09.12.2010

www.plasticker.de

Russland: PVC-Verarbeiter klagen über Preisabsprachen

Der Konjunkturaufschwung, der große Renovierungsbedarf und staatliche Energieeffizienzprogramme sorgen in Russland für eine hohe Nachfrage nach Polyvinylchlorid (PVC) und PVC-Profilen. Dieser Trend dürfte auch 2011 anhalten. Dennoch haben viele der Kunststoffverarbeiter einen schweren Stand. Die PVC-Preise steigen seit einem Jahr rapide und Anfang 2011 ist auch noch eine Importzoll-Erhöhung geplant. Die Schuld dafür geben sie den russischen PVC-Herstellern. Ihr Vorwurf: unerlaubte Preisabsprachen. (Kontaktanschrift)

Russlands Markt für Polyvinylchlorid (PVC) dürfte 2011 im Volumen wieder über die Marke von 1 Mio. t steigen. Diese Prognose vertraten eine Reihe von Branchenexperten auf der "8. Internationalen PVC-Konferenz" der Chemieberaterfirma Creon Anfang Dezember 2010 in Moskau. Dabei dürften 2011 rund 750.000 t PVC in Russland gefertigt werden, der Rest kommt aus dem Ausland. Allein das Handelshaus Chimtrade will 2011 rund 254.000 t PVC importieren. Händler und Weiterverarbeiter kritisierten gleichermaßen die Gesetzesinitiative, die von einigen wenigen PVC-Herstellern unterstützt wird. Danach sollen ab 1.1.2011 die Einfuhrzölle auf PVC von 10 auf 15% steigen.

Creon-Präsident Fares Kilzie sieht darin eine klare Wettbewerbsverzerrung zugunsten russischer PVC-Hersteller und Nachteile für die Weiterverarbeiter. Er klagt darüber, dass sich kleine und mittelgroße Firmen nicht direkt, sondern nur über Zwischenhändler mit PVC eindecken könnten. Selbst der eigenen Angaben zufolge drittgrößte PVC-Rohrehersteller Russlands, Chemkor, kann das begehrte Polymer nicht direkt bei einem der Erzeuger kaufen. Firmenchef Andrei Tolmatschjew wirft der PVC-Industrie vor, über die Zollerhöhungen die eigenen Margen zu erweitern, indem sie die Preise für inländische Ware an das Preisniveau der Importware angleichen. Trotzdem will Tolmatschjew die Produktion 2011 um 60% steigern und dazu neue Technologien kaufen.

Die meisten russischen Weiterverarbeiter stehen massiv unter Druck, ihre Gewinne sind trotz steigender Nachfrage im Keller, einige schreiben wegen der hohen Einkaufspreise für PVC gar Verluste. Zwei Hersteller haben für 2011 sogar angekündigt, ihre Produktion einzustellen. Dasselbe Schicksal hat 2009 und 2010 schon zwei PVC-Produzenten ereilt. Neue Kapazitäten dürften erst 2013 entstehen - im neuen Werk des Unternehmens Rusvinyl. Das ist ein Joint-Venture des russischen Chemiegiganten Sibur und des belgischen Unternehmens Solvay.

Ungeachtet der Probleme um die Versorgung der russischen Weiterverarbeiter mit dem Polymer-Grundstoff PVC ist der Markt für PVC und PVC-Profile im Jahr 2010 ordentlich gewachsen. Die Nachfrage nach PVC-Profilen stieg 2010 um 25% auf 462.000 t. Das lag zum einen an den grundsätzlich verbesserten konjunkturellen Rahmenbedingungen, aber auch am hohen Ersatzbedarf und den Energieeffizienz-Bestrebungen der russischen Regierung. Im Vorjahr war das Marktvolumen um 36% auf 366.000 t gefallen. Viele Renovierungs- und Modernisierungspläne wurden aufs Jahr 2010 verschoben. Für das Jahr 2011 prognostiziert das Marktforschungsunternehmen Okna Marketing ein erneutes Wachstum von 20% auf knapp 560.000 t.

Wachstumstreiber war aber nicht die Bauwirtschaft, die Branche befand sich auch 2010 weiterhin in der Krise - und zwar nicht nur was die Nachfrage nach PVC-Profilen anbelangt. Ein Indikator dafür ist die neu gebaute Wohnfläche. Im Jahr 2010 wurden in Russland lediglich 68 Mio. qm Wohnfläche geschaffen. Das waren sogar um 15% weniger als im Krisenjahr 2009.

Das gute Ergebnis ist einzig und allein auf Privatleute zurückzuführen, auf Eigentümer von Wohnungen und Datschen. Viele ersetzten 2010 ihre alten Holz- durch neue Kunststofffenster. Immer mehr Russinnen und Russen finanzieren solche Renovierungsarbeiten wieder über Kredite. Einer Okna Marketing-Schätzung zufolge dürften sich die Hypothekenkredite 2010 auf 330 Mrd. Rbl mehr als verdoppelt haben.

[2;z]
Der Importanteil von Kunststoffprofilen aus PVC ist 2010 mit 9% stabil geblieben. Russische Anbieter haben in den Jahren zuvor ihre Marktposition konsequent ausgebaut. Im Jahr 2006 wurde die inländische Nachfrage nach Kunststoffprofilen noch zu einem Drittel durch Importe gedeckt. Die Preise für PVC-Profile stiegen laut Informationen von Okna Marketing um moderate 5%. Zum Vergleich: Käufer von PVC-Konstruktionen mussten 2010 sogar 15% mehr für die Ware bezahlen als 2009.

Die Perspektiven für 2011 bleiben aussichtsreich. Die russische Regierung will den Fonds für Kommunalwirtschaft mit zusätzlich 15 Mrd. Rbl aufstocken. Daraus sollen bis 2013 Mikro-Wohnbezirke renoviert werden. Außerdem stimulieren neue Gesetze zur Erhöhung der Energieeffizienz den Markt für hochwertige PVC-Profile. Bis zum 1. Januar 2011 sollten sämtliche föderale Behörden, als auch Privateigentümer von Gebäuden (nicht Wohngebäude) ihre veralteten Wasser- und Erdgasleitungen durch neue ersetzen. Bis zum 1. Juli 2013 gilt dieselbe Vorschrift für alle Wohngebäude in Russland. Außerdem wurden Standards für die Dämmqualität von Fenstern vorgeschrieben. Zum 1.1.2016 werden die Anforderungen nochmals angehoben.

Kontaktanschrift

Creon
Uniwersitetski Prospekt 9, 119296 Moskau
Tel.: 007 495/797 49 07, Fax: -938 00 08
Internet: www.creon-online.ru
Ansprechpartner für deutsche Firmen: Fares Kilzie (Präsident, E-Mail: fk@creon-online.ru)

SAO Chemkor
ul. Genkinoi 61, 603024 Nischni Nowgorod
Tel./Fax: 007 831/278 76 44
E-Mail: info@chemkor.ru, www.chemkor.ru

Rusvinyl
ul. Malaja Pokrowskaja 6/1, 603000 Nischni Nowgorod
Tel.: 007 831/431 77 88, Fax: -430 77 22
E-Mail: rusvinyl@rusvinyl.ru, Internet: www.rusvinyl.ru

Okna Marketing
ul. M. Dmitrowka 24/2, dom 2, 127006 Moskau
Tel.: 007 495/514 38 76
E-Mail: info@oknamar.ru, www.oknamar.ru