat stecken, um 1 Euro zu erlösen. Sollten die Rohstoffpreise aber wieder drastisch steigen, könnte das Thema Recycling an Bedeutung gewinnen. Dazu müsste auch der Gesetzgeber aktiv werden und ein attraktiveres Pfandsystem entwickeln.

Pionierarbeit im PET-Recyclingbereich hat die Firma Plarus geleistet - mit Technik der B+B Anlagenbau GmbH und der RTT GmbH aus Deutschland sowie der Bühler AG aus der Schweiz. Das Unternehmen Plarus, das wie auch der PET-Hersteller Senege im Industriegebiet Rekinzo im Moskauer Gebiet angesiedelt ist, sortiert zunächst die eingehenden PET-Flaschen nach Farben, zerkleinert und wäscht die Kunststoffe. Eine Extrusionsmaschine stellt dann das begehrte Granulat her.

Kontaktanschriften:
Creon
Uniwersitetski Prospekt 9, 119296 Moskau
Tel.: 007 495/797 49 07, Fax: -938 00 08
www.creon-online.ru
Ansprechpartner für deutsche Firmen: Fares Kilzie, Präsident (fk@creon-online.ru)

OAO Polyef
ul. Sozialistitscheskaja 71, 453434 Blagoweschensk, Republik Baschkortostan
Tel: 007347/292 35 41, Fax: -279 75 23
inbox@polyef.rz, www.polief.ru

OAO Sibur-PET
pl. Gagarina 1, 170018 Twer
Tel.: 0074822/33 67 00, Fax: -33 67 57
info@tverpet.ru, www.tverpet.ru

OOO Sawod nowych polimerow Senesch
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Tel./Fax: 007 495/253 45 34
www.senege.com

Plarus
Promsona Pekinzo 1, 141500 Solnetschnogorsk, Moskowskaja Oblast
Tel.: 007 495/651 09 10, Fax: -651 93 15
info@plarus.ru, www.plarus.ru

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